70 Ehejahre - eine echte Gnade

Christa und Josef Gornik aus Bönen feiern ihre Gnadenhochzeit

Josef und Christa Gornik feiern ihre Gnadenhochzeit
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Mit 20 beziehungsweise 18 Jahren traten Josef und Christa Gornik vor den Traualtar. 70 Jahre lang gehen sie nun schon als Ehepaar durch das Leben.

Bönen – Schon länger hatte Josef Gornik das Akkordeon nicht in den Händen. Im Corona-Jahr gab es schließlich wenig Gelegenheiten, die Mitglieder der Gruppen, in denen der Bönener aktiv ist, mit Musik zu unterhalten. Gleichwohl fliegen die Finger des 90-Jährigen jetzt flink über die Tasten. Er spielt ein Liebeslied: „Aber dich gibt´s nur einmal für mich.“ Dieser eine Mensch ist für ihn seine Christa. Das Paar feiert am Mittwoch Gnadenhochzeit, ein äußerst seltener Feiertag, wortwörtlich eine Gnade.

Vor 70 Jahren gaben sich die Beiden in Hindenburg, dem heutigen Zabrze, in Oberschlesien das Ja-Wort. Damals war Josef Gornik gerade einmal 20, seine junge Frau 18 Jahre alt. „Wir kannten uns aber schon lange“, erzählt sie. Zum ersten Mal gesehen hat sie ihren Josef vier Jahre zuvor. Ihre Mutter hatte sie zu seiner Mutter in die Schneiderlehre geschickt. Wenn damals vielleicht auch schon der eine oder andere Blick getauscht wurde, war das Interesse doch zunächst gering. Erst als die 16-jährige Christa mit ihrer Cousine zum Tanzen gehen durfte, funkte es. Josef Gornik spielte damals in der Kapelle Schlagzeug und Akkordeon, für das hübsche Mädchen wechselte er allerdings nur allzu gerne auf die Tanzfläche.

Ein Hochzeitstermin wurde im Oktober 1950 ausgemacht. Weil jedoch die Spitze für das Hochzeitskleid verspätet ankam, musste die Feier um einen Monat verschoben werden. Dafür durfte der Bräutigam eine entzückende Braut in den Arm nehmen, wie auf dem Hochzeitsbild zu sehen ist. Das hängt seit vielen Jahren im Schlafzimmer der Gorniks, und dahinter steckt eine besondere Geschichte: Ein junger Mann hat das Werk für das frischgebackene Ehepaar im Tausch gegen ein Paar Skier angefertigt. Die 2,10 Meter langen Sportgeräte aus Holz hatte Josef Gorniks Vater aus der Kriegsgefangenschaft mitgebracht. „In Hindenburg gab es aber kaum Schnee. Einmal bin ich sonntags damit zu Christa gefahren, kam dann nicht wieder zurück, weil er längst getaut war.“

Gemeinsamer Plan der Beiden war eine große Familie mit vielen Kindern. Doch das Ehepaar musste schwere Schicksalsschläge verkraften. So wurde ihr Sohn Peter nur drei Monate alt, Christa Gornik erlitt eine Fehlgeburt. In Deutschland wollten die Zwei schließlich einen Neuanfang wagen. Oberschlesien gehörte nun zu Polen, dort fühlten sie sich nicht länger Zuhause. Die Arbeitskraft des jungen Bergmanns wurde in den Nachkriegsjahren indes in dem Land dringend gebraucht, deshalb wurde ihr Ausreiseantrag zunächst abgelehnt. Erst 1957 durften sie gehen.

Neubeginn in Bönen

„Erstmal war es komisch für uns in Bönen. Hier fuhren ja noch nicht einmal Busse. Wir mussten zu Fuß nach Pelkum gehen, um uns auf dem Amt anzumelden“, erinnert sich Christa Gornik. Die heute 88-Jährige war es bis dahin gewohnt, direkt vor der Haustür in eine Straßenbahn zu steigen. Dennoch lebte sich das Ehepaar in der Gemeinde rasch ein. Er fand sofort eine Arbeitsstelle auf der Zeche, und sie bekam kurz darauf die lang ersehnte Tochter.

