Corona-Kontaktverfolgung

Soldaten nehmen den Kampf gegen die Pandemie in Unna auf

Soldaten des Versorgungsbataillon 7  unterstützen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Kreises Unna bei der Kontaktverfolgung
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Fachbereichsleiter Josef Merfels (links) und Gesundheitsdezernent Uwe Hasche (Mitte) sind dankbar für die personelle Unterstützung. General Torsten Gersdorf (rechts) ist es wichtig, dass diese Hilfe so schnell wie möglich ankommt.

Die Fallzahlen schnellen in die Höhe. Die Kontakte von allen mit dem Corona-Virus infizierten Menschen zu ermitteln, wird für die Mitarbeiter des Kreis-Gesundheitsamtes zu einer immer größeren Herausforderung. „Wir stoßen an die Grenze“, sagt Fachbereichsleiter Josef Merfels. Um die Aufgabe weiterhin stemmen zu können, hat der Kreis jetzt Unterstützung bekommen. Zehn Bundeswehrsoldaten helfen seit ein paar Tagen bei der Kontaktverfolgung.

„Die Hilfe ist angekommen und unheimlich wertvoll für uns“, ist Merfels dankbar für die personelle Verstärkung. Die Soldaten seien hoch motiviert. In der kommenden Woche sollen sogar fünf weiteren Kräfte vom Versorgungsbataillon 7 in Unna dazustoßen. Und, das machte General Torsten Gersdorf deutlich, es stehen weitere Kapazitäten zur Verfügung. „Erstmals in ihrer Geschichte hat die Bundeswehr ein eigenes Kontingent für ein ziviles Unterstützungsprogramm aufgestellt. 15 000 Mann wurden zur Corona-Unterstützung abkommandiert. Und wir halten noch mehr Kräfte bereit“, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Nordrhein-Westfalen bei seinem Besuch in der Behörde am Dienstagnachmittag. Die Kräfte müssten dabei so schnell wie möglich eingesetzt werden. „Jetzt zählt jeder Tag, um die Leute, die erkrankt sind, von der Straße zu holen.“

Zeit ist ein enorm wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Infektionsketten zu unterbrechen. Viel Zeit zur Einarbeitung der uniformierten Kollegen blieb also nicht. „Wir haben Teams gebildet und unsere Mitarbeiter mit den Soldaten zusammengesetzt“, erzählt Josef Merfels. Stundenlang haben die Kollgen das Telefon am Ohr, fragen bei Neuinfizierten nach deren Kontakten, informieren die Kontaktpersonen, kümmern sich um Reiserückkehrer oder teilen Betroffenen mit, wann deren Quarantäne endet. Natürlich überspringt das Virus Kreis- und Stadtgrenzen, dann ist es wichtig, mit anderen Gesundheitsämtern zusammenzuarbeiten. All das muss koordiniert und dokumentiert werden – auch dabei helfen die Bundeswehrangehörigen.

Anrufer versuchen, die Mitarbeiter hinter das Licht zu führen

Wichtig bei all den Gesprächen, die die Mitarbeiter führen, ist es, freundlich und verständnisvoll zu bleiben, selbst wenn die Ansprechpartner am anderen Ende der Leitung gegenteilig reagieren. „Wir erleben zwei Entwicklungen. Zum einen gibt es die Leute, die sehr vorsichtig sind und bei denen es dann einfach ist, Kontakte zu ermitteln. Und dann gibt es die andere Abteilung, die versucht, uns vehement hinter das Licht zu führen. Sie sind teils aggressiv und unverschämt“, berichtet Merfels. Das mache es unheimlich schwierig, die Kontakte nachzuvollziehen. Gleichzeitig geht dadurch wertvolle Zeit verloren, weitere Menschen infizieren sich mit dem Virus. Für die kann die Ansteckung unter Umständen lebensbedrohlich werden.

„Noch schaffen wir die Nachverfolgung, wenn auch nicht immer am gleichen Tag“, erzählt der Fachbereichsleiter. So lange es möglich ist, wollen die Verantwortlichen beim Kreis aber an der Kontaktverfolgung festhalten. Die sogenannte Cluster-Verfolgung ist für Merfels im Augenblick keine Option. „Die Verbreitung ist völlig diffus. Wir haben sehr hohe Viruslasten. Wer positiv getestet wird, trägt eine Menge Viren mit sich herum“, schildert der Fachmann.

Mehr als 80 Mitarbeiter im Einsatz

Während die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes nach mehr als sieben Monaten Pandemie einige Erfahrungen gesammelt haben, betreten die Soldaten nun Neuland. Normalerweise sind sie in der Instandsetzung tätig, in der Materialwirtschaft, der Verpflegungsgruppe oder im Geschäftszimmer, eben in ganz verschiedenen Bereichen ihres Bataillons. Jetzt mussten sie sich kurzfristig umstellen. „Wir haben sehr schnell zusammengefunden und sind super eingewiesen worden. Schon am zweiten Tag konnten wir selbstständig arbeiten“, erzählt Zugführer Bernhard Blumer.

Wie ihm und seinen Kollegen geht es aber auch anderen Mitarbeitern in der Kontaktverfolgung, die aus allen möglichen Abteilungen der Kreisverwaltung hinzugezogen wurden. Zudem stellt der Kreis externe Kräfte dafür ein, zunächst befristet für ein halbes Jahr. Rund 80 Frauen und Männer sind mittlerweile mit der Aufgabe betraut, in den kommenden Wochen könnte die Abteilung auf 100 und mehr Mitarbeiter inklusive der Soldaten anwachsen. Dafür schafft der Kreis Platz im Gesundheitsamt. Die Abteilung Natur und Umwelt zieht zurzeit in die Zentrale des Textildiscounters Kik in Bönen um.

Der Einsatz der Berufssoldaten ist zunächst bis Anfang Januar vorgesehen, er kann aber durchaus verlängert werden. „Wir stellen uns auf einen langen Winter ein, nicht nur in Unna“, sagte Brigadegeneral Torsten Gersdorf.

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