Bürgersteigbau am Bönener Schulzentrum sorgt für Diskussionen

+
Die Wilhelm-Busch-Straße wird zurzeit saniert. Umgesetzt wird dabei die ursprüngliche Variante.

Bönen – Nach 65 Jahren war die Wilhelm-Busch-Straße wirklich an der Reihe. Der Kanal und die Fahrbahndecke mussten dringend saniert werden. Dass sich die Anwohner an den Kosten von etwa 270 000 Euro beteiligen werden, sorgte dabei kaum für Diskussion, zumal sich ihr Anteil nach der aktuellen Reform des Landes nun noch einmal halbiert. Für Gesprächsbedarf sorgt vielmehr der Gehweg, der zunächst auf der Nord-, dann auf der Südseite geplant und jetzt doch auf der Nordseite gebaut wurde.

Angelika und Eberhard Rummler besitzen ein Eigenheim an der Wilhlem-Busch-Straße, das sie vermietet haben. Und von ihren Mietern erfuhren sie dann auch im Frühjahr vergangenen Jahres von der geplanten Baumaßnahme. Die wurden wiederum von einem Mitarbeiter der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) darüber informiert – nicht von der Verwaltung. 

Also schrieben die Eigentümer im April die Gemeinde an, mit der Bitte um nähere Auskünfte zu dem geplanten Vorhaben. Darin wiesen sie zudem auf die Schulwegsicherungspflicht hin. Die wird nach Ansicht der Rummlers in diesem Bereich nämlich nicht wahrgenommen: Die Straße grenzt direkt an das Areal des Marie-Curie-Gymnasiums und der Humboldt-Realschule. An der südlichen Seite trennt ein Grünstreifen das Schulgelände zur Fahrbahn ab. Die Schüler, die von der Bushaltestelle an der Pestalozzischule kommen oder nach Unterrichtsende dorthin unterwegs sind, laufen in der Regel direkt auf der Straße. Insbesondere morgens und mittags, wenn die „Elterntaxis“ halten, die Lehrer beider Schulen die Parkplätze anfahren oder verlassen und etliche Schüler zu Fuß beziehungsweise mit dem Rad unterwegs sind, ist es auf der kleinen Straße ziemlich drubbelig und unübersichtlich. 

Angelika Rummler fand es daher nur logisch, im Zuge der Sanierung auf der südlichen Seite einen Gehweg zu bauen. Das teilte sie den Verantwortlichen im Bönener Rathaus so mit. Die ersten Pläne, die sie dann aber zu sehen bekam, wiesen den Bürgersteig auf der Nordseite vor den Häusern und Einfahrten aus. 

Ausbauvarianten sind Thema bei der Anliegerversammlung

In einer Versammlung, zu der die Gemeindeverwaltung die Anlieger Mitte September eingeladen hatte, kam das Thema zur Sprache, und die Anwohner sprachen sich dafür aus, den Bürgersteig auf die gegenüberliegende, die südliche Seite, zu verlegen. „Wir wehren uns nicht gegen sinnvolle Lösungen“, sagte Fachbereichsleiter Robert Eisler damals und versprach, diese Anregung gemeinsam mit dem beauftragten Ingenieurbüro prüfen. 

Zehn Tage später erhielten die Rummlers eine knapp formulierte E-Mail: „Auf Wunsch der Anlieger der Wilhelm-Busch-Straße wurde der Gehweg auf der südlichen Seite der Straße geplant“, teilte ihr ein Mitarbeiter des Fachbereiches Planen, Bauen, Umwelt mit. Angefügt hatte er den geänderten Bauplan mit dem 1,50 Meter breiten Gehsteig auf der Südseite. So weit so gut, dachten sich die Rummlers. Dass es Ende September noch einen weiteren Ortstermin mit den Anwohnern gegeben hat, als das Ehepaar im Urlaub war, erfuhr es zunächst nicht. 