Das Glück hielt nur kurz. Claudia Gornik starb im Alter von zwei Jahren. Doch selbst in ihrer großen Trauer verließen die Beiden nie die Zuversicht und der Lebensmut. Zum einen halfen ihnen ihr Glauben und die Gemeinschaft in der Kirche, zum anderen war ihnen ihr Sohn Wolfgang eine Quelle der Freude. Und dann war da schließlich noch der unschlagbare Humor von Josef Gornik, der ihm bis heute erhalten geblieben ist. „Du kannst froh sein, wenn du immer noch lachen kannst“, sagt der 90-Jährige. Stets einen Scherz auf den Lippen hat er seine Frau immer wieder aufgeheitert.

Wohl auch deshalb ist der Bönener so beliebt in den vielen Gruppen und Vereinen, in denen er sich engagiert hat und weiterhin einbringt. So war er etwa 47 Jahre lang Vorsitzender der Oberschlesischen Landsmannschaft, ist nach wie vor im Vorstand der KAB aktiv, Sänger im Kirchenchor Sankt Cäcilia, Mitglied der Caritas, des Hedwigskreises und der Seniorenrunde.

Engagiert in der Kirchengemeinde

In Sachen sozialem Engagement steht ihm seine Frau gewiss in Nichts nach. Sie singt gleichfalls im Chor, setzt sich in verschiedenen Gruppen der Pfarrei Sankt Barbara ein, hat viele Jahre die Caritas Sankt Bonifatius geleitet und noch immer den Hedwigskreis und die offene Behindertengruppe.

Unzählige Abende haben die Gorniks in den vergangenen Jahrzehnten zusammengesessen und die nächsten Treffen und Veranstaltungen der verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften geplant. Beide sind echte „Macher“. „Wir haben die gleichen Interessen“, sagt Josef Gornik. Das schweißt fest zusammen.

Trotz der ehrenamtlichen Arbeit, für die er vom Johanniterorden zum Ritter geschlagen und mit der Ehrenmedaille der Gemeinde ausgezeichnet wurde und Christa Gornik sogar das Bundesverdienstkreuz erhielt, haben sie sich stets Zeit füreinander genommen. „Wir sind sehr viel gereist und haben die ganze Welt gesehen“, berichtet die Bönenerin. Sie waren in Amerika, in Kanada, in fast allen Ländern Europas. Und im Winter ging es zum Skifahren in die Berge.

Weite Touren plant das Paar mittlerweile nicht mehr. Zum 90. Geburtstag von Josef Gornik im August quartierten sie sich aber mit Familienmitgliedern und Freunden in einem Hotel im Münsterland ein. Dort wurde zünftig gefeiert, wenn auch coronabedingt nicht ganz so groß, wie es sich der agile Rentner gewünscht hatte.

Große Feier wird nachgeholt

Noch weitaus kleiner fällt nun die Feier zur Gnadenhochzeit aus. Lediglich die engsten Angehörigen dürfen zur Messe in der Kirche und zu einem Essen in das gemütliche Reihenhaus der Gorniks kommen. „Eigentlich war der Chor eingeladen und viele andere Gäste“, bedauert Christa Gornik, dass beide ihren großen Tag jetzt mit nur wenigen Menschen verbringen können.

Das große Fest soll im kommenden Jahr nachgeholt werden, dass hat sich das Paar fest vorgenommen. Und Josef Gornik wird an ihrem Ehrentag garantiert einiges einfallen, um seine Frau dennoch zum Lachen zu bringen. „Wenn du so lange mit einem Menschen zusammen bist, dann kennst du seine Gedanken. Du wirst zu einer Person“, stellt der Rentner fest. Natürlich krache es auch mal zwischen ihnen. „Das muss ja so sein, das belebt die Ehe“, sagt der Senior und schmunzelt. „Wir reden dann nicht miteinander, und irgendwann tut es mir leid.“ Mit einem Witz oder einem Lied lockt er seine Frau jedes Mal schnell wieder aus der Reserve. Schließlich ist sie immer noch die Eine für ihn.

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