Der Bürgerbus fährt im Stundentakt durch Bönen

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Manfred Hübner gehört zu den zwölf ehrenamtlichen Busfahrern.

Bönen - Seit rund vier Wochen verkehrt der Bürgerbus nun in der Gemeinde. Und die Fahrgäste sind durchweg zufrieden mit dem Angebot. Ein Fahrt mit dem Sprinter zeigt auch, warum das so ist.  

Auf die Minute pünktlich hält der Bürgerbus an der Haltestelle Gemeindemitte/Westfälischer Anzeiger. Fahrer Manfred Hübner drückt auf den Knopf und die Tür öffnet sich automatisch, die Einstiegsstufe fährt heraus. Das ist ja komfortabel! Ich könnte sogar einen Rollator, einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl mit in den Bus nehmen.

Das Bezahlen ist ebenfalls denkbar einfach – und unschlagbar günstig: Ich muss lediglich meine Sparkassen-Kundenkarte vorzeigen und darf kostenlos Platz nehmen. Das funktioniert genauso mit der Karte der Volksbank Bönen. Die beiden ortsansässigen Kreditinstitute sind nämlich nicht nur Sponsoren des Bürgerbusses, sondern gleichfalls die der Fahrgäste. Ein toller Service. Manche Fahrgäste zeigen stattdessen ihr VKU-Ticket vor, das ebenso für den Bürgerbus gültig ist. Nur sehr wenige zahlen den Fahrpreis von 2,90 Euro bar, den üblichen Tarif der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna. 

Neben dem Schaltknüppel am Armaturenbrett klebt ein großes Schild: „Bitte anschnallen!“ Na klar, im Bus gelten die allgemeinen Verkehrs- und Sicherheitsregeln. Ich setzte mich hinter Marianne Stille und lege den Gurt an. Sie ist schon einige Mal mitgefahren, seitdem der Bürgerbus seine Runden dreht, erzählt mir die Bönenerin. „Wenn man nicht mehr so gut laufen kann, ist das ein gutes Angebot.“ 

Die 84-Jährige steigt an der Paul-Weniger-Straße ein, fährt zum Einkaufen in die Gemeindemitte. An der Haltestelle auf dem großen Parkplatz hinter dem Rewe- und dem Edeka-Markt geht sie später auch wieder an Bord, wenn sie alles besorgt hat. „Ich fahre halt über Nordbögge nach Hause“, so die Seniorin. Der Bus dreht nämlich pro Stunde zwei Schleifen, einmal in östliche, einmal in westliche Richtung, und fährt alle ausgewiesenen 33 Haltestellen an. Für Marianne Stille bedeutet das einen Umweg von gerade einmal 13 Minuten – kein Problem für die Seniorin. Zu Fuß mit dem Rollator braucht sie länger für den Heimweg.

Gabriele Läufert hat ebenfalls Zeit und nimmt den Bogen über den nördlichen Ortsteil gelassen in Kauf. Sie wohnt an der Dürerstraße. „Die Friedhofstraße kann ganz schön lang werden, wenn man läuft“, erzählt sie. Insbesondere mit der Einkaufstasche am Arm. Das Bürgerbus-Angebot ist optimal für sie, zumal sie nach einer Operation nicht mehr ganz so gut laufen kann, wie sie sagt. „Ich hoffe, dass es gut angenommen wird und das Angebot bleibt“, wünscht sich die Bönenerin. 

Ein paar Fahrgäste mehr dürften es tatsächlich noch werden. Immerhin hat Manfred Hübner an diesem Vormittag aber bereits 19 Passagiere befördert, darunter fünf Kinder, die von ihren Müttern zur Kita gebracht wurden. „Ich bin mal gespannt, wie das im Winter wird. Vielleicht steigen mehr ein, wenn es kalt und nass wird.“ 

Zwölf ehrenamtliche Fahrer sitzen hinter dem Steuer

Während der „Einlaufphase“ wollen die Mitglieder des Bürgerbusvereins beobachten, ob die bisherigen Haltestellen ausreichen und ob es die richtigen sind. Möglicherweise könnten noch weitere eingerichtet werden. Das betrifft genauso den Fahrplan. Bisher fährt der Bus vormittags sowie an zwei Nachmittagen, dienstags und donnerstags. Sollte es an einem anderen Nachmittag großen Bedarf geben, könnte sich der Plan verschieben oder er wird erweitert. „Das müssen wir abwarten und besprechen“, sagt Manfred Hübner. 

Ebenso wie seine elf Kollegen sitzt er ehrenamtlich hinter dem Lenkrad. „Ich fahre einmal pro Woche, und wenn jemand ausfällt, kann es auch häufiger sein“, berichtet der frischgebackene Busfahrer. Den einen Vormittag oder Nachmittag in der Woche opfert der Ruheständler gerne dafür. „Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass das ein vernünftiges Angebot ist“, so Manfred Hübner. Der Bürgerbus würde vielen Bönenern zu mehr Mobilität verhelfen, insbesondere älteren Menschen. „Wir sind aber keine Konkurrenz zur VKU, sondern eine Ergänzung“, erklärt der ehemalige CDU-Ratsherr. 

Er hat vor rund vier Wochen die allererste Schicht des Busses übernommen. „Da habe ich immer auf die Uhr geguckt. Man muss sich ja bemühen, pünktlich zu sein.“ Der Bus sollte nicht zu spät, aber natürlich auch nicht zu früh die Haltestelle erreichen. Inzwischen hat Manfred Hübner etwas Routine. „Ich habe mir das schlimmer vorgestellt“, sagt er. „Die Taktung, die unser Fahrdienstleiter ausgearbeitet hat, passen schon sehr gut.“ Steigen wenige Fahrgäste dazu, muss Manfred Hübner gelegentlich kurze Pausen einlegen, um den Takt zu halten. Macht ihm hingegen die Bahnschranke am Bahnhof einen Strich durch den Zeitplan, versucht er, die verlorenen Minuten wieder aufzuholen. 

Das ist nicht immer so einfach. Der Bürgerbus fährt schließlich vor allem die Siedlungen an, die der große VKU-Bus nicht ansteuern kann. „Gerade gegen Abend, wenn viele bereits zu Hause sind, sind die Straßen oft ziemlich zugeparkt“, weiß der ehrenamtliche Busfahrer. Dann muss er den Sprinter geschickt durch die Lücke lenken. „Das ist etwas anderes als mit einem Pkw“, stellt Hübner fest. Der Bus lasse sich aber prima fahren, es ist ein Automatikfahrzeug.

Marianne Stille freut sich über das Angebot.

Viel üben musste der Nordbögger nicht. „Wir sind die Route vor dem Start gemeinsam abgefahren. Wer wollte, durfte dabei hinter das Steuer.“ Viel höher seien dagegen die bürokratischen Hürden gewesen. Jeder Fahrer musste einen gültigen Führerschein, ein polizeiliches Führungs- und ein Gesundheitszeugnis vorweisen. Die Untersuchung, die unter anderem einen Seh- und einen Reaktionstest beinhaltet, hat bei Manfred Hübner mehr als 45 Minuten gedauert. „Aber das ist ja auch richtig so“, findet er. Schließlich tragen die Fahrer eine große Verantwortung für die Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmer.

„Man muss wirklich froh sein, dass sie das machen. Sie fahren ja alle ehrenamtlich“, ist Marianne Stille dankbar für das Engagement der Bönener. Und da sie neben mir jetzt der einzige Fahrgast ist, lässt Manfred Hübner sie bereits an der Ecke vor der eigentlichen Haltestelle aussteigen – dann hat sie es nicht so weit nach Hause.

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