Bilanz 2020

Corona hält vom Busfahren ab: VKU meldet deutlich weniger Fahrgäste

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Die VKU will die Kundenbindung und -zufriedenheit ausbauen: Dazu hat der Busanbieter unter anderem die Funktionen der Fahrtwind-App weiter ausgebaut.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) hart getroffen. In ihrem Geschäftsbericht berichtet die VKU von 14,8 Prozent weniger Ticketverkäufen im Jahr 2020. Die Fahrgastzahlen seien um rund elf Prozent zurückgegangen.

Bönen/Kreis Unna – Wegen Corona nutzten 2020 deutlich weniger Menschen im Kreis Unna den Bus. So zählte die hiesige Verkehrsgesellschaft VKU insgesamt 13,2 Millionen Fahrgäste – rund elf Prozent weniger als im Jahr zuvor, als die Pandemie noch nicht wütete.

Der Rückgang ist enorm, aber wohl nicht so stark wie in manch anderen Regionen. So hatte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Ende vergangenen Jahres von einer verringerten Auslastung von rund 40 Prozent durch Corona gesprochen. Offenbar sind im Kreis Unna viele Menschen auf Busse und Bahnen angewiesen.

Das Elf-Prozent-Minus hat sich auch auf die Erträge aus Ticketverkäufen ausgewirkt. Die sind um 14,8 Prozent zurückgegangen. Der bilanzielle Fehlbetrag der VKU lag im Berichtsjahr bei rund 8,82 Millionen Euro. Pandemiebedingte Ausgleichsleistungen von Bund und Land hätten die coronabedingte Ergebnisverschlechterung ausgeglichen, heißt es im Geschäftsbericht 2020. Einer der Gesellschafter der VKU ist die Gemeinde Bönen.

Der Busbetreiber verweist auf „eine Vielzahl von Studien“, die – bei Einhaltung der Corona-Regeln – eine geringe Ansteckungsgefahr in Busse und Bahnen belegen würden. Trotzdem hätten viele den ÖPNV gemieden. „Das subjektive Gefühl vieler Menschen war offenbar ein anderes“, heißt es.

Unterwegs auf 8,05 Millionen Kilometer

Das Geschäftsjahr 2020 ist nach Ansicht der VKU „alles andere als normal“ verlaufen. Auch wenn das Ticketangebot kontinuierlich im Sinne der Kundenbindung und -zufriedenheit ausgebaut worden sei, habe die Pandemie insgesamt zu Einbrüchen geführt. Dennoch seien in einzelnen Segmenten auch Steigerungen und positive Tendenzen erkennbar gewesen. So hätten die Erträge aus Ticketverkäufen im Ausbildungsverkehr einen leichten Anstieg von rund 1,7 Prozent verzeichnet.

Die Corona-Pandemie habe die Arbeit der VKU „wesentlich beeinflusst und den positiven Trend des Jahres 2019 zur Nutzung des Linienbus-Angebotes geschwächt“, heißt es. So habe sich etwa der sogenannte Jedermannverkehr mit minus 19,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau entwickelt.

Die VKU beschäftigte 2020 im Schnitt 250 Mitarbeiter. Die Betriebsleistung betrug rund 8,05 Millionen Kilometer und blieb wegen Corona mit einem Rückgang von 1,06 Prozent unter dem Niveau von 2019. Beim Busangebot kooperiert die VKU mit etwa 25 regionalen privaten Partnerunternehmen.

Fahrtwind-App erweitert

Im vergangenen Jahr wurden laut VKU die Funktionen der Fahrtwind-App, das E-Ticket und die Gutschein- und Rabattmodule weiterentwickelt. Eine weitere wichtige Neuerung sei die Preisstufen-Verschlankung gewesen. Die Stufen 2M und 3M wurden zur Preisstufe B zusammengelegt. Auch die Umstellung der Monats-Tickets in Drei-Tage-Tickets, deren Gültigkeit flexibel ab jedem Kalendertag begonnen werden kann, habe den Kunden einen Mehrwert gebracht.

Derzeit beschäftigt sich die VKU mit nachhaltigen und modernen Antriebsformen der Busse. In einer Arbeitsgruppe hat sie die unterschiedlichen Konzepte – sei es in Form von Elektrobussen, Antrieben auf der Basis von Wasserstoff oder mit Erdgas – untersucht und ihre Umsetzungstauglichkeit im Kreis Unna bewertet. Diese Bewertung liegt der Fuhrparkstrategie zugrunde, die in diesem Jahr mit den Gesellschaftern diskutiert und entschieden werden soll.

Zahlen sollen wieder steigen

Derweil ging die VKU-Busschule „NimmBus“ in der Pandemie einen kreativen Weg. Mitte 2020 startete die Online-Busschule. Dabei ersetzten einfache Erklärfilme die Präsenz der Bus-Trainerinnen. Trotz Pandemie feierte die Busschule zehnjähriges Bestehen.

Das Projekt „JederBus“ der VKU soll das Busfahren für Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen möglichst einfach machen. So wurde etwa zur besseren Orientierung während der Fahrt ein neuer Signalton entwickelt; er erklingt vor jeder Haltestellenansage. Auch die Ansagen selbst sind neu. Statt einer künstlich generierten Text-to-Speech-Ansage sagt nun eine echte Sprecherin die Haltestellen an.

Mit „interessanten Tickets, innovativen Projekten, verbesserter Digitalisierung und einer Vernetzung mit allen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln“ will die VKU wieder an die Fahrgaststeigerungen vor Ausbruch der Pandemie anknüpfen. „Gemeinsam mit ihren Eigentümern und den Fahrgästen ist die VKU Teil der Lösung, um Klimaziele zu erreichen und um gleichwertige Lebensgrundlagen auch abseits der Ballungsräume zu schaffen“, wird VKU-Geschäftsführer André Pieperjohanns in einer Pressemitteilung zum Geschäftsbericht 2020 zitier

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