Raub am Geldautomaten

Mit einer miesen Masche bringt der Täter eine Bönenerin um 1000 Euro

Vorsicht beim Geldabheben am Automaten: Kriminelle versuchen dabei, Beute zu machen
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Beim Geldabheben sollten die Bönener derzeit besonders aufmerksam sei. Der oder die Täter beherrschen sein beziehungsweise ihr „Geschäft“ perfekt.

Bönen – Dass sie einmal Opfer eines Betruges werden könnte, hätte die Bönenerin nie gedacht. Schließlich ist sie normalerweise achtsam und informiert. Und doch wurde die Frau in der vergangenen Woche betrogen und beraubt. 1000 Euro Beute machte der Täter. Und der ging dabei äußerst professionell und kaltschnäuzig vor. Er ging seinem „Geschäft“ am helllichten Tag nach, mitten in der Gemeinde an der Bahnhofstraße.

Dort suchte sein Opfer am frühen Dienstagnachmittag die kleine SB-Filiale der Volksbank Bönen gegenüber der Alten Mühle auf, um Geld von ihrem Konto abzuheben. In dem Filialraum traf sie zunächst eine Bekannte und wechselte mir ihr ein paar Worte. Anschließend wandte sich die Bankkundin dem Geldautomaten zu. Ihre Bekannte „fungierte“ hingegen ungewollt als Türöffner, denn die Tür der Filiale öffnet sich nur, wenn jemand seine Volksbank-Karte in den Eingangsleser schiebt – oder jemand den Raum verlässt.

Die Bönenerin steckte indes ihre Bankkarte in den Automatenschlitz und gab die geforderte Pin (Persönliche Identifikationsnummer) ein. In diesem Moment stürmte ein Mann wild gestikulierend auf sie zu, versuchte, sie zur Seite zu schieben, und bedrängte sie. Im gebrochenen Deutsch schrie er sie an: „Das ist meine Karte!“

Abgelenkt vom Auftreten des Mannes

Die Frau erschrak, widersprach dem Unbekannten aber. Doch der beharrte auf seine Aussage, trommelte auf dem Geräte herum. Gleichzeitig zückte der eher kleine, gedrungene Mann ein bedrucktes Din-A-4-Blatt und wedelte damit vor dem Gesicht der Frau herum. Die war völlig irritiert. „Ich hatte auch Angst, als er so vor mir tobte“, erzählt sie. Als der Automat ihre Bankkarte wieder freigab, griff sie dennoch beherzt danach und steckte sie rasch weg. „Ich war froh, dass ich sie vor ihm bekommen habe.“ Dass eine Karte nur aus dem Gerät zurückkommt, wenn ein Vorgang abgebrochen oder abgeschlossen wurde, fiel ihr in diesem Moment nicht auf, so erschreckt war sie von dem Auftreten des Mannes.

Dem gab sie noch den Hinweis, dass er sich, wenn seine Karte vom Automaten eingezogen wurde, an die Mitarbeiter der Volksbank-Hauptstelle wenden sollte. „Ich habe ihm außerdem gezeigt, dass er dazu links die Bahnhofstraße herunter gehen müsste“, so die Bönenerin. Der Mann wandte sich stattdessen nach rechts – und verschwand.

Verstört von der Situation, aber froh, dass vermeintlich nichts passiert war, steckt die Frau ihre Bankkarte erneut in den Automaten und hob in gewohnter Weise 200 Euro ab. Erst drei Tage später, beim Lesen ihrer Kontoauszüge, stellte sie fest, was wirklich passiert war: Von ihrem Konto waren an dem Dienstag erst 1000 und danach die 200 Euro abgehoben worden, die sie auch in ihr Portemonnaie gesteckt hatte. „Der Mann hat mich abgelenkt und dann bei der Betragauswahl auf 1000 Euro gedrückt“, schildert sie. Das Geld habe der Täter unbemerkt eingesteckt.

Mit Maske in die Bank: Corona spielt den Tätern in die Karten

Die Bönenerin hat bei der Polizei Anzeige erstattet und sich an die Volksbank gewandt. Dort konnte sie sich das Überwachungsvideo von der Tat in der überschaubaren SB-Filiale ansehen. Die Bilder sind zwar gestochen scharf, doch der Mann trug eine Mütze und einen Mund-Nasen-Schutz. Sein Gesicht ist also kaum zu erkennen.

In diesem Fall spielt die Pandemie den Kriminellen in die Karten, weiß Oliver Drave vom Vorstand der Volksbank. „Wir sprechen über ‘Tuch hoch, Mütze runter’. Normalerweise sind Masken in der Bank tabu, nun aber hat der Gesetzgeber eine Maskenpflicht entschieden, und wir müssen uns überlegen, was das geringere Übel ist.“

Nach dem Raub auf ihre Kundin haben die Mitarbeiter des hiesigen Kreditinstitutes umgehend reagiert und die Schnellwahltasten für 800 und 1000 Euro gesperrt. So können über diese Funktion nur noch höchstens 500 Euro abgehoben werden. „Über die freie Eingabe können natürlich weiterhin höhere Beträge gewählt werden, aber wir wollten einfach die Zeit verlängern und verhindern, dass jemand mit einem Tastendruck an 1000 Euro kommt“, erklärt Oliver Drave.

Sofort auf „Abbruch“ drücken!

Die Bestohlene hat sich hingegen ein Abhebelimit bis zu 200 Euro einrichten lassen. „Wenn ich mal mehr Bargeld benötige, kann ich zuvor bei der Bank anrufen, dann wird der Maximalbetrag für zwei, drei Tage wieder erhöht“, berichtet sie. Die Frau glaubt nicht, dass sie das gestohlene Geld jemals wieder sieht. Die Volksbank will aber zumindest bei ihrer Versicherung nachfragen, ob diese für den Schaden einspringt. Sie prüft des Weiteren, ob sich an der Software der Automaten etwas ändern lässt, etwa, dass die Kunden zuerst der Betrag und danach die Pin eingegeben können. Das würde den Kriminellen das Leben schwerer machen. „So einfach umprogrammieren lässt sich das leider nicht. Aber wir gehen in den Dialog mit dem Rechenzentrum, und wenn das sinnvoll ist, dann werden wir es gerne ändern“, gibt Drave an.

In dem aktuellen Raubfall wurde das dem Täter offensichtlich körperlich unterlegene Opfer gewaltsam bedrängt. Doch auch bei geschickten Ablenkungsmanövern – und die Kriminellen sind da sehr kreativ – gibt es nur eine Möglