Breite Front gegen Asphalt auf der Bahntrasse

Der Radweg in Lenningsen und Flierich wird auch gerne von Wanderern und Spaziergängern genutzt. ▪
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Der Radweg in Lenningsen und Flierich wird auch gerne von Wanderern und Spaziergängern genutzt. ▪

BÖNEN ▪ Der Widerstand geht durch alle politischen Gruppen: Gegen die Pläne des Kreises, den Radweg auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Unna-Königsborn und der Kreisgrenze nach Hamm nach dem Kauf zu asphaltieren, hat bereits frühzeitig die SPD in Bramey, Lenningsen und Flierich protestiert.

Nun haben auch die Kreistagsfraktionen von CDU und Grünen mit Kopfschütteln auf das Vorhaben reagiert.

Die idyllische gelegene Trasse, die entlang des Bahnhofs in Lenningsen durch den Bönener Süden führt, ist seit vielen Jahren eine beliebte Route bei Radfahrern, Wanderern und Spaziergängern. Der Kreis hat sie nun der DB-Netz AG abgekauft.

„Die vorhandene wassergebundene Decke aus Dolomitsand ist für den Radweg hervorragend geeignet“, betont die Bönenerin Claudia Gebhard, die für die CDU im Kreistag sitzt. Die bestehende Fahrbahn passe sowohl optisch als auch finanziell gut in die Landschaft. Bei der Decke handele es sich um eine naturnahe Befestigung, deren laufenden Unterhaltungskosten sich in einem überschaubaren Rahmen hielten.

Berücksichtigen müssen wir auch“, so Claudia Gebhard, „dass eine Asphaltdecke in aller Regel zum sehr schnellen Befahren eines Radwegs verleitet.“ Da aber der Weg gerne von Fußgängern und Familien genutzt werde, hält die Christdemokratin den „langsameren“ Dolomitsandbelag für sinnvoller. Und bis jetzt habe Kreis-Baudezernent Detlef Timpe noch keine überzeugenden Argumente für die Notwendigkeit einer Asphaltierung geliefert, sagt Gebhard.

Brücke in Mühlhausen

ist völlig marode

Die CDU-Kreistagsfraktion sorgt sich jedoch wegen der alten Brückenbauwerke auf der Strecke. „Eine der Brücken in Mühlhausen“, so Claudia Gebhard, „ist derart marode, dass die Verkehrssicherungspflicht nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Der Kreis müsse alleine aus Haftungsgründen dringend für eine Erneuerung sorgen. Weitere Brückenbauwerke und Durchlässe bedürften außerdem einer gründlichen Renovierung.

Die Kreistagsfraktion der Grünen weist in Anträgen zur Sitzung des Bau- und Technikausschusses darauf hin, dass viele Kilometer der Trasse als Naturschutzgebiet ausgewiesen seien. Sie fordert deshalb, auch die betroffenen Kommunen und Naturschutz-, Wander- und Radfahrer-Organisationen vor einer Entscheidung anzuhören.

Die Mitglieder des Bau- und Technikausschusses beraten am morgigen Dienstag über eine mögliche Teilnahme an einem Radwegprogramm des Landes NRW. Die Bahntrasse steht dabei im Mittelpunkt.

„Für eine Entscheidung ist es noch viel zu früh,“ sagt Herbert Goldmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen- Kreistagsfraktion. „Es fehlen uns die Informationen über die Vorgaben, die das Land den Teilnehmern macht. Beispielsweise wissen wir noch nicht, wie die Wege beschaffen sein müssen. Eine Asphaltierung lehnen wir aus vielen guten Gründen ab. Und wir stehen mit dieser Haltung nicht allein da.“ Deshalb könne sich seine Fraktion sehr gut einen Runden Tisch mit allen Interessierten und organisierten Nutzern des Rad- und Wanderweges vorstellen.

Baumaßnahme stört Gleichgewicht

Für Gudrun Bürhaus, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Kreistag, stellt sich die Frage, ob der naturschutzrechtliche Verbotstatbestand „Asphaltierung“ bisher berücksichtigt wurde: „Die Planung einer versiegelten Strecke widerspricht dem bestehenden Landschaftsplan für dieses geschützte Gebiet. Bisher leben hier seltene Pflanzen, Vogelarten und Amphibien mit den Erholungssuchenden im Einklang. Eine Baumaßnahme in diesen Dimensionen würde das sensible Gleichgewicht nachhaltig stören“, kritisiert sie. ▪ li

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