Aussagen der Ermittler

Brutaler Raubüberfall in Bönen: Polizei verfolgte zunächst falsche Spur

Angeklagter Landgericht Dortmund Verteidigerin Ina Klimpke
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Der Angeklagte, hier mit seiner Verteidigerin Ina Klimpke, hatte 2018 auch einen spektakulären Bahn-Unfall in Nordbögge inszeniert.

Schon drei Tage nach dem Raubüberfall auf ein Ehepaar an der Maria-Terwiel-Straße im April 2014 hatte die Polizei einen Verdächtigen im Blick. Das berichtete der damalige Ermittlungsführer am Dienstag als Zeuge vor dem Dortmunder Landgericht.

Dortmund/Bönen - Der brutale Raubüberfall hatte das Ehepaar am 25. April 2014, einem Freitag, völlig aus der Bahn geworfen. Im Anschluss an das Wochenende war die Frau aber zumindest schon wieder in der Lage, der Polizei Rede und Antwort zu stehen. „Sie war ziemlich fertig“, erinnerte sich der Ermittlungsführer in seiner Zeugenaussage. „Doch sie war sich ziemlich sicher, dass sie den Täter an der Stimme erkannt hatte.“

Damit hatte die Polizei also sehr schnell eine konkrete heiße Spur. Der vermeintlich Verdächtige wurde in Hamm ausfindig gemacht und sofort vorläufig festgenommen. Was folgte, war das kleine Einmaleins der Polizeiarbeit: Das Alibi des Mannes musste überprüft werden.

Wasserdichtes Alibi

„Der Verdächtige gab an, an dem Freitag nachmittags beim Friseur gewesen zu sein. Anschließend wollte er Freunde getroffen und Zeit mit diesen verbracht haben“, sagte der Ermittlungsführer. Beide Angaben ließen sich schnell und problemlos checken.

Danach stand fest: Das Überfallopfer hatte sich geirrt. Das Alibi war wasserdicht.

Inzwischen sind sich Polizei und Staatsanwaltschaft sicher, dass nicht der damals festgenommene Mann, sondern der 45-jährige Angeklagte aus Bönen der brutale Räuber war. Er wohnte damals mit seiner Freundin in unmittelbarer Nachbarschaft der Maria-Terwiel-Straße. Das könnte erklären, warum die Polizei den Fluchtwagen später nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt aufgefunden hatte. „Das hatte uns natürlich im ersten Moment gewundert“, sagte der Polizist.

Rätsel um Zigaretten

Und noch etwas findet der Beamte bis zum heutigen Tag überaus merkwürdig. Zunächst hatten seine Kollegen und er seinerzeit die Hoffnung, dass sich der Räuber mit einer Reihe von in Tatortnähe zurückgelassenen Zigarettenkippen verraten haben könnte. Dann aber fiel den Ermittlern auf, dass die Zigaretten offensichtlich nie wirklich geraucht worden waren.

„Sie wurden angezündet und sind dann einfach langsam abgebrannt“, sagte der Ermittlungsführer am Dienstag. „Die Asche ist einfach im Ganzen heruntergefallen. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum jemand so etwas macht.“

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