"Chillen" mit der Angelrute - Unterwegs mit einem Nachwuchsangler aus Bönen

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Maximilian Krosny holt aus und wirft die Angel ins Wasser aus. Schon das erfordert viel Übung.

Bönen - Viele Nachwuchsangler wie Maximilian Krosny gibt es in Bönen nicht. Ein Grund, ihn und sein eher ungewöhnliches Hobby vorzustellen.

Es ist ein recht idyllisch Bild. Maximilian Krosny sitzt auf seinem Campingsessel am Feuerlöschteich des Industriegebiets Am Mersch. Die Augen hat der 13-Jährige auf das an diesem Nachmittag glitzernde Wasser gerichtet. Er wechselt die Blickrichtung allerdings von Zeit zu Zeit Richtung Angelrute. In der Schnur hängt der Bissanzeiger. Wenn der zuckt, ist es vorbei mit der Ruhe in und neben dem Teich. Der Fisch am Haken bangt um seine Freiheit, Maximilian Krosny um den Fangerfolg.

„Der Fisch wird versuchen, durch Richtungsänderungen zu entkommen, den Haken loszuwerden“, beschreibt der Jungangler. Wichtig sei, die Bremse an der Rolle zu lösen, Schnur zu geben, dann wieder zu nehmen. 

Kein Problem mit dem Töten von Fischen

„Der Fisch wird dann irgendwann müde, das merkt man“, erklärt Maximilian Krosny. An diesem Tag geht er auf Karpfen. Auf dem Haken sitzt ein sogenanntes Pellet. Zusätzlich hängt ein „Käfig“ mit Lockstoff im Zielgebiet. „Das genaue Werfen ist schon eine Kunst, verlangt Übung“, blickt Maximilians Vater Marek Krosny kritisch zum Landeplatz des Köders. 

Er vermutet den Grundfisch eher im Schatten. Die großen Tiere sind im recht leeren Teich allerdings obenflächennah zu sehen. Ein lautes Platschen unterbricht die Überlegungen der beiden. Gesehen hat die Ursache keiner. „Ich denke, das war ein Fisch auf der Flucht, da springen die manchmal“, meint der Sohn. Im Teich gebe es schließlich Hechte. Kumpel Giulliano Apostel fängt derweil einige kleine Rotaugen aus dem Teich. Maximilian hilft, den Haken zu entfernen. Der Fisch wird wieder freigelassen.

Zusammen mit Vater Marek und Freund Giulliano Apostel angelt Maximilian am Teich im Industriegebiet.

„Das darf man nur bei zu kleinen, die größeren Verzehrfische muss man mit nach Hause nehmen“, erklärt Marek Krosny. Die Bestimmung gebe es, um den Eindruck des Sportangelns, der Tierquälerei, zu vermeiden. Ausnahme wären die eingeschleppten Grundeln, „die Pest im Kanal.“ Diese Tiere würden getötet und vergraben. 

Mit dem Töten von Fischen hat Maximilian Krosny kein Problem mehr. „Beim ersten Mal war es schon ein merkwürdiges Gefühl. Du hast etwas Lebendiges in der Hand und tötest es.“ Gemacht wird es unter Betäubung durch einen Stich ins Herz. Auch mit dem Aufziehen von Maden für den Raubfischfang hat Maximilian Krosny kein Problem und zeigt das nötige Geschick. 

Richtiger Angelschein erst ab 14 Jahren

Der 13-Jährige lernte das Angeln über seinen Vater kennen. „Zum Angeln kommt man meistens durch familiäre Verbindungen“, sagt dieser. Marek Krosny hat mit zehn Jahren in Polen damit begonnen. „Bei den Hegefischern bin ich erst seit drei, vier Jahren. Mein polnischer Angelschein wurde hier nicht anerkannt“, erzählt der 41-Jährige. Seit drei Jahren besitzt Maximilian Krosny den Jungfischerschein. 

Mit Begleitung durch einen erwachsenen Angelscheininhaber darf er also angeln. „Angelerfahrung hab ich ja jetzt genügend“, sagt er, „aber die Theorie muss ich noch machen, mit 14 Jahren kann ich den richtigen Angelschein machen.“ Am Dortmund-Ems-Kanal bei Waltrop angeln die Krosnys im Sommer regelmäßig. Das sind dann Tagestouren. Er könne dort „chillen und das Wetter genießen“, erklärt Maximilian Krosny. „Es ist unsere Freizeitgestaltung“, ergänzt Marek Krosny, „man kann richtig entspannen.“ Wenn man die nötige Ruhe mitbringt. „Mein zweiter Sohn Olivier, acht Jahre alt, ist ein ganz anderer Typ, für den ist das noch nichts.“ 

Hochseeangeln als Ziel

Ein Zelt, um über Nacht zu angeln, hätte er schon vor zwei Jahren gekauft. Genutzt haben es die beiden aber noch nicht. „Das würde ich gerne mit einem weiteren Erwachsenen machen. Am Kanal halten sich im Sommer echt merkwürdige Leute auf, die sind manchmal betrunken und aggressiv“, betont er die Verantwortung für seinen Sohn. 

Ziel der beiden ist daneben das Hochseeangeln. „Vielleicht klappt es ja im kommenden Jahr“, hofft Marek Krosny. Vom Kutter aus, vom Sonar in ergiebige Fanggründe geführt, geht es dann auf Nord- oder Ostsee. „Eventuell mit geliehenem Equipment, zum Hochseeangeln brauchst du eine ganz andere Ausrüstung“, erklärt Marek Krosny. 

„Ziel eines jeden Anglers ist ein möglichst großer Fisch“, sagt Sohn Maximilian. Die Fotos von Anglern plus Fisch müssen passen. Größe zeigt zum Beispiel auch die lukullische Vorliebe der beiden Krosnys, der Zander. Dafür müssen sie auch weiter fahren. „Aber Forelle, ist auch lecker, gibt es ja im Sauerland.“

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