Volle Radwege, Schlangen vor den Eisdielen: Das waren die Ostertage im Kreis Unna

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Das Gradierwerk in Werne war am Ostersonntag ein beliebtes Ausflugsziel. Auch Gabriele (rechts) und ihre Mutter Hermelind mit Hund Linus nutzten trotz Corona das gute Wetter.

Bönen/Bergkamen/Werne - Die Corona-Krise schränkt das Leben massiv ein. Das Osterfest 2020 wird wegen Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen sicher in Erinnerung bleiben. Der WA ist am Ostersonntag aufmerksam unterwegs gewesen und hat dabei – trotz aller Bestimmungen – viele positiv gestimmte Menschen getroffen.

Knapp 23 Grad, viel Sonne und ein paar Schönwetterwolken. Dass es bei diesen Wetterbedingungen die Menschen nach draußen zieht, ist nachvollziehbar. 

In Bönen sind wie überall seit Wochen die Spielplätze gesperrt. Für die beiden Kinder der jungen Familie, die am frühen Nachmittag bei ihrer Radtour am Spielplatz am Gemeindeteich vorbei kommt, ist die Versuchung groß. Denn die Absperrbänder sind mutwillig abgerissen worden und der Weg zu den Spielgeräten eigentlich frei. Es fällt nicht leicht, die beiden Kleinen, die direkt beim Anblick der leeren Schaukeln vom Rad abgestiegen sind, zurückzuhalten. 

Die Spielplätze, wie hier in Bönen am Gemeindeteich, blieben verwaist

Doch ein Argument überzeugt: „Wenn ihr jetzt mitkommt, gibt es gleich ein Eis“, sagt der Vater. Schwupps sitzen die Kinder wieder im Sattel und die Feiertags-Radtour kann weitergehen. 

Nur wenige Autos unterwegs

Kurz vor Nordbögge hat eine Mutter die gemeinsame Radtour mit ihrer kleinen Tochter auf der Autobahnbrücke kurz unterbrochen. Zu selten ist der Anblick, der sich von dort aus bietet. Obwohl das Sonn- und Feiertagsfahrverbot ab 7,5 Tonnen befristet ausgesetzt wurde, damit LKWs weiter die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichern, ist kein einziger Brummi-Fahrer zu sehen. Die Autos auf der A2 kann die Kleine dazu locker an ihren zehn Fingern abzählen. Ein fast schon surrealer Anblick. 

Auf den Radwegen, zum Beispiel an der Adener Höhe in Bergkamen, war es sehr voll.

Keinen Stau, aber teils zähflüssigen Verkehr gibt es dagegen auf den Radwegen, auf denen noch mehr los ist, als vor zwei Wochen, als der Sommer sich erstmals mit warmen Temperaturen angekündigt hatte. Auffallend viele Familien sind unterwegs, dank Fahrradanhänger sind viele Kinder, die noch zu klein sind, um selbst zu fahren, im Schlepptau dabei. Parallel zum Klöcknerbahnweg ist auf der Werner Straße in Bergkamen viel los. Fast schon kolonnenweise treten am Nachmittag Radfahrer in die Pedalen, ohne sich groß ins Gehege zu kommen. Störend wirken lediglich einige Motorradfahrer, die den Start in die Saison offenbar mit einem Rennen auf dem Hockenheimring verwechseln und mächtig viel Gas geben. 

Kaffeetrinken am Gradierwerk

„Wenn wir schon nicht verreisen können, gönnen wir uns wenigstens einen Tag Urlaub“, sagt ein paar Kilometer weiter ein älterer Herr mit Blick auf den Stadtsee in Werne. Tatsächlich herrscht Stimmung wie in einem Kurort. Viele, vor allen Dingen ältere Mitbürger sind unterwegs, um Zeit am beliebtesten Ausflugsziel der Lippestadt zu verbringen. Aus Kamen sind Gabriele und ihre Mutter Hermelind mit Hund Linus angereist. 

Vor den Eisdielen, wie hier an der Landwehrstraße in Bergkamen, bildeten sich lange Schlangen.

„Wir sind regelmäßig am Gradierwerk. Im Sommer ist es hier angenehm kühl. Heute haben wir das Wetter ausgenutzt und unser österliches Kaffeetrinken hierher verlegt“, sagt Gabriele – mit einem Becker Kaffee in der Hand. Eis statt Kaffee haben die Wartenden vor dem Eistreff an der Bergkamener Landwehrstraße im Visier. Da immer nur ein Kunde in den Laden darf, wird in der Sonne bereitwillig bis zu 15 Minuten gewartet, bis die Bestellung aufgegeben werden kann. „Ich habe beim Einkaufen leider keinen Spargel mehr für das Feiertags-Mittagessen bekommen, dafür gibt es jetzt eben als kleinen Ersatz Eis für die ganze Familie“, sagt Renate Frackmann, die es eilig hat, als sie aus der Eisdiele kommt, schließlich soll die süße Überraschung eiskalt serviert werden. 

Volle Parkplätze an der Halde

Dass die Großeltern, die im Heim leben, dieses Jahr nicht mitfeiern können, bedauert sie, bleibt aber optimistisch: „Das holen wir einfach nach, wenn das Ganze vorbei ist.“ Ein paar Hundert Meter entfernt ist es nicht weniger voll als in der Eis-Warteschlange. Fast alle der gut 30 Parkplätze an der Halde Großes Holz sind besetzt. Die rekultivierte und landschaftlich gestaltete Bergehalde lockt einmal mehr die Massen. Die meisten sind zu Fuß unterwegs, einige erklimmen den Weg nach oben mit dem Rad. 

„Es ist fast schon zu voll hier, denn wir wandern eigentlich lieber, wenn wir nur zu zweit unterwegs sind. Andererseits ist es nachvollziehbar, dass die Menschen bei dem schönen Wetter auch an die Luft wollen“, sagt Rüdiger Melling, der zusammen mit Frau Rita die Wanderschuhe angezogen hat, um den unbegrenzten Blick über die Region zu genießen und für einen Moment das Coronavirus zu vergessen.

Alle Informationen zum Coronavirus im Kreis Unna gibt es hier. 

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