Wer braucht den Energieausweis? Zur Heizsaison müssen Hausbesitzer einige Regeln beachten

+
Bezirksschornsteinfeger Holger Felsch kann schnell feststellen, ob eine Heizung effizient arbeitet.

Bönen – Mit Beginn des Oktobers sind die Temperaturen spürbar nach unten gegangen. Für viele Bönener ein Grund, die Heizung anzuschalten. Die verursacht dann natürlich Kosten. Einem Paar aus Nordbögge kamen die Heizkosten viel zu hoch vor. Die Mieter forderten von ihrem Vermieter die Modernisierung der Heizung und einen Energieausweis für das Gebäude. Tatsächlich sind Hausbesitzer nicht grundsätzlich dazu verpflichtet.

Wer sein Haus selbst bewohnt, benötigt zum Breispiel keinen Energieausweis für das Gebäude, wie die Verbraucherzentrale NRW angibt. Wer allerdings neu baut, sein Gebäude umfassend saniert oder sein Haus beziehungsweise seine Wohnung verkaufen oder vermieten möchte, für den ist das Dokument Pflicht.

Käufer und neue Mieter haben nämlich per Gesetz ein Recht darauf, sich die Informationen über die Energieeffizienz ihres künftigen Heims zeigen zu lassen – und zwar, bevor sie einen Kauf- oder Mietvertrag unterschreiben. Das soll verhindern, dass es hinterher zu einem bösen Erwachen kommt, sobald die Nebenkostenabrechnung ins Haus flattert.

Das Paar in Nordbögge hat es offenbar versäumt, sich den Ausweis spätestens beim Besichtigen der Wohnung zeigen zu lassen. Der Vermieter hätte andererseits auch unaufgefordert die Unterlagen zücken müssen. Macht er das nicht, kann das richtig teuer werden: Bis zu 15 000 Euro Bußgeld werden fällig, wenn ein Hauseigentümer keinen Energieausweis für seinen Besitz hat. 

Wer eine Immobilie kauft oder mietet, hat ein das Recht, den Energieausweis des Gebäudes zu sehen.

Es gibt dabei zwei verschiedene Arten des Energiepasses: einen, der den Bedarf angibt, und einen, der den Verbrauch ausweist. „Bei dem Verbrauchsausweis müssen lediglich die Verbräuche der vergangenen drei Jahre zusammenhängend dargestellt werden“, erklärt Holger Felsch. Der Schornsteinfegermeister ist unter anderem zuständig für den Bezirk Bönen und selbst berechtigt, den Ausweis auszustellen. Der Aufwand für diese Variante sei relativ gering, die Kosten entsprechend überschaubar. 

Jedoch kann sich nicht jeder Eigentümer auf den Verbrauchsausweis beschränken. „Er kann nur für jüngere Objekte ausgestellt werden, die nach 1978 gebaut wurden“, weiß Felsch. Auch bei Häusern, die nach dem 1. November 1977 nach den Anforderungen der ersten Wärmeschutzverordnung saniert wurden, reicht die einfache Methode. Und das gilt ebenso für Häuser mit mehr als fünf Wohnungen. 

Bei älteren Häusern und solchen, die wenige Mietparteien beherbergen, muss dagegen der teurere Energiebedarfsausweis ausgefertigt werden. „Das ist deutlich umfangreicher“, erklärt der Bezirksschornsteinfeger. Berechnet wird dafür nämlich der theoretische Energiebedarf eines Gebäudes. Dazu muss ein Experte sich das komplette Gebäude und die Heizungsanlage ansehen und ermitteln, wie gut die Außenwände gedämmt sind, ob Wärmeschutzfenster eingebaut wurden, eine umweltschonende Heizungsanlage installiert ist und einiges mehr. 

Die erfassten Daten berücksichtigen nicht, wie die derzeitigen Bewohner die Räume heizen. Das ermöglicht ihren Nachmietern oder Käufern einen Vergleich mit anderen Wohnungen und Häusern, kann also Entscheidungshilfe geben. Außerdem lassen sich dabei energetische Schwachstellen erkennen, etwa mangelhafte Dämmung oder Kältebrücken. 

Pass zeigt auch auf, wie sich Kosten sparen lassen

Praktisch ist, dass der Pass somit nicht nur den Istzustand angibt, sondern auch aufzeigt, wie sich Energie und damit Kosten im Haus sparen lassen. Eine neue Heizung kann dabei selbstverständlich gute Dienste leisten. Ob das Paar in Nordbögge deshalb aber von seinem Vermieter verlangen konnte, dass er die 31 Jahre alte Anlage erneuert, kann Holger Felsch nicht pauschal beantworten.

„Zwar sagt die Energieeinsparverordnung, dass Heizungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind – Stichtag ist der 1. Oktober 1978 – , ausgetauscht werden müssen, aber es gibt Schlupflöcher.“ Wenn zum Beispiel der Eigentümer sein Haus mindestens seit 2002 selbst bewohnt, kann das Gesetz keine Sanierung verlangen. 

Es sei denn, Holger Felsch und seine Kollegen stellen bei der regelmäßig vorgeschriebenen Kontrolle nach der Kehr- und Überprüfungsordnung kritische Werte fest. Dann muss die Heizung innerhalb von zwei Jahren entweder saniert oder ausgetauscht werden. „Das gilt aber nicht bei Niedertemperatur-Heizkesseln“, ergänzt der Fachmann. Die haben ebenso Bestandsschutz wie Brennwertkessel, Kessel mit einer Nennleistung von unter vier oder über 400 Kilowatt, reinen Warmwasseranlagen und Küchenherde. 

Wer sich nicht sicher ist, ob die Heizung in seinem Haus fällig ist oder nicht, der fragt am besten seinen Schornsteinfeger oder die Mitarbeiter eines Heizungsfachbetriebes. Beide können übrigens den Energieausweis ausstellen, ebenso wie Ingenieure, Bautechniker, Energieberater und Architekten. 

Voraussetzung ist, dass sie eine besondere Aus- oder Weiterbildungen absolviert haben und über Berufspraxis verfügen. Das Paar in Nordbögge ist inzwischen ausgezogen und lebt jetzt in einer Wohnung mit geringeren Heizkosten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare