Das Bonhoeffer-Haus in Nordbögge wird 50 Jahre alt

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Für Manuela Kosch-Standop und Pfarrer Detlef Belter ist das Bonhoeffer-Haus mehr als ein Arbeitsplatz.

Bönen – Ein Haus für das Dorf: Das war das Dietrich-Bonhoeffer-Haus von Anfang an. Und spätestens seit der Gründung des Fördervereins werden dort nicht nur Gottesdienste gefeiert und die kirchlichen Gruppen kommen zusammen, die Nordbögger nutzen es für viele Gelegenheiten. Am Montag feiert die Evangelische Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Förderverein einen Geburtstag – den 50. des Bonhoeffer-Hauses und den der Kirche.

Pfingsten gilt als Geburtsstunde der christlichen Kirche. Das Wort Pfingsten geht auf den griechischen Begriff „Pentekoste“ zurück, der für „Fünfzig“ steht. Und so schließt sich also am Montag der Kreis, wenn die Kirchengemeinde um 11 Uhr zum Familiengottesdienst und anschließendem Gemeindefest einlädt, um beide Geburtstage auf einmal zu feiern.

 Der Grundstein für das Dietrich-Bonhoeffer-Haus wurde dabei bereits am 8. Februar 1969 gelegt, eingeweiht wurde es nur zehn Monate später, am 21. Dezember des selben Jahres. Die Idee für ein solches Gemeindezentrum in Nordbögge ist allerdings noch deutlich älter. Schon 1961 gründeten einige Gemeindemitglieder nämlich einen Bauverein dafür. Bis dato mussten sie zu den Gottesdiensten und kirchlichen Aktivitäten stets nach Altenbögge zum Bodelschwingh-Haus fahren. Inzwischen war die Zahl der evangelischen Christen im Ort durch die Neubaugebiete aber erheblich gestiegen, und so wünschten sie sich ein eigenes Gemeindezentrum. Seit 1955 hatte sie zwar ihre „Arche“, einen besseren Holzschuppen, der im Bereich des heutigen Sportplatzes stand. Doch diese Baracke war eben nur eine Behelfslösung. So kaufte die Kirchengemeinde 1960 das rund 5 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem ein Pfarrhaus, eine Kirche mit Glockenturm, ein Gemeindehaus und ein Jugendheim gebaut werden sollte. 

Dorfbewohner unterstützen Neubau tatkräftig

„In den 1960er Jahren gab es überall die Tendenz, Gotteshäuser im ,Schlappenbereich’, also fußläufig erreichbar, zu bauen“, erzählt Pfarrer Detlef Belter. Vor allem multifunktionale Häuser wurden dabei gewünscht, weniger reine Kirchen. Damals wie heute bewiesen die Nordbögger, wie wichtig ihnen dieses Gemeindezentrum war und ist. Im Laufe der Jahre sammelte der Bauverein fast 70 000 DM, die in die gesamten Baukosten von 318 563,57 DM einflossen. Und natürlich packten die Dorfbewohner tatkräftig bei Bau mit an. Das flache Gebäude war modern, hell und zweckmäßig, verfügte es doch über mehrere Räume, die für verschiedene Zwecke genutzt werden konnten. 

1990 war dann ein Jahr, dass dem Bonhoeffer-Haus in mehrfacher Hinsicht ein neues Gesicht gab. Zum einen bekam es eine Orgel, zum anderen mit Detlef Belter einen jungen, motivierten Pfarrer. Er wurde teils im Bodelschwingh-Haus in Altenbögge, vor allem aber auch im Bonhoeffer-Haus in Nordbögge eingesetzt und zog schließlich mit seiner Frau in Bönens nördlichen Ortsteil. „Ich hatte also zwei tolle, multifunktionale Häuser, in denen ich arbeitete, aber keine richtige Kirche“, sagt Belter. „Das hat durchaus seinen Charme, da alles in einem Haus zusammenkommt.“ 

Der neue Pfarrer durfte auch gleich die Einweihung des neuen Immanuel-Kindergartens feiern, der direkt an das Gemeindehaus anschloss. Mittlerweile ist die Einrichtung deutlich gewachsen. Gerade wird etwa ein weiterer Gruppenraum angebaut. 2002 bekam das Gemeindezentrum den langersehnten Glockenturm. Die  Holzkonstruktion stand ursprünglich im Hammer Osten und wurde dort nicht mehr benötigt. Wieder krempelten engagierte Nordbögger die Ärmel hoch, halfen beim Ab- und Wiederaufbau des Turmes an der Hermannstraße. Für die Glocke ging der Spendenhut mehrfach herum, bis sie zum ersten Mal geläutet werden konnte.

Sinkende Mitgliedszahlen wirken sich auf Gemeindezentren aus

2006 griffen die Gemeindeglieder dann erneut in die Taschen, um den Umbau des Bonhoeffer-Hauses mitzufinanzieren. Der Kirchenraum, in dem die Gottesdienste gefeiert werden, sollte spiritueller werden. Im Mittelpunkt der Pläne, die der Nordbögger Architekt Christian Feldhege angefertigt hat, stand das bunte Glasfenster, das bis dahin links neben dem Altar aufgehängt war. Die Spende der Frauenhilfe sollte nun in die Mitte versetzt hinter dem Altar für eine sakrale Atmosphäre sorgen. In drei Bauabschnitten, an denen sich viele Dorfbewohner beteiligten, wurden die Pläne bis zum 40. Geburtstag des Bonhoeffer-Hauses 2009 umgesetzt. 

Wenn das Haus bei der Bevölkerung auch nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, so sind die Zahlen der Gemeindeglieder in den vergangenen Jahren doch stetig zurückgegangen. Die Konsequenzen kündigte Superintendent Rüdiger Schuch 2013 bei der Sommersynode des Kirchenkreises Hamm an: Bis 2020 werden rund ein Drittel der 36 Gemeindezentren im Kirchenkreis ohne Kirchensteuergelder weitergeführt oder aber geschlossen. Betroffen davon ist auch das Dietrich-Bonhoeffer-Haus. 

Eine Schließung kam für die Nordbögger nicht in Frage. Stattdessen gründeten sie einen Förderverein, um das Haus für die Gemeinschaft zu erhalten. Seit dem 1. Januar betreibt der Verein, der rund 150 Mitglieder zählt, das Haus offiziell, die Kirchengemeinde ist nach wie vor Eigentümer. Finanziert wird es durch Spenden, Aktionen und Mieteinnahmen. Das Bonhoeffer-Haus kann für Veranstaltungen und private Feiern gebucht werden. 

Und dieses Angebot wird gerne und gut genutzt, weiß Detlef Belter. Er gehört selbst zu den Fördern, ebenso wie Küsterin Manuela Kosch-Standop. Sie fühlt sich eng mit dem Haus verbunden. „Für mich ist das der beste Arbeitsplatz, den ich je hatte“, sagt die Bönenerin. Seit sieben Jahren kümmert sie sich um das Gebäude und seine Nutzer. „Ihre ,Handschrift’ ist gut zu erkennen“, stellt Detlef Belter fest. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie etwa den Wänden einen frischen Anstrich verpasst, Blumenbeete neu bepflanzt und den Jugendraum mit gestaltet. 

„Ein Haus steht und fällt mit den Menschen, die darin arbeiten“, sagt Pfarrer Belter. Das Bonhoeffer-Haus ist ein Haus, das stets mit Leben gefüllt ist.

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