Mit Gefühl und der richtigen Technik

Die Bönenerin Julia Römer behandelt als Chiropraktikerin Hunde und Pferde

Julia Römer aus Bönen ist Tierärztin und Chiropraktikerin
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Die Tierärztin und Chiropraktikerin Julia Römer weiß genau, wo sie anfassen muss.

Wirbel für Wirbel und hoch konzentriert arbeitet sich Julia Römer an dem Pferderücken entlang. Sie tastet sich buchstäblich an mögliche Probleme heran. An einigen Stellen stoppt die 29-Jährige, setzt einen Impuls, wie sie sagt. Das erfordert viel Können, Wissen und Gefühl. Das Gelenk muss durch die richtige Technik und passende Dosis an Kraft wieder in seinen normalen Radius gebracht werden. Julia Römer ist Tierärztin und ausgebildete Chiropraktikerin. Sie hat sich auf Pferde und Hunde spezialisiert und praktiziert seit Kurzem in Bönen und Umgebung.

Baxter lässt die „Prozedur“ erstaunlich ruhig über sich ergehen. Immerhin arbeitet Julia Römer sehr gründlich an dem Tinker-Pferd. Von Baxters Besitzerin Carmen Rinkewitz hat sie sich zuvor detailliert schildern lassen, ob und welche Probleme der hübsche Wallach bereits hatte. Zudem hat sie sich angeschaut, wie er sich bewegt. Einige „Patienten“ lässt die Expertin an der Longe gehen oder einen Reiter aufsteigen, wenn es zum Beispiel beim Reiten Auffälligkeiten gibt. Die Bewegungsabläufe zu beobachten, hilft ihr bei der Diagnose.

„Ich behandele aber immer das ganze Tier“, sagt sie. Ihr Hauptaugenmerk liegt zwar auf der Wirbelsäule, doch auch alle anderen Gelenke, die Rippen und das Becken, kommen an die Reihe. Die Veterinärmedizinerin dreht, zieht und krümmt. Sie stemmt sich gegen die Oberschenkel, drückt am Kopf, steigt wieder und wieder auf ihren mitgebrachten Styroporblock, dem Bail, um an der richtigen Stelle zu greifen. Nur gelegentlich muss sie gegen Baxters Widerstand arbeiten. Dennoch sieht das Ganze ziemlich anstrengend aus. „Wenn ich mit der Technik nicht sauber bin, dann ist es tatsächlich anstrengend. Dann muss ich mich korrigieren“, so Julia Römer. Mit Kraft arbeite sie aber nicht. „Eher mit Schnelligkeit.“

Mit Tinker-Wallach Baxter hat Julia Römer einen sehr geduldigen „Patienten“.

Bei der Arbeit kommt sie ihren tierischen Kunden ziemlich nah. „Es gibt Sachen, da weiß ich, dass es den Tieren wehtun kann“, so die Expertin. Baxter mag offensichtlich die Griffe am Widerriss nicht sonderlich. Manchmal erschrecken sich die Vierbeiner auch einfach, wenn sie am Huf oder der Pfote zieht, an den Kiefer fasst oder Ähnliches. Wenn es nicht anders geht, muss ein Hund bei der Behandlung schon mal einen Maulkorb tragen. Bei Pferden geht das natürlich nicht. Bei ihnen muss die 29-Jährige besonders achtsam sein.

Die richtigen Handgriffe statt der Spritze

Zum Glück stimmt die Chemie zwischen Baxter und Julia Römer. Der Siebenjährige zuckt nur selten, leckt seiner neuen Bekannten gar freundlich über den Arm. Offenbar hat er festgestellt, dass die junge Frau „Pferdeverstand“ besitzt. Die gebürtige Hannoversch-Mündenerin hat sich von klein auf zu den großen Vierbeinern hingezogen gefühlt, besaß bereits als Kind ein eigenes Pferd. Für sie war früh klar, Tiermedizin studieren zu wollen – etwas anderes kam gar nicht in Frage.