Umso erstaunter waren die Rummlers, als sie kurz nach Beginn der Bauarbeiten am 23. Januar bei einem Besuch an der Wilhelm-Busch-Straße feststellten, dass das Vorhaben nun doch nach dem ursprünglichen Plan umgesetzt wird: Der Gehsteig kommt auf die Nordseite. Angelika Rummler meldete sich am gleichen Abend in der Einwohnerfragestunde in der Sitzung des Fachausschusses Planen, Bauen und Umwelt zu Wort. „Ich wollte wissen, warum die Chance zur Schulwegsicherung, die sich bei der Sanierung geboten hat, nicht genutzt wurde“, erzählt sie. 

Eine Antwort bekam sie nicht, stattdessen wies Fachbereichsleiter Robert Eisler darauf hin, dass sie ja nicht bei dem Ortstermin gewesen sei. In dem hätten die Anwohner nämlich beschlossen, dass die Straße nach dem ersten Plan gebaut wird. Er sicherte der Bönenerin aber zu, die Frage schriftlich zu beantworten. 

Platz genug für zwei Gehsteige

14 Tage wartete die Bönenerin vergeblich darauf, dann hakte sie per E-Mail nach. „Warum wurden geltende Erlasse in NRW mit Stand vom 10. Januar 2019 unberücksichtigt gelassen“, wollte sie von Robert Eisler wissen. In dem Erlass heißt es: „Durch konsequente Nutzung von verkehrsregelnden und baulichen Möglichkeiten kann das Gefährdungspotenzial für die Kinder erheblich gemindert werden. Es wird empfohlen, von diesen Maßnahmen Gebrauch zu machen.“ Angelika Rummler sieht eine Möglichkeit dafür in dem Bau des Gehweges auf der dem Schulzentrum zugewandten Seite. „Platz genug ist ja da“, stellt sie mit Blick auf den ungepflegten Grünstreifen fest. Und falls gewünscht, könnten sogar beide Straßenseiten einen Bürgersteig erhalten. 

Aus der Antwort des Fachbereichsleiters ging für sie nicht hervor, warum sich die Verwaltung letztlich doch für Variante eins mit dem Gehweg auf der Nordseite entschieden hat. „Die alternativ diskutierte, vermeintlich sicherere Variante, stellte sich vor Ort ganz anders dar. Für die Anlieger – Fußgänger und Autoverkehr – wäre dies eine enorm belastende Verkehrsführung“, heißt es in der E-Mail aus dem Rathaus. „In Abwägung aller Argumente haben wir uns daher entschieden, den Ausbau in der nun begonnen Art und Weise umzusetzen.“ 

Argumente überzeugen Anwohner

Welche enormen Belastungen das sind, und in welcher Form welche Argumente und der Ortstermin bewertet wurden, erfuhr Angelika Rummler schließlich am Dienstag bei einem Treffen vor Ort von Josef Zientek vom Fachteam Straßen, Entwässerung, Grün und Umwelt der Gemeinde. Demnach hätte die zweite Variante mit dem Bürgersteig auf der Südseite dazu geführt, dass die Autos in einer Schleife um die Kurve in die Straße hätten einfahren müssen, um genügend Platz für den Gegenverkehr zu lassen. Die Straße sei zudem schlechter einzusehen gewesen. Und schließlich bleibt der Fußweg mit dem Umsetzen der ersten Pläne vom Bockeldamm, entlang der Pestalozzi- und der Wilhelm-Busch-Straße durchgängig. „Die Schüler müssen nur einmal die Straßenseite wechseln, wenn sie auf das Schulgelände wollen“, führt Zientek an. An der Bushaltestelle würde hingegen lediglich ein Bus am Morgen halten und somit nur wenige Jugendliche an dieser Straßenseite ankommen. 

Diese Argumente haben wohl auch die sechs Anwohner überzeugt, die in der zweiten Bürgerversammlung einstimmig für diese Lösung votierten. Inzwischen sind die Bauarbeiten fast beendet, in der kommenden Woche soll die Fahrbahn asphaltiert werden. „Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass auf der rechten Seite ein Bürgersteig gebaut wird oder eben auf beiden Seiten“, sagt Angelika Rummler. Auch über eine bessere Kommunikation mit der Verwaltung hätte sie sich gefreut. „Es wäre schön gewesen, wenn wir darüber informiert worden wären, dass nun doch die erste Variante umgesetzt wird – und warum.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare