Bönens Verwaltungschef will neu planen

Reizthema Mülltonnengröße: Bürgermeister Rotering räumt Vorlage vor der Klatsche im Rat lieber ab

Drücken, bis der Deckel drauf ist. Das zeugt von zu wenig Tonnenvolumen, passt aber noch. Übel wird‘s, wenn im Rest- und Bio-Abfall landet, was hier nicht hineingeht.
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Drücken, bis der Deckel drauf ist. Das zeugt von zu wenig Tonnenvolumen, passt aber noch. Übel wird‘s, wenn im Rest- und Bio-Abfall landet, was hier nicht hineingeht.

Die Pläne für die Einführung einer Mindestgröße der Restmülltonne nach Anzahl der Köpfe pro Haushalt ist vom Tisch – vorerst.

Bönen – Es hatte zwar nichts von Merkels „Mea Culpa“, und in Sack und Asche war Stephan Rotering auch nicht vor den Gemeinderat getreten. Und doch räumte der Bürgermeister auf verlorenem Posten ein Reizthema mit einem klaren Eingeständnis ab: Mit der Vorlage zur Einführung einer Mindestgröße der Restmülltonne als Mittel gegen Schummelei bei der Gebührenrechnung habe er offensichtlich in dieser Form daneben gelegen.

Erste Abfuhr in Abwesenheit des Chefs

„Ich ziehe die im Haupt- und Finanzausschuss einstimmig abgelehnte Vorlage hiermit zurück“, kassierte der Verwaltungschef den Punkt wieder ein, kaum dass er ihn gemäß Tagesordnung eröffnet hatte. „Es hat mich verwundert, wie die vorherige Beratung gelaufen ist. Ich war ja leider nicht dabei“, fuhr Stephan Rotering mit dem Hinweis fort, dass er erkrankt und deswegen nicht im Dienst gewesen sei. Erst zwei Tage vor der Sitzung am Donnerstagabend in der MCG-Aula war er wieder an Deck. Aber: „Ich muss akzeptieren, dass wir in der Sache verschiedener Auffassung sind.“

Entsorgungsproblem bleibt ungelöst

Dabei will es der Verwaltungschef aber nicht bewenden lassen, sondern das Thema mit seinen Mannen neu und besser aufbereiten. „Es geht mir um die Fehlwürfe. Das Problem werden wir nicht anders lösen können als über die Mindestgröße. Damit meine ich nicht in erster Linie die Haushalte in Einfamilienhäusern, sondern in Mehrfamilienhäusern“, warb Rotering für seine Perspektive. Hier geht es darum, dass Abfuhren der Reststoff- und die Bio-Tonne immer wieder – eher selten versehentlich – mit falsch eingeworfenem Hausmüll durchsetzt sind. Diese Ladungen können nicht recycelt werden, sie müssen in der MVA verbrannt werden – das treibt zulasten aller die Kosten hoch.

SPD eh dagegen, die anderen folgen

Mit der Berechnung von zehn Litern Abfall pro Kopf und Woche als Maß für eine bedarfsgerechte Tonne nach Haushaltsgröße hat die Verwaltung aber nicht überzeugen können. Die SPD-Fraktion sah als ärgste Kritikerin sogleich die braven, umweltbewussten Müllsortierer (Stichwort: Einfamilienhaus) bestraft, weil die neue Staffelung teils auch für ihre Haushalte eine größere und teurere Tonne zur Pflicht gemacht hätte. Allen Politikern gemein ist das Unbehagen, sich mit dem per se heiklen Thema Gebühren beim Bürger in die Nesseln zu setzen.

Wie Schummelei Riegel vorschieben?

Ohne Mindestmaß, wie es im Kreis Unna längst alle haben und von den Kommunalverbänden propagiert wird, „wird die passende Zumessung des Tonnenvolumens schwierig“, argumentierte der Bürgermeister. Wenn Eigentümer oder Bewohner nicht mitzögen, bliebe es dabei, dass der tatsächlich anfallende Abfall gar nicht in die gewählte Tonne oder den Großcontainer passe. Der Konflikt mit der korrekten Entsorgung bestehe fort.

Klarere Kostenstruktur angekündigt

„Wir werden die Unterlagen anders aufbereiten und auch mit einer klareren Kostenstruktur hinterlegen“, kündigte der Rathauschef an. In die detaillierte Kalkulation samt aufwendigem Abgleich der Tonnenbestände und Erhebung des fälligen Tausches von Müllgefäßen wollte die Verwaltung erst mit der politischen Rückendeckung des Rates einsteigen. Eine Aussprache gab es, da der Punkt abgesetzt war, nun nicht.

Gespräch über Tonnen-Stellplätze im Mai

Absolut einige waren sich Ratsmitglieder und Bürgermeister aber in dem Vorgehen, die Leerung der Tonnen in den Straßen neu zu ordnen, in denen das Müllfahrzeug aus Sicherheitsgründen nicht mehr rückwärts rangieren darf. Die Verwaltung will für die in einer nicht veröffentlichten Gefährdungsanalyse des Entsorgers GWA nun im April Tonnensammelplätze bestimmen und dies im Mai mit den betroffenen Anliegern erörtern.

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