Mit Ideen über Wasser halten

Bönener Gastronomen gehen neue Wege, um ihre Existenz zu sichern

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Hausmannskost aus der Holzbude: Boguslawa Wojsa und Meinold Dittrich versuchen das beste aus der Situation zu machen.

Bönen – Eine Branche, die am meisten unter der Corona-Krise leidet, ist die Gastronomie. Schließlich sind die Restaurants, Kneipen und Cafés die Treffpunkte für das soziale Miteinander. Und genau das soll nun vermieden werden, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Wie lange das Kontaktverbot gilt, vermögen selbst Experten zurzeit nicht zu sagen. Für die Gastwirte heißt es daher durchhalten. Damit das halbwegs gelingt, haben sich die Bönener Gastronomen einiges einfallen lassen.

Jeden Vormittag um 11 Uhr öffnet etwa Meinolf Dittrich die Klappläden an seinem hölzernen Imbissstand am Südfeld. Er verteilt Aufsteller rund um die Hütte, auf denen das Tagesangebot angepriesen wird. Am Freitag gibt es zum Beispiel Bauerneintopf, außerdem Käsespätzle, Currywurst, Schnitzel, hausgemachte Salate und mehr. Für den Nachmittag stehen Kaffee, Kuchen und belgische Waffeln auf der Karte. Bis 18 Uhr hält er montags bis freitags den „Laden“ offen, sonntags bis 15 Uhr.

„Man darf jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt der Gastwirt, der mit seiner Lebensgefährtin Boguslawa Wojsa das Klubheim des Tennisvereins Rot-Weiß Bönen, „Darwins Gaststätte am Eichenwald“, betreibt. „Für uns ist wichtig, dass es weitergeht.“ Ihre laufenden Kosten können die Beiden mit dem Imbissbetrieb nicht komplett abdecken. „Der Aufwand ist ziemlich groß. Wenn man allein die Stunden bedenkt, die wir hier täglich stehen, dann rechnet sich das eigentlich nicht. Aber es kommen ein paar Einnahmen rein – und wir vor allem mit den Menschen in Kontakt“, stellt Meinolf Dittrich fest.

Aus der Not geborene Idee

Die Holzhütte steht direkt vor der Anlage des Tennisvereins, viele Radfahrer und Spaziergänger kommen daran vorbei. Das ist gut für’s Geschäft und dafür, etwas bekannter zu werden. „Wir hoffen, dass die Leute dann auch zu uns kommen, wenn Corona vorbei ist“, wünscht sich der Restaurantbesitzer. Noch immer habe sich nämlich nicht herumgesprochen, dass das Darwins nicht nur für Vereinsmitglieder geöffnet ist. „Wir bieten gute Hausmannskost an“, wirbt Dittrich für seinen Betrieb. In der Küche steht Boguslawa Wojsa, die seit mehr als zwei Jahrzehnten mit viel Leidenschaft kocht, seit drei Jahren in Bönen. Selbst jetzt, in der Krise, wirkt sie mit viel Hingabe am Herd, egal, ob an diesem Tag viele oder nur wenige ihre Kost genießen. „Wir bieten etwa sechs bis acht Gerichte pro Tag an. Die Leute können sich auf der Facebook-Seite des Tennisvereins, auf „Bönen liefert“ oder in verschiedenen WhatsApp-Gruppen über das Tagesangebot informieren“, erzählt Meinolf Dittrich.

Die aus der Not geborene Idee entwickele sich gut. „Viele freuen sich, dass sie zu Hause nicht kochen müssen.“ Die Kundschaft ist bunt gemischt: „Die Nachbarn kommen, Vereinsmitglieder und deren Freunde und Bekannte, aber auch Spaziergänger, die zufällig hier vorbeikommen. Sogar aus Pelkum haben wir Kunden“, berichtet der Gastwirt. Die Speisen sind alle zum Mitnehmen, Tische und Bänke gibt es nicht vor dem Imbissstand. Der Abstand soll schließlich gewahrt werden. Ins Gespräch kommt Meinolf Dittrich aber dennoch mit den Kunden – und das ist für ihn ein echter Gewinn.

Backfisch zum Mitnehmen

Das Fischlokal an der Rhynerner Straße hatte die gleiche Idee. Dort steht ein Imbisswagen, die Kunden können sich dienstags bis sonntags heißen Backfisch abholen. Ein Tropfen auf den heißen Stein für das sonst so gut besuchte Restaurant. Immerhin. Fisch muss frisch sein, und um keine mangelhafte Qualität abzuliefern, bietet das Lokal keinen Lieferservice an. Karfreitag – ein klassischer „Fischtag“ – und an den Osterfeiertagen können sich die Fischliebhaber aber ihre Lieblingsgerichte dort abholen, nach vorheriger Bestellung.

Viele Kunden bleiben weg

Wer vorher anruft, muss in diesen Zeiten auch nicht auf seine Lieblingspizza aus der Pizzeria D’Amico verzichten. Pino und Nusmira D’Amico halten ihr Geschäft an der Lenningser Straße ebenfalls in Betrieb. Das gemütliche Beisammensein mit den Beiden und den anderen Gästen bei einem Glas Wein am Stehtisch in der winzigen Pizzeria, das viele so schätzen, fällt allerdings flach. „Wir dürfen niemanden hinein lassen“, erklärt der Pizzabäcker. Stattdessen sollen die Kunden ihre Bestellung möglichst telefonisch durchgeben. Die fertigen Pizzen – Nudeln und Salate gibt es zurzeit nicht – werden dann auf einen Tisch vor dem Laden gelegt, sobald die Abholer da sind.

Ein paar seiner treuen Stammkunden nutzen diesen Service, viele bleiben aber weg. „Es ist schwer, ganz, ganz schwer“, sagt der Italiener. „Früher war es hier immer voll, jetzt ist alles leer. Das fühlt sich ganz komisch an.“ Aufrecht hält er das Geschäft mit seiner Frau Nusmira, ihre Aushilfen können die beiden im Augenblick nicht beschäftigen. In der Pizzeria wäre es für drei Personen einfach zu eng, um den Mindestabstand einhalten zu können. Noch kommen die Beiden einigermaßen über die Runden, der Außerhausverkauf bringt zumindest die Miete herein. Mehr ist allerdings nicht drin.

So wie den D’Amicos geht es wohl fast allen Gastronomen in der Gemeinde. Die meisten Restaurants und Imbisse bieten nun einen Liefer- oder zumindest einen Abholservice an. Und das wird gut angenommen. Die Gaststätte Denninghaus, bei der sich die Gäste nun ihre Lieblingsspeisen abholen können, war sogar an einigen Abenden „ausverkauft“.

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