Bönens Retter brauchen ein Zuhause: Standorte sind überaltert

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Außenstelle Bönen der Feuerwehr Kamen: Über eine Vereinbarung öffentlichen Rechts ist geregelt, dass die Stadt Kamen Fahrzeug und Personal für die ortsnahe Versorgung der Rettungswache an der Bachstraße stellt. Für die erforderliche Aufstockung mit einem zweiten Rettungswagen und einer Tagesschicht in Bereitschaft fehlt an dieser Adresse aber der Platz. Hier steigt Rettungssanitäter Andy Kahl gerade in den RTW.

Bönen – Wohin mit der Feuerwehr? Die endgültige Antwort darauf haben Verwaltung und Gemeinderat noch nicht gegeben, seit der Brandschutzbedarfsplan vor immerhin fast drei Jahren festgestellt hat, dass die Standorte der Freiwilligen Brandschützer in Bönen überaltert und nicht mehr standardgemäß sind. Nun sind die Verantwortlichen mit der nächsten Frage konfrontiert: Wohin mit der Rettungswache?

Denn der wenige Meter neben der Feuerwehr an der Bachstraße stationierte Rettungstransportwagen (RTW) genügt mit seiner Mannschaft nicht mehr, um die notfallmedizinische Versorgung in Bönen im vorgeschriebenen Umfang zu sichern. Für die Tagesbereitschaft muss ein zusätzliches Team von Notfallsanitätern mit einem zweiten Wagen stationiert werden. 

So sieht es die vierte Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans für den Kreis Unna vor. Der Kreistag hat das Papier samt der verpflichtenden Vorgaben in Kraft gesetzt. Anders als mit der Aufrüstung lassen sich in Bönen die gesetzlichen Hilfsfristen für Notrufe nicht im ausreichenden Maße einhalten. Binnen acht Minuten muss der RTW am Einsatzort sein, wenn der innerhalb der Siedlung liegt. Wenn es in die Bauerschaften geht, sind den Rettern maximal zwölf Minuten Anfahrt zugestanden. 

Notfallsanitäterin Irina Tomic und Rettungssanitäter Andy Kahl in ihrem RTW.

Rechnerisch ging das zuletzt auf. Die Auswertung der Fahrzeugbewegungen für die Bedarfsplanung brachte aber ans Licht, dass in der Siedlung der Erreichungsgrad nur 64,92 Prozent beträgt und „auf dem Land“ 85,86 Prozent. Als gesicherte notfallmedizinische Versorgung gilt eine Quote von 90 Prozent und möglichst mehr. 

Was also tun? Für die Verfasser des Bedarfsplans gibt es eine Lösung durch Verschiebung vorhandener Kapazitäten, wie sie an mehreren Orten geschieht: Ein Mehrzweckfahrzeug, das in Kamen auch für den Krankentransport rund um die Uhr mit Besatzung vorgehalten wird, soll in der Tagschicht von 7 bis 19 Uhr als Verstärkung nach Bönen verlegt und entsprechend aufgerüstet werden. 

Blick ins Innere der Wache: Notfallsanitäterin Irina Tomic und Rettungssanitäter Andy Kahl halten sich zwischen den Einsätzen im Aufenthaltsraum in Bereitschaft.

Das geht damit einher, Krankentransport und Rettungsdienst intern von einander zu trennen, um den Rettern Fahrzeuge und Personalkapazität zuzuschlagen. Schließlich gehen Neuanschaffungen und Personalkosten ins Geld. Für Bönen ist all dies über eine Kooperation mit dem Nachbarn Bergkamen und der Stadt Kamen als ausführende Kommune organisiert. Vorhalte- und Einsatzkosten sind Teil einer komplexen Gebührenrechnung mit dem Land, den Krankenkassen und anderen. 

Aus der Gemeindekasse ist aber immer die Immobilie für die Retter zu finanzieren. Da kommt auf Bönen unweigerlich etwas zu, weil die buchstäblich alte Rettungswache für die Aufstockung der Kapazitäten keinen Platz mehr bietet. Wohin also mit dem zweiten RTW? Vielfach üblich sind gemeinsame Standorte mit den Kameraden der Feuerwehr. Und so holt Bönen diese offene Frage aus 2017 wieder ein. 

Das Gerätehaus an der Poilstraße und die Garage an der Bachstraße gleich neben dem Bauhof hält der Gutachter für nicht zukunftsfähig. Der Standort in Osterbönen müsste saniert und um eine neue Fahrzeughalle erweitert werden. Die Räume an der Bachstraße genügten längst den Schutzvorgaben für Feuerwehrkräfte nicht mehr. Nur der Standort Nordbögge ist nicht beanstandet. 

Die in die Jahre gekommene Feuerwehrgarage liegt an der Bachstraße neben dem Bauhof. Der könnte verlegt werden, um Platz für eine Kombiwache zu schaffen.

Dass an der Bachstraße beispielsweise die persönliche Ausrüstung der Retter neben dem Fahrzeug am Haken hängt, um bei Alarmierungen eiligst übergeworfen zu werden, war die längste Zeit erlaubt. Der Arbeitsschutz verlangt eine Trennung in Schwarz- und Weißkaue. Dass ein Umkleiden neben dem laufenden Diesel auf Dauer ungesund ist, ahnt auch der Laie. 

Die Gemeinde hat deshalb vor Jahren schon das Szenario entworfen, anstelle des Bauhofes einen neuen zentralen Feuerwehrstandort zu schaffen, wie Robert Eisler, Fachbereichsleiter Bauen, in Erinnerung brachte. Und zwar anstelle des Bauhofes, der dabei seinerseits ein neues zeitgemäßes Domizil erhalten könne. Allerdings ordneten sich die Verantwortlichen damit den Sparzwängen der klammen Gemeinde unter. „Wir haben erste Gespräche, auch mit der Feuerwehrleitung, geführt“, berichtete Eisler. Dann sei die Corona-Problematik dazwischen gekommen. 

Für die Nachtschicht wird tagsüber das Bett für Ruhepausen gemacht.

Noch in diesem Jahr müssten die Pläne aber vorangetrieben und die Belange des Rettungsdienstes einbezogen werden. Das ist kaum damit in Einklang zu bringen, dass in den Vorgaben für den Rettungsdienst steht, die Verstärkung sei „schnellstmöglich“ zu installieren. 

Aber auch dazu hat das Rathaus eine Idee: Man will beim DRK anfragen, ob die als Ehrenamtliche im selben Metier an der DRK-Wache die Profis als Gäste aufnehmen, bis die richtige Antwort gefunden ist.

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