Mit wa.de durch das Bienenjahr

Zu Besuch beim Königinnen-Macher von Nordbögge

Ein Wabenrahmen aus dem Bienenstock. Hier werden die Eier abgelegt.
+
Ein Wabenrahmen aus dem Bienenstock. Hier werden die Eier abgelegt.

Was muss getan werden, um Honig aufs Brot streichen zu können? Für die Antwortr darauf begleiten die Bönener Imker durchs Bienenjahr.

Bönen – Bunt geht es zu in der Einflugschneise der beiden Honigbienen-Beuten im Garten von Torsten Nüsken. „Pollen haben unterschiedliche Farben. Es kommt auf die Blüte an“, erklärt der Imker zum Grün, Gelb und knalligem Rot an den Hinterbeinen der Insekten. Der Nordbögger Gastwirt und Imker nutzt den lange vermissten Sonnenschein, um ein neues Volk heranzuziehen.

Bloß nicht ins Schwärmen kommen lassen

„Dieses wechselnde Wetter, erst warm, dann wieder kalt, der Regen dazu. Das löst Schwarmverhalten aus“, erklärt Nüsken, warum er jetzt aktiv werden muss. „Ein Volk hat das Bestreben, sich zu verjüngen“, erklärt der 47-Jährige, „wenn neue Königinnen angelegt sind, verlässt die alte mit ungefähr einem Drittel des Volkes den Stock. Dabei futtern die auch ein Kilo Honig weg, um Energie zu tanken. Der fehlt mir dann.“ Die Frühjahrstracht, die erste Honigernte im Jahr, sei bei ihm in diesem sowieso schon magerer als in den vergangenen Jahren ausgefallen.

Neubeginn mit dem Volk im Karton

Die entfleuchten Bienen samt alter Königin siedeln neu, meist in der näheren Umgebung. „Dann muss ich sie wieder einfangen, will ich sie nicht verlieren.“ Haben die ausgesandten „Sucherbienen“ noch keine Baumhöhle, oder ähnliche Hohlräume gefunden, sei das nicht ganz so aufwendig. Die Insekten würden zum Beispiel als Traube am Ast hängen. Der Imker macht sie nass, so das sie nicht wegfliegen können. „Er schlägt sie ein, sagen wir. Dann halte ich eine Kiste drunter und schüttle sie ab.“ Die Bienen kommen wieder in den Stock, bilden dann ebenfalls ein neues Volk mit alter Königin.

Einfacher wäre es, die Völkervermehrung kontrolliert durchzuführen. Im Prinzip bedeutet das eine Umsiedlung in einen neuen Brutraum. Der Unterschied: Die Königin zieht in diesem Fall nicht mit um.

Immer ein Auge auf die nächste Königin

Nüsken hebt derweil den Honigraum, die Vorratskammer der Bienen vom Stock, zieht einzelne Wabenrahmen aus dem Brutraum. Er sucht solche, in deren Waben möglichst frisch Eier gelegt sind. „Die sollten maximal zwei Tage alt sein“, erklärt er, „es heißt ja nicht umsonst: Drei, Fünf, Acht, Königin gemacht.“ Und das eben gilt es zu verhindern. Mit dem Stockmeißel demonstriert er warum. Der Imker öffnet eine größere Zelle, „eine Spielzelle sagen wir.“ Drin hockt eine größere Larve, die in „Gelée Royal“ badet. Die werde zu einer Königin, erklärt Nüsken. „Und sobald die Zelle dann von den Arbeiterinnen gedeckelt wird, macht sich die alte Königin mit einem großen Teil des Volkes auf.“ Nüsken tötet die Larve, schließlich will er dieses Ausfliegen verhindern.

„Hier sieht man diese Stifte in der Mitte der Wabe“, zeigt Nüsken, was er dann gefunden hat. Das sind Bieneneier. Dieser Wabenrahmen kommt also in einen neuen Brutkasten, der nächste auch, schließlich ein dritter. Die Beute mit der alten Königin wird entsprechend um leere Wabenrahmen ergänzt.

Drei Kilometer Abstand zum alten Stock

Der Kasten mit den entnommenen Tieren und der Brut in unterschiedlichen Entwicklungsstadien kommt anschließend ins Auto. „Man muss die neue Beute schon drei Kilometer entfernt aufstellen, sonst kehren die Bienen in ihren alten Stock, ins gemachte Nest zurück“, erklärt der Nordbögger.

Eine Königin wird an der Duftnote erkannt. Die Arbeiterinnen merken, dass sie keine „Majestät“ mehr unter sich haben, ziehen im neuen Heim mehrere neue heran. Ein Teil der Brut bekommt dazu durchgehend den „Königinnensaft“, die restlichen Larven erhalten Pollen und Honig. „Dann dauert es so fünf, sechs Wochen, bis die Königin Eier legt.“

Die Majestäten kämpfen miteinander

Welche der Bienenkönigin zur Mutter des neuen Volkes wird, entscheidet der Imker, indem er die überzähligen entfernt oder die Natur entscheiden lässt. „Es gilt das Recht der Stärkeren, die kämpfen und stechen sich ab bis eine übrig bleibt.“ Bis das Volk die Stärke der Bestehenden erreicht, wird es Winter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare