Corona-Gipfel in Berlin

Weniger Menschen im Geschäft und weitere mögliche Einschränkungen. Das kommt auf die Bönener zu

Rewe Karwoth in Bönen Corona Abstand
+
Abstand halten ist das Gebot der Stunde: In Supermärkten sollen die Regeln nun verschärft werden. 

Die Zahlen der Infizierten steigen weiter, im Kreis Unna wurde bei den Neuansteckungen am Mittwoch sogar ein Rekord erreicht. In Berlin trafen sich die Ministerpräsidenten deshalb mit der Bundesregierung, um bezüglich der Corona-Maßnahmen bis in die Abendstunden zu verhandeln und eine Verlängerung in den Dezember hinein zu beschließen. Das dauerte bis in den späten Abend. Erste Entscheidungen, die auch in Bönen Folgen haben werden, waren aber bereits durchgesickert.

Seit der Einführung der Regelungen hat sich das Infektionsgeschehen nicht verringert, ab einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von über 200 sollen nun striktere Maßnahmen, was zum Beispiel die Kontaktbeschränkung angeht, gelten. Der Kreis Unna pendelt seit einiger Zeit genau bei dieser Marke, könnte von dieser Regel, deren Details noch nicht ausformuliert waren, also bald betroffen sein.

Infektionszahlen

Am Tag als die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin über die Corona-Schutzmaßnahmen verhandelten, meldete der Kreis Unna einen neuen Rekordwert an Neuinfektionen für einen einzelnen Tag. Bei 208 Menschen wurde das Virus neu nachgewiesen. Zwar gab der Kreis an Montagen schon höhere Zahlen an, doch da die Verantwortlichen seit längerer Zeit samstags und sonntags keine aktuellen Statistiken mehr veröffentlichen, werden zu Wochenbeginn drei Tage zusammengezählt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun wieder über 200, genauer gesagt bei 207,6.

Neben Lünen, wo es 44 Ansteckungen gab, ist auch Bergkamen mit 56 neu gemeldeten Coronafällen am Mittwoch längst ein Zentrum der Krankheit. Dort sind aktuell 296 Personen betroffen, in Lünen trotz 57 gesundeter immer noch 598. In Bönen sank die Zahl auf 109 akut Infizierte, weil 15 Menschen als gesund gelten, während sechs ein positives Testergebnisses übermittelt bekamen. Da im Kreis auch zusammen 165 Personen gesund sind, sind dort momentan insgesamt 1792 an Covid-19 erkrankt. Zum Vergleich: Anfang November waren es noch 1260, am 1. Oktober sogar nur 157. Die Zahl der Gesamtfälle seit Beginn der Pandemie liegt nun bei 5998.

Auch die Todesfälle im Zusammenhang mit Corona nehmen weiter zu, mittlerweile sind 86 Menschen gestorben. Das sind 34 mehr als zu Monatsbeginn. Am Mittwoch teilte der Kreis mit, dass es am Dienstag drei weitere Tote gegeben hat: ein 70-jähriger Mann aus Lünen, ein 93-jähriger Mann aus Kamen und eine 84-jährige Frau aus Selm.

Einzelhandel

Die Zahl der Kunden pro Quadratmeter wird deutlich reduziert. Bisher war einer pro zehn Quadratmeter erlaubt, nun pro 20. Das gilt für Geschäfte mit über 800 Quadratmetern, für kleinere bleibt alles beim Alten. Marktleiter Adam Karwoth rechnet für seinen Rewe-Laden mit einer Verkaufsfläche von rund 2000 Quadratmeter vor, dass sich die Zahl der möglichen Einkaufenden damit von 200 auf 100 verringert. Mit der bisherigen Regel gibt es keine Probleme. So viele Menschen seien gleichzeitig nicht im Laden, auch die Hälfte würde selbst zu Stoßzeiten bei ihm nicht erreicht. Die Größe des Rewe im Bönener Ortskern ist hier ein Vorteil. Karwoth macht sich aber Gedanken, wie es kurz vor Weihnachten wird. Denn in den Tagen zuvor ist es erfahrungsgemäß immer sehr voll. „Wir müssen reagieren“, sagt er mit Blick auf die Entscheidung in Berlin.

Gastronomie

Eine Überraschung war es für Kirsten Metzrath nicht, dass ihre Gaststätte Denninghaus, wie auch alle anderen, wegen der Aufrechterhaltung der Kontaktbeschränkungen weiter geschlossen bleiben muss. Die Wirtin hätte für den Dezember aber gerne eine frühzeitigere Planungssicherheit bekommen. Also eine Entscheidung darüber, wie es weitergeht, schon eher erhalten. Die Zwangsschließung trifft sie und alle anderen Gastronomen hart. „November und Dezember ist unser Hauptgeschäft“, sagte Metzrath Mittwochmittag. Sie wird deshalb weiter ihren Bestellservice anbieten, der von den Kunden „perfekt“ angenommen werde. Auch am ersten und zweiten Weihnachtstag ist er geplant. Die am Mittwoch getroffenen Corona-Regelungen sollen vorerst bis zum 20. Dezember gelten. „Dann zu öffnen, rechnet sich aber für die meisten wirtschaftlich nicht“, sagte sie mit Blick auf die direkt folgenden Feiertage. Der Maßnahme bezüglich der Gastronomie stand sie zwiespältig gegenüber: „Es betrifft das Weihnachtsgeschäft, aber die Zahlen sprechen auch für sich.“

Schulen

Zwei Tage eher Ferien: Das galt bis zum jüngsten Zusammentreffen der Länderchef mit der Kanzlerin. Und dabei blieb es nach den vielen Stunden der Diskussion auch. Einige Länder hatten sich im Vorfeld dafür stark gemacht, zwei weitere Schultage zu streichen. Das zielte darauf ab, den Zeitraum zwischen den Schülerkontakten und den Feiertagen zu verlängern.

Am Marie-Curie-Gymnasium haben sie den Klausurenplan gerade erst auf die zweitägige Vorverlegung der Ferien angepasst. Die Schüler schon am 16. Dezember in die Weihnachtsferien zu entlassen, hätte noch einmal einigen organisatorischen Aufwand beschert, wäre prinzipiell aber machbar gewesen. Das sagte Bianca Giese, kommissarische Leiterin des Marie-Curie-Gymnasiums, als noch keine Entscheidung aus Berlin vorlag. 

Unabhängig von Ausgang der Beratung merkte Giese zur Arbeit der Schulen an: „Es ist nur schwierig, weil alles so häppchenweise kommt.“ Das mache es auch für die Schüler nicht leicht. Sie müssten sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. „Je nachdem, ob die Klausuren nach vorne oder nach hinten gelegt werden, haben sie weniger Zeit zum Lernen oder mehr – dann allerdings eine auch längere Pause dazwischen“, sprach Giese an, was Unsicherheit schaffe.

Relativ problemlos lasse sich dagegen eine Notbetreuung für den Fall organisieren, dass Eltern jüngerer Schüler mit dem Frühstart der Ferien ein Problem haben. Die Anmeldeformulare sind schon raus an die Elternschaft, auf der Homepage findet sich ein Hinweis dazu. Giese: „Ich vermute aber, dass der Bedarf nicht so groß sein wird. Selbst die jüngeren Schüler sind ja schon so groß, dass sie mal zwei Tage allein zu Hause bleiben können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare