Lippeverband saniert - Ruhrkohle zahlt

Damit Bönen nicht untergeht: 8,9 Millionen Euro für Sanierung des Pumpwerks Kleine Seseke

An der Speckenstraße entsteht dieses neue Schachtbauwerk für die Rohrleitung zum Hochwasserrückhaltebecken im Schatten des Förderturmes. Dadurch ist zeitweilig der Begegnungsverkehr in der Baustelle eingeschränkt. Nachfolgearbeiten berühren den Verkehr nicht.
+
An der Speckenstraße entsteht dieses neue Schachtbauwerk für die Rohrleitung zum Hochwasserrückhaltebecken im Schatten des Förderturmes. Dadurch ist zeitweilig der Begegnungsverkehr in der Baustelle eingeschränkt. Nachfolgende Arbeiten berühren den Verkehr nicht.

Eine stolze Summe für das kleinste benannte Gewässer der Gemeinde: 8,9 Millionen Euro kostet die Erneuerung des Pumpwerks Kleine Seseke. Aber das muss schließlich bis zum jüngsten Tag laufen:

Bönen – Am Rande der Gemeinde und weitgehend unbemerkt wird in Bönen für nichts Geringeres als die Ewigkeit gebaut. Nicht mit Prunk und Pracht, sondern pragmatisch und profan. Schließlich soll das Werk nicht Glanz ausstrahlen, sondern Bönen trockenhalten, auf alle Zeiten eben. So erfordern es die Spuren des Bergbaus in den Äckern und Wiesen im Schatten der ehemaligen Zeche. Ohne das Pumpwerk Kleine Seseke hieße es dort bald „Land unter“.

Seit 69 Jahren Technik gegen Bergsenkung

Seit 1952 hebt die Anlage an der Speckenstraße aus Bönens kleinstem Bach mit eigenem Namen das Wasser, weil es nach den natürlichen Gesetzen nicht mehr in die „richtige“ Seseke gleich nebenan fließen kann. Seit unter Tage die Kohlevorkommen abgebaut wurden, hat sich das Areal gesenkt und das natürliche Gefälle umgekehrt. Die zudem eingedeichte Seseke liegt höher, Wiesen und Äcker auf etwa 303 Hektar würden volllaufen, wenn über das Pumpwerk nicht das Wasser abgezogen würde, das aus Felddrainnagen, Oberflächen- und Deichentwässerung in der Senke zusammenläuft.

Hochwasserschutz hat ein Naturidyll geschaffen

Selbst dabei muss technisch nachgeholfen werden, seit der Mensch die Dinge durcheinander gebracht hat. Die Entwässerungsgräben nördlich der Seseke werden mit vier Dükern unter dem Bach hindurch in die gerade mal 800 Meter lange Kleinen Seseke geleitet. Die Pumpe befördert das Wasser in Rohren unter der Speckenstraße hindurch in das Hochwasserrückhaltebecken vor der Seseke. Das bietet 340 000 Kubikmeter Stauraum und hat sich seit der Fertigstellung 2012 immerhin als naturbelassenes Werk zum Biotop entwickelt. Es ist Rastplatz, Brut- und Nahrungsrevier für mindestens 90, teils seltener Vogelarten und lässt Pflanzen gedeihen, die anderenorts längst rar geworden sind.

Provisorische Pumpe für die Bauzeit

Aber zurück zur Technik: Das Baujahr lässt erahnen, was beim Pumpwerk fällig ist: Maschinen und Steuerung werden vom Lippeverband komplett erneuert. Kurz vorm Jahreswechsel wurde das Aggregat außer Betrieb genommen. Damit keiner nasse Füße kriegt, wurde zuvor eine provisorische Pumpe samt Rohrleitung installiert, wie Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin des Lippeverbandes, erläutert.

Vier Aggregate halten Umfeld trocken

Derzeit läuft im Pumpengebäude die Demontage der alten Anlage mit vier Pumpen, die zusammen 1580 Liter Wasser pro Sekunde bewegen konnten. Die neue Anlage schafft 1630 Liter/Sekunde, wenn’s darauf ankommt. Zwei Pumpen laufen je nach Wasserstand im Regelbetrieb und schicken Reinwasser durch das Rohr von 60 Zentimeter Durchmesser ins Becken. Die Aggregate Nr. 3 und Nr. 4 springen bei Hochwasser ein und leiten dies durch die größere Druckleitung (90/100 Zentimeter) ab.

Speckenstraße: Begegnungsverkehr eingeschränkt

Die Sanierungs- und Stahlbauarbeiten laufen und sind bis zum Frühjahr veranschlagt. Im April soll der Einbau der Pumpen erfolgen. Parallel wird an den neuen Schächten der Rohrleitung zum Rückhaltebecken gearbeitet. Das sind unter anderem die Bauarbeiten, die auf der Speckenstraße dafür sorgen, dass die Autofahrer, vor allem im regen Berufsverkehr, mal den Fuß vom Gas nehmen müssen. Durch die Engstelle der Baustelle geht’s halt nur im Wechsel und mit gegenseitiger Rücksicht. Ansonsten werde der Baustellenverkehr über den Schwarzen Weg geschickt.

Fertigstellung im Sommer 2022

Und zwar noch eine ganze Weile. Zum Sommer kommenden Jahres ist die Fertigstellung geplant. Dann kann auch das provisorische Pumpwerk abgebaut werden. Da ahnt man schon, dass dieses Werk kein Schnäppchen ist. Die Kosten beziffert der Lippeverband mit 8,9 Millionen Euro. Zahlen muss das die Ruhrkohle, schließlich geht es hier um die Bergbaulasten für alle Ewigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare