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Bönens Sportpark-Pläne in der Prüfschleife: Erst sind die Vereine gefragt, dann ist die Politik am Zug

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Von: Bernd Kröger

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Bis im „Sportpark am Zechentrum“ der Ball rollen kann, ist noch viel zu tun. 2024 soll Baustart sein, nächste Woche werden die Pläne mit den Vereinen besprochen.
Bis im „Sportpark am Zechenturm“ der Ball rollen kann, ist noch viel zu tun. 2024 soll Baustart sein, nächste Woche werden die Pläne mit den Vereinen besprochen. © Kröger

Nach dem SPD-Sportdialog stand Bönens millionenschweres Leuchtturmprojekt „Sportpark am Zechenturm“ nicht im besten Licht. Nun folgte die Klarstellung.

Bönen – „Wie steht’s denn um die Planungen für den „Sportpark am Zechenturm?“ Das hat der WA Bürgermeister Stephan Rotering gefragt, nachdem die Konferenz der SPD-Fraktion mit den Sportvereinen Irritationen ausgelöst hatte. Die Verwaltung reagierte ihrerseits am Donnerstagabend mit einer Klarstellung im Haupt- und Finanzausschuss.

Irritationen nach SPD-Veranstaltung

Wie berichtet gab die SPD den Vereinsvorständen am Montag ein Forum für ihren Unmut über die Verwaltung etwa im Umgang mit den kürzlich beschlossenen Energiesparmaßnahmen. Dabei gingen die Genossen selbst mit dem Rathaus ins Gericht mit dem Vorwurf mangelnder Kommunikation – obwohl die fraglichen Sparmaßnahmen zuerst mit den Vereinen erörtert und dann in den Ausschüssen und mit dem Rat diskutiert und beschlossen wurden wie zuvor den Vereinen erläutert.

Aber zum Sportpark: Ratsherr Thomas Köster hatte in der Runde darauf verwiesen, dass kommenden Dienstag ein Gespräch der Verwaltung mit der Spielvereinigung und der IG Bönen als künftige Nutzer anstehe. Er habe dem negativen Tenor der Runde etwas entgegensetzen wollen, weil es an anderer Stelle ja auch vorangehe, erklärte er im Nachgang. So auch mit dem Verweis auf die Platzsanierung in Nordbögge (Infokasten). Das kam aber rüber, als habe Köster aus den Nähkästchen geplaudert über Abstriche beim Sportpark.

Sanierung beim VfK Nordbögge

Gute Nachricht für den VfK Nordbögge: Die Erneuerung des Kunstrasenplatzes ist beauftragt. Weil die Temperaturen passen müssen, werden die Arbeiten im kommenden Frühjahr ausgeführt, wie Robert Eisler, Fachbereichsleiter Bauen, mitteilte. Die Gemeinde investiert hier 410 000 Euro und bekommt dafür einen klimaneutralen Kunstrasen. Das Material werde CO2 -frei hergestellt und Sand als Füllmaterial verwendet. Die Problematik von frei werdendem Mikroplastik bestehe hier nicht mehr. Bürgermeister Rotering kündigte an, im Zuge dieser Sanierung auch die Verbesserung der Beleuchtung in Angriff nehmen zu wollen, weil das sinnvoll sei. Dafür soll in dem für Dezember angekündigten Etatentwurf noch eine Summe ausgewiesen werden.

Statt der ehedem geplanten zwei Kunstrasenplätze werde nun ein Kunstrasen- und ein Echtrasenfeld favorisiert, sagte er. Das ist korrekt, wie Stephan Rotering nun ausführte und in seinen Augen auch nicht ehrenrührig. Nach dem Zusammenbruch des Top-Teams der IG Bönen – nach dem Aufstieg in die Westfalenliga im Mai war wenig später der Geldgeber weggebrochen – „ist doch absehbar, dass die IG Bönen für längere Zeit nicht in höheren Sphären spielen wird“, sagte der Bürgermeister. Die damit verbundenen höheren Anforderungen an die Sportstätte entfielen. „Da ist es doch legitim zu prüfen, ob ein Kunstrasen- und ein Rasenplatz genügen, weil wir die Kosten im Blick haben müssen.“

Ursprüngliche Kalkulation überholt

Angesichts von Baukostensteigerungen um 20 oder 30 Prozent seit der ersten Kalkulation mit 5,4 Millionen Euro wurde mehrfach angesprochen, dass der Sportpark im damaligen Zuschnitt zu diesem Kurs nicht mehr zu haben ist. Schon nach der lange ersehnten Bewilligung der Bundesförderung im April hatte die Verwaltung die beiden Vereine an den Tisch geholt, um darüber zu reden, an welchen Stellen durch gemeinsame Nutzung der Infrastruktur der Investitionsaufwand reduziert werden kann.

Das soll nun wieder geschehen, mit Blick auf das Vereinsheim samt Umkleiden und Gastronomie und den Spiel- und Trainingsbetrieb auf den Plätzen. Da geht der Blick auch zur Zahl der Jugendmannschaften, bei denen die Vereine schon kooperieren, weil der Nachwuchs weniger wird.

OFD schaut Gemeinde auf die Finger

Ob reell ist, was die Gemeinde an Plänen auflegt, wird vom Bund als Geldgeber über die Bauabteilung der Oberfinanzdirektion Münster geprüft. Nur in enger Abstimmung mit dieser Instanz dürften die weiteren Planungsschritte eingeleitet werden. Das Planverfahren wird das gesamte kommende Jahr noch in Anspruch nehmen und nicht ohne Beteiligung der politischen Gremien erfolgen, wie Rotering betonte. „Ich will noch einmal klarstellen, dass wir hier nichts ohne die Politik entscheiden“, versicherte er später dem Ausschuss.

Baustart Anfang ´24 - Fertigstellung ´25 gesetzt

Dazu müssten nun aber zuerst die Vorstellungen der Vereine aufgenommen und die Kostenschätzungen aktualisiert werden, um den Fraktionen Belastbares vorzulegen. Von konkreten Vergaben sei das Projekt noch ein gutes Stück entfernt. Der Baubeginn am Zechenturm ist für das Frühjahr 2024 vorgesehen. Die Förderrichtlinien geben vor, dass die Anlage an der Wolfgang-Fräger-Straße Ende 2025 fertig sein muss. Der Verwaltungschef und sein Fachbereichsleiter Robert Eisler sind zuversichtlich, das auch hinzukommen.

Für die Betreuung des Sportparks wie der weiteren Vorhaben, etwa der Bau des Sportplatzes in Lenningsen, hat sich die Verwaltung übrigens fachlich verstärkt. Ein Landschaftsarchitekt mit Erfahrung im Sportplatzbau und kommunaler Verwaltung hat dafür bei der Gemeinde angeheuert.

Politischer Nachhall im Ausschuss

„Ich wüsste nicht, was es da zu beanstanden gibt“, stützte Detlef Pilz (CDU) bei der Nachlese im Ausschuss die Position der Verwaltung. Die finanziellen Zwänge seien bekannt, die Abstimmungen mit den Vereinen nun an der Reihe. „Wenn wir dann weiter laufend informiert werden, ist doch alles gut.“

Thomas Köster merkte dazu an, neben dem angesprochenen Planungsausschuss auch den Sportausschuss zu beteiligen. Der sei ein wichtiges Bindeglied.

Friedhelm Lange, Grünen-Sprecher und Sportausschussvorsitzender, verwies darauf, dass die scheinbar kritischen Punkte wiederholt in Gremien angesprochen wurde und war verwundert, dass die SPD sich quasi ahnungslos gebe bei dem Energiesparkonzept, das man gemeinsam beraten habe. „Man kann Augen und Ohren davor verschließen, was da erörtert worden ist, aber das ist nicht zielführend.“

Die SPD habe den Bürgern zuhören wollen, gab Deniz Werth zurück. „Und wenn die das Gefühl haben, nicht mitgenommen zu werden, sind wir in der Bringschuld“, sah sie es als Aufgabe an, sich um die Dinge zu kümmern.

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