Steinige Rückreise

Bönenerin (20) wegen Corona in Mittelamerika gestrandet

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Coronavirus: Nach der anstrengenden Reise in den Norden des Landes, war die Bönenerin überglücklich den Grenzübergang in El Ceibo erreicht zu haben.

Auf Reisen in Zeiten des Coronavirus: Chiara Nobis aus Bönen ist in Mexiko und Guatemala gestrandet.

Bönen/Guatemala/Mexiko - Noch einmal Mittelamerika entdecken, bevor die Ausbildung beginnt. Ein entspannter Aufenthalt in Mexiko und ein paar Tage in Guatemala. Das war der Plan der Bönenerin Chiara Nobis. Doch das Coronavirus machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Der Urlaub entwickelte sich zu einem Abenteuer, an das sie sich noch lange erinnern wird. Schon vor einem Jahr ging es nach der bestandenen Abiturprüfung für die Bönenerin nach Kolumbien. Nun wollte sie sich im März auch Mittelamerika genauer ansehen. 

Die 20-Jährige war einen Monat lang in Mexiko unterwegs, dann flog sie nach Guatemala weiter. Doch schon am Flughafen in Guatemala-Stadt ergab sich ein ungewöhnliches Bild: „Eine lange Schlange zog sich durch das Flughafen-Terminal. Am Ende wurde bei allen Passagieren Fieber gemessen.“ Igendwann zog es sie in den Nordosten den Landes. Sie nahm dafür einen Shuttle-Bus in Richtung Lanquin. 

Doch die Situation im Land änderte sich binnen Stunden „Der Busfahrer teilte uns schon um 10 Uhr morgens beim ersten Stopp mit, dass die Lage sehr angespannt sei.“ Am frühen Abend erfuhr die 20-Jährige dann, dass Mitternachts die Grenzen geschlossen werden sollten. Der Bus stoppte 60 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel in Cobán: „Dann machte ich mir, wie auch andere Touristen im Bus, Sorgen. Schließlich ist das eine Ausnahmesituation. Man ist in einem fremden Land und alles ist ungewiss.“ 

Coronavirus: So ist die Situation im Kreis

Coronavirus: Flughafen zwölf Stunden entfernt

Doch die Reisegruppe hatten Glück im Unglück. An der vorläufigen Endstation lernten sie einen Hotelbesitzer kennen, der ihnen ein Taxi organisieren wollte, das sie Richtung Grenze bringen sollte. Denn die 20-Jährige wollte unbedingt nach Mexiko zurück: „Dort fühle ich mich wohler und kennen auch ein paar Leute. Außerdem möchte ich von dort den Heimweg antreten.“ Außerdem sei der nächste Flughafen in Guatemala zwölf Stunden entfernt gewesen. 

Kurze Zeit später war die Stimmung der Gruppe noch schlechter. Nun schränkte die Regierung auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ein - das heißt doch kein Taxi in Richtung Grenze. „Nun wusste wieder keiner, wie es weitergehen sollte. Das war frustrierend und niederschmetternd dort festgesetzt zu sein.“ Außerdem waren Gerüchte im Umlauf, dass man als Tourist eine Woche in Quarantäne käme, wenn man öffentliche Verkehrsmittel benutzt und aufgegriffen wird. Deshalb verblieb sie zunächst für mehrere Tage in Cobán, war aber auch froh gerade dort gestrandet zu sein. Denn in der Stadt mit rund 90 000 Einwohnern hatte sie eine Unterkunft, nette Gesellschaft und eine gute Versorgung. 

„In Lanquin – also mitten im Dschungel – hätte das schon ganz anders ausgesehen. Hier haben wir dank des Hotelbesitzers eine Unterkunft gehabt.“ Dass sich die Lage in dem Land so schnell zuspitzen würde, konnte Nobis nicht absehen. „Klar wussten wir was in Deutschland passiert, haben aber in Mittelamerika nichts davon gespürt. Das ist alles von jetzt auf gleich geschehen. Die Regierung hat innerhalb eines Tages alles dichtgemacht.“

Auch an den Flughäfen legte der Virus das öffentliche Leben lahm.

Inzwischen hatten sich die Urlauber auch mit der deutschen Botschaft in Verbindung gesetzt, die ihnen zunächst auch nicht weiterhelfen konnte. Um immer die neusten Infos zu erhalten, erstellten die Reisenden eine WhatsApp-Gruppe mit Kique Rodas, dem deutschen Botschafter. Nach Tagen der Ungewissheit öffnete das Land wieder die Grenze zu Mexiko. Nun musste die Bönenerin nur noch die knapp 60 Kilometer entfernte Grenze überwinden. 

Alleine hätte sie den Weg nicht aus sich genommen, gibt sie zu. Doch ein Deutscher aus der Reisegruppe begleitete sie. Eine günstige Transportmöglichkeit zu finden, gestaltete sich zunächst als schwierig. Für die 360 Kilometer lange Fahrt kostete die beiden Touristen 270 Euro. Über Land und mit dem Schiff kamen sie dann an der Grenzstadt El Ceibo angekommen – leider ein paar Minuten zu spät. Der Übergang war schon geschlossen, sodass beide auf den nächsten Tag warten mussten. Mit einem Sammeltaxi ging es am nächsten Morgen über die Grenze. 

Coronavirus: Die Rückfahrt ist weit von Guatemala nach Mexiko.

Nach einem Zwischenstopp in Palenque nahm sie dann den Bus nach Bacalar und erreichte nach Tagen ihr Wunschziel. Am 23. März will die Bönenerin ihre Rückreise antreten. „Aktuell komme ich zumindest nach Europa zurück, hätte aber einen längeren Aufenthalt in der Schweiz“, berichtet die 20-Jährige. „Wenn ich hier nicht wegkomme, wäre das schon ärgerlich, da ich im April meine Ausbildung beginnen möchte.“ Gerade wegen der vergangenen nervenaufreibenden Tage lässt sich Nobis ihre gute Laune nicht mehr nehmen: „Hier fühle ich mich wohl. Wenn ich hier noch etwas länger bleiben müsste, wäre das auch nicht schlimm.“

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