Bönens ältestes Pony wird 40 Jahre alt

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Alle lieben Knubbel: Der vierjährige Ben Scheele, Besitzerin Alina Müller, Hannah und Knubbels frühere Besitzerin Ina Scheele kümmern sich gemeinsam um den kleinen Dickkopf.

Bönen – Genüsslich zupft Knubbel sich ein paar Halme von der Weide, schiebt sie im Maul von links nach rechts. Wirklich kauen kann die betagte Ponydame das Grünfutter nicht mehr – ihr Gebiss ist dafür inzwischen zu spärlich. Deshalb auf das Grasen verzichten will sie aber offensichtlich nicht. Vielleicht möchte sie den anderen Pferden auf der Anlage der Reitgemeinschaft Bönen-Hacheney zeigen, dass sie immer noch jung genug ist, vielleicht ist sie einfach nur stur. Im November wird das Shetland-Pony 40 Jahre alt und ist damit wahrscheinlich das älteste Pferd in Bönen.

Gleichzeitig ist Knubbel wohl das bekannteste Pony in der Gemeinde. „Die Hälfte der Bönener Kinder hat auf ihr reiten gelernt“, vermutet Carmen Rinkewitz. Sie kennt die Stute selbst seit vielen Jahren. Zum einen steht Knubbel in einem Stall mit ihren eigenen Pferden, zum anderen gehört sie dem zweiten „Kind“, das Carmen Rinkewitz als Tagesmutter betreut hat. Alina Müller, heute 25 Jahre alt, hat das Pony vor 18 Jahren von ihrer Großcousine Ina Scheele für einen symbolischen Kaufpreis von 100 D-Mark gekauft.

Wo genau Knubbel geboren wurde, ist nicht bekannt. Vermutet wird Hamm als Geburtsort. Überliefert ist nur, dass sie das Ergebnis eines leidenschaftlichen Ausbruchs ist. Ihr Vater soll über Zäune gesprungen sein, um zu ihrer Mutter zu gelangen. Irgendwann, als ganz junges Pony, kam sie dann nach Bönen. Die begeisterte Reiterin Gudrun Thiele brauchte damals ein Beistellpferd für ihr eigenes Tier.

Die Lehrerin wohnte in der Nähe der Hellwegschule, und auf einer Weide dort stand nun das putzige Pony. Nachbarkind Ina Scheele war von Anfang an von ihr begeistert. „Mit zwei Jahren habe ich zum ersten Mal auf Knubbel gesessen“, erzählt sie. Wann immer das Mädchen die Gelegenheit hatte, steckte sie dem kleine Pferd Leckerchen zu, verwöhnte sie mit Streicheleinheiten und half bei der Pflege. Damit war sie allerdings nicht alleine. „Sie stand ja in der Nähe der Schule, und die Kinder, die an ihr vorbeikamen, haben sie ständig gefüttert. Wahrscheinlich hat sie deshalb heute so schlechte Zähne“, vermutet Ina Scheelen jede Menge Zuckerstücke, die im Ponymagen landeten.

Reitschulpferdkarriere läuft nur mäßig

Nach dieser entspannten Jugend sollte Knubbel dann aber berufstätig werden und als Reitschulpferd in Rhynern Kindern das Reiten beibringen. Ina Scheelen musste sich schweren Herzens von ihr verabschieden.

Der neue Job behagte Knubbel jedoch offenbar gar nicht. „Sie hat alle Kinder abgeworfen“, weiß Ina Scheele. Der Reitverein wollte das Shetlandpony schließlich nicht mehr als Schulpferd haben. Als die Bönenerin davon erfuhr, kämpfte sie für Knubbel. Als damals 13-Jährige kaufte sie 1997 das Pony, obwohl sie schon viel zu groß war, um noch auf ihr zu reiten. Knubbel aber bekam ein neues Zuhause auf einer Reitanlage in Osterbönen und wurde von den Kindern dort heiß geliebt. Alle wollten auf ihr reiten, weil sie die Kleinste unter den Pferden im Stall war. „Dabei war sie ganz schön frech, sie hat zum Beispiel im Trab gefressen. Und sie war überhaupt nicht geduldig. Wer Knubbel reiten konnte, hat wirklich reiten gelernt“, sagt Ina Scheele.

Eine von diesen tapferen Reiterinnen war Alina Müller. Auch sie wagte sich bereits als Kleinkind auf Knubbels Rücken und kümmert sich hingebungsvoll um das eigensinnige Pony. Als Ina Scheele dann nach dem Abitur ins Ausland ging, übernahm sie die Stute. Die 100 D-Mark dafür spendierte Papa Wolfgang Müller. Er musste außerdem in den folgenden Jahren für die laufenden Kosten für Stall, Futter, Tierarzt und Co aufkommen.

Zwar sind Knubbels Zähne nicht mehr die besten, aber aufs Grasen will das Pony trotzdem nicht verzichten. 

Alina Müllers ehemalige Tagesmutter Carmen Rinkewitz, die auf dem Hof der RG Hacheney lebt, überredete die junge Bönenerin schließlich dazu, Knubbel nach Bramey umzusiedeln. Seit 2007 mischt die Ponydame dort nun munter den Betrieb und die Bewohner auf. Bis vor drei Jahren arbeitete sie mehr oder weniger willig als Schulpferd, jetzt ist sie in Rente. „Vergangenes Jahr hat sie sich noch einmal verliebt, in Manolito, einen Fuchs. Sie hat sich aufgeführt wie eine junge Stute“, schildert Carmen Rinkewitz und lacht.

Von allen umsorgt

Schön für Knubbel: In Bramey hat sie all ihre Lieben um sich versammelt, denn Ina Scheele, die nach einem Jahr aus der USA zurückkehrte, hat dort gleichfalls ein Pferd stehen. Rudi ist Knubbels direkter Boxennachbar. Und so kümmern sich Alina Müller, Ina Scheele und Carmen Rinkewitz gemeinsam um den kleinen Dickkopf. Zu den „Pflegern“ gehören zudem mittlerweile der vierjährige Ben und seine zwei Jahre jüngere Schwester Hannah, Ina Scheeles Kinder. Und natürlich sind auch die Tageskinder von Carmen Rinkewitz Feuer und Flamme für Knuddel. „Sie ist nicht lieb, aber liebenswert“, fasst die Tagesmutter zusammen. Knubbel hat eben ihren ganz eigenen Kopf.

Alle hoffen, dass die Pony-Dame trotz ihrer „Altersmalessen“ – sie leidet unter einer Stoffwechselstörung – noch ein paar schöne Jahre hat. Zum 40. Geburtstag am 2. November gibt es auf jeden Fall eine seniorengerechte Geburtstagstorte aus weichen Bananen.

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