Wenig Hygiene, viel Angst

Für uns durch ganz Europa: Lkw-Fahrer und die Coronavirus-Krise

Der Lastwagen schützt nicht vor Corona: Józef Tereszkiewicz aus Polen ist wochenlang auf Achse durch ganz Europa.
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Der Lastwagen schützt nicht vor Corona: Józef Tereszkiewicz aus Polen ist wochenlang auf Achse durch ganz Europa.

Sie sind für uns auf Europas Straßen unterwegs. Ohne sie bleiben die Regale leer. Sie selbst stehen dafür oft vor verschlossenen Toilettentüren und fahren durch das Risiko sich selbst mit Covid-19 zu infizieren. Ein Besuch bei den Lkw-Fahrern auf den Raststätten unserer Region.

Werne/Hamm/Bönen – Willi Schmidt steht mit seinem Lkw auf dem Autohof Werne. Er macht gerade eine Mittagspause. Seit acht Uhr morgens ist er unterwegs. „Bleibt zuhause, wenn ihr könnt“, heißt es in der aktuellen Situation. Doch Willi ist unterwegs, denn als Lkw-Fahrer ist es seine Arbeit, den Einzelhandel zu beliefern und Geschäfte innerhalb Deutschlands mit Waren auszustatten. 

Ohne Männer und Frauen wie Willi bleiben die Supermarkt-Regale leer. „Die Menschen bedanken sich bei Ärzten, Pflegern und so weiter. Aber wir leisten ja auch wichtige Arbeit. Ohne uns gäbe es Toilettenpapier und viele andere Waren gar nicht“, sagt der Lkw-Fahrer. Auf Willi persönlich hat die Corona-Krise bisher keine Auswirkungen. „Noch nicht“, betont er. Bisher habe er ganz normal weitergearbeitet. Er fährt früh los, kann aber abends auch immer wieder nach Hause. Darüber ist er ziemlich froh.

Für uns durch Europa: LKW-Fahren in Zeiten des Coronavirus

Für uns durch Europa: LKW-Fahren in Zeiten des Coronavirus

Coronavirus und Lkw-Fahrer: In Quarantäne müssen die Fahrer nicht

Andere Kollegen trifft es in der Corona-Krise schlimmer, so etwa die beiden Fernfahrer Piotr Kulasek und Józef Tereszkiewicz aus Polen. Seit nunmehr zwei Wochen sind sie unterwegs, ihre Lkw beladen mit Paketen eines großen Versandhändlers. Von Polen ging es nach Deutschland, dann nach Frankreich und England. Jetzt rasten sie in Werne. Sie fahren durch ganz Europa, in Quarantäne nach ihren Touren müssen sie aber nicht. Besonders der 59-jährige Józef hat nicht nur Angst, sich selbst zu infizieren, sondern auch seine Familie anzustecken. „Deshalb begebe ich mich nach meiner Tour freiwillig für zwei Wochen in Quarantäne und halte Abstand von meiner Familie“, sagt er. Die meisten Fahrer würden diese Maßnahme freiwillig ergreifen, sagt Józef.

Hier lesen Sie die aktuellen Entwicklungen im Kreis Unna.

Viel Stress bereite den Fahrern, dass an den Raststätten, Autohöfen und Tankstellen kein einheitlicher Standard herrscht. Sie wissen nie, ob sie bei ihrer nächsten Rast etwas Warmes zu essen bekommen oder der Zugang zu sanitären Anlagen gewährt wird. „Auf der A2 Hannover Richtung Dortmund wurde eine Raststätte komplett zugemacht. Da hat man einfach nur eine mobile Toilette hingestellt“, erzählt Piotr. Für die Fahrer ist das schlimm: Teilweise könnten sie sich nicht waschen, duschen oder auf die Toilette gehen. „Wir haben nicht das Gefühl, dass wir sicher unterwegs sind“, sagt Piotr.

Coronavirus und Lkw-Fahrer: Jeder Parkplatz hat andere Regeln

Überall treffen die Lkw-Fahrer auf unterschiedliche Situationen. Auch was die Kontrollen angeht, fühlen sich die Trucker nicht ernst genommen. Probleme bei den Einreisen haben sie nicht. „Die Staus waren teilweise so lang, dass es jetzt im Moment keinen Sinn macht, die Lkw-Fahrer zu kontrollieren. Die Leute denken, nur weil wir Waren hin- und herfahren, dass wir nicht krank werden können. Aber wir sind genauso gefährdet wie alle anderen“, betont Piotr.

Jeder Autohof, jeder Parkplatz, jede Raststation hat andere Regeln: Mark Woesten aus den Niederlanden sieht’s gelassen.

Mark Woesten aus Holland. ist seit zwei Wochen Richtung Lettland und zurück unterwegs. Gerade macht er eine Pause auf dem Parkplatz Kolberg in Bönen. So erlebt er die Situation an den Grenzen: „Dort gibt es Kontrollen des Personenverkehrs, aber Lkw dürfen normalerweise einfach fahren, nur ab und zu gibt es eine Kontrolle.“

An den meisten Plätzen habe er die Möglichkeit, die sanitären Einrichtungen zu nutzen. Viele Restaurants seien dagegen zu, deshalb hat er sicherheitshalber mehr Essen und Getränke dabei als sonst. „Aber an einigen Autohöfen kann man was bestellen, holt es ab und isst es dann im Auto“, erzählt er. In seinem Lkw fühlt sich der Holländer wohl. Er spricht nur mit den Menschen beim Laden und Entladen. Weiteren Kontakt vermeidet er, so gut es eben geht.

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