Nach dem Abitur studierte Julia Römer an der renommierten Tierärztlichen Hochschule Hannover. Während des Studiums lernte sie unter anderem Osteopathie und Chiropraktik als alternative Behandlungsmethode für Tiere kennen. Das faszinierte sie. „Ich fand es total spannend und habe schnell festgestellt, dass es das ist, was ich machen möchte“, erzählt Römer. „Es ist eine ganz andere Art, mit Tieren zu arbeiten. Das ist auch für einen selbst sehr erfüllend.“ Gerade Pferde würden ganz besonders auf die Therapie reagieren. Mit dem Uni-Abschluss in der Tasche arbeitete die Tierärztin zunächst in einer Pferdeklinik in Kaufungen bei Kassel. Parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Tierärztlichen Chiropraktikerin bei der IAVC, der Internationale Akademie für Veterinär-Chiropraktik.

Chiropraktik

Das Wort Chiropraktik stammt aus dem Griechischen und bedeutet mit den Händen behandeln. Bei der Chiropraktik liegt der Fokus auf der Wirbelsäule und den Gelenken. Jedes Gelenk wird dabei in seiner Beweglichkeit betrachtet. Blockierte Gelenke werden durch kurze, schnelle Impulse gelöst und wieder in Bewegung gebracht. Mit dem „Einrenken“ hat das wenig zu tun. Vielmehr soll der normale Bewegungsradius wieder hergestellt werden. Der Impuls geht außerdem an das Nervensystem und den Komplex aus Bändern, Muskeln und Gewebe um das Gelenk herum. Die Durchblutung wird gefördert, gestörte Nerven nehmen ihre Arbeit wieder auf. Chiropraktiker arbeiten nach einem ganzheitlichen Ansatz.

Verliebt in einen Dortmunder verließ Römer vor eineinhalb Jahren Kassel und zog zu ihm ins Ruhrgebiet. Bei der Stadt Hagen trat sie eine Stelle im Veterinäramt an und machte sich gleichzeitig mit einer mobilen Chiropraktiker-Praxis für Hunde und Pferde selbstständig. Seitdem besucht sie ihre Kunden im gesamten Umkreis. Nach Bönen zogen die 29-Jährige und ihr Partner Anfang des Jahres. Dort haben sie ein Haus gekauft, in dem sie nun mit ihrem Hund leben. Ein eigenes Pferd hat die Tierärztin zurzeit nicht. Aber das könne sich durchaus ändern, wie sie sagt.

Mit Baxter versteht sie sich zumindest blendend, und nach der ausführlichen Behandlung auf dem Hof der Reitgemeinschaft Bönen-Hacheney zieht die Veterinärmedizinerin ein Fazit: „Baxter hat keine großen Probleme, er ist im Prinzip gesund und schmerzfrei.“ Lediglich an der Halswirbelsäule und der rechten Hinterhand musste sie kleinere Blockaden beseitigen. Der Wallach wird nun in nächster Zeit sicher keine Probleme mit dem Bewegungsapparat haben – falls er sich nicht verletzt.

Die Gesundheit erhalten

Solche Prophylaxe-Fälle sind für Julia Römer eher selten. Sie behandelt in der Regel kranke und verletzte Tiere, junge Tiere im Wachstum, oder ältere, um deren Beweglichkeit zu erhalten. „Meistens werde ich erst gerufen, wenn es Probleme gibt. Dabei wäre es schöner, die Chiropraktik vorbeugend einzusetzen.“ Humpelt ein Hund oder lahmt ein Pferd, ist im Körper meist schon viel passiert. Er muss gegen das Problem arbeiten, es ausgleichen. Und das zieht weitere Beschwerden nach sich, etwa an der Muskulatur oder den Nerven.

Die Tierärztin rät dagegen zu einer regelmäßigen chiropraktischen Behandlung ein oder zweimal im Jahr, vor allem bei älteren Tieren oder Rassen, bei denen es bekannte „Schwachstellen“ gibt. Ein Beispiel dafür sei der Dackel. Aufgrund seiner Körperform neige der häufig zu Bandscheibenvorfällen, der sogenannten Dackellähmung. „Durch die Chiropraktik lässt sich das vielleicht nicht gänzlich heilen, aber sie unterstützt die Heilung und hilft bei der Gesunderhaltung“, erklärt die Expertin.

Wer einen Termin mit Julia Römer vereinbaren möchte, erreicht sie unter der Rufnummer 01 76/4 38 04 36 oder per E-Mail an vet.chiro.roemer@gmail.com.

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