Kliniken warten auf Welle

Coronavirus im Kreis Unna: So viele Intensivplätze gibt es in den Krankenhäusern

Schwere Fälle müssen intensiv behandelt und zum Teil beatmet werden. Deshalb rüsten die Krankenhäuser jetzt auf.
+
Schwere Fälle müssen intensiv behandelt und zum Teil beatmet werden. Deshalb rüsten die Krankenhäuser jetzt auf.

Die Anzahl an Infizierungen mit dem Coronavirus nimmt gut. Die Krankenhäuser im Kreis Unna machen sich bereit, für eine Welle von Kranken, die auf die Intensivstationen müssen.

Kreis Unna – Die Welle kommt: Davor warnen die Experten täglich. Um sie so flach wie möglich abzubekommen, gelten überall im Land Kontaktbeschränkungen. Damit soll der Coronavirus im Zaum gehalten und Zeit geschunden werden für die Kliniken, die sich auf viele Schwerkranke einstellen müssen. In den Krankenhäusern im Kreis Unna wappnen sich die Mitarbeiter für den Sturm und bemühen sich, möglichst viele Intensivbehandlungsplätze bereitzustellen.

Laut Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW sind im Kreis an den Krankenhausstandorten insgesamt 144 Intensivpflegebetten ausgewiesen. Davon stünde aktuell die Hälfte, nämlich 72, zur Verfügung, 45 mit Beatmungsplätzen. 

„Am Katharinen-Hospital Unna haben wir die Beatmungskapazitäten von ursprünglich 16 Intensivplätzen nahezu verdreifacht, im Evangelischen Krankenhaus Unna die Anzahl unserer Intensivbehandlungsplätze von ursprünglich elf verdoppelt“, berichtet Pressesprecherin Bettina Szallies aus beiden Krankenhäusern. Zudem liefen die Vorbereitungen für weitere Plätze. 

Hier lesen Sie die aktuelle Entwicklung im Kreis Unna

An den beiden Standorten des Marienkrankenhauses in Schwerte gibt es regulär 17 Intensivplätze. „Wir können aber auf insgesamt 28 erweitern“, teilt der Pressesprecher des Klinikums, Detlev Schnitker mit. Die ersten Betten sind dort auch schon belegt. Momentan werde auf den beiden Intensivstationen jeweils ein Patient mit einer Corona-Infektion behandelt, einer der beiden muss beatmet werden, heißt es aus Schwerte. 

Zwei zusätzliche Intensivzimmer mit jeweils zwei Betten und einem externen Schockraum wurden im Werner Sankt-Christophorus-Krankenhaus geschaffen. Das teilte Pflegedirektor und Standortleiter Ludger Risse mit. „In der Summe sind somit 19 Intensivbehandlungen möglich, wovon 17 Patienten beatmet werden können.“ 

Coronavirus im Kreis Unna: Planbare OPs wurden abgesagt

Genutzt werden in den Kliniken also nicht nur bereits vorhandenen Kapazitäten auf den Intensivstationen. Auch auf anderen Stationen wird Platz geschaffen für Menschen, die aufgrund einer Covid-19-Infektion intensiv betreut und möglicherweise sogar beatmet werden müssen. Planbare Operationen wurden abgesagt, Patienten verlegt oder – sofern möglich – nach Hause entlassen. 

Sowohl in der Klinik am Park Lünen als auch im Hellmig-Krankenhaus Kamen wurden solche Maßnahmen ergriffen, bestätigt Susanne Janecke von der Klinikum Westfalen GmbH, zu der außerdem die Knappschaftskrankenhäuser in Dortmund-Brackel und Lütgendortmund gehören. Die Kliniken in Unna sind ebenfalls der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers gefolgt. 

„Ab Montag, 16. März, haben wir keine geplanten – elektiven – Behandlungen und Operationen mehr durchgeführt. Die meisten der zu der Zeit im Haus befindlichen elektiven Patienten konnten im Laufe der vergangenen Woche routinemäßig entlassen werden. Auf diese Weise haben wir bis auf Notfälle, die nicht mit Corona zusammenhängen und die wir natürlich weiter behandeln, freie Kapazitäten für ein mögliches Aufkommen an Corona-Patienten geschaffen“, sagt ihre Kollegin Bettina Szallies.

Coronavirus im Kreis Unna: Komplette Stationen müssen freigeräumt werden

Im Marienkrankenhaus in Schwerte wurden sogar komplette Stationen freigeräumt, um genügend Isolierzimmer für eine steigende Zahl von Corona-Patienten vorhalten zu können. Auf den Intensivstationen an beiden Standorten der Klinik wurden zusätzliche Intensivbehandlungs- und Beatmungsmöglichkeiten geschaffen, heißt es auf der Internetseite der Klinik. Doch nicht nur Intensivbetten werden benötigt, insbesondere Ärzte und Pflegekräfte, die sich um die Schwerkranken kümmern können, müssen rechtzeitig zur Verfügung stehen. 

„Wir haben bereits in den vergangenen zwei Wochen Ärzte und Pflegekräfte, die bisher nicht auf der Intensivstation tätig waren, speziell geschult. Mitarbeiter, die bisher in Teilzeit tätig waren, haben ihre Stunden aufgestockt. Zudem verfügen wir über eine Liste von ehemaligen Mitarbeitern, Mitarbeitern in Elternzeit, Studenten und auch niedergelassenen Ärzten, die uns ihre Unterstützung angeboten haben und auf die wir im Bedarfsfall zurückgreifen können“, schildert Susanne Janecke aus dem Klinikum-Westfalen-Verbund. 

Coronavirus im Kreis Unna: Auch Personal muss bereit stehen

Noch reichen laut Kliniksprecherin auch in Unna die personellen Kapazitäten aus. „Da wir allerdings nicht wissen, wie sich die Coronavirus-Situation in der Region entwickelt, schulen wir derzeit intensiv Mitarbeiter aus anderen pflegerischen Bereichen. Mitarbeiter aus dem Ruhestand haben wir nicht angefragt, einige haben sich freiwillig gemeldet“, so Bettina Szallies. In Schwerte herrscht momentan ebenfalls keine Not. „Personal haben wir zurzeit noch ausreichend zur Verfügung, weil wir bereits vor drei Wochen angefangen haben, uns auf Covid-19 vorzubereiten. Das bedeutet, dass wir Kollegen, die derzeit nicht benötigt werden, ins Frei geschickt haben“, sagt Kliniksprecher Detlev Schnitker. 

Die Mitarbeiter bauen Resturlaubstage und Überstunden ab, stünden aber auf Abruf bereit. „Parallel haben wir eine Liste zusammengestellt, auf die sich viele Helfer haben eintragen lassen – mittlerweile 109 – überwiegend mit einem medizinisch-pflegerischen Hintergrund. Wenn alle Stricke reißen, könnten wir die Unterstützer aktivieren“, so Detlev Schnitker.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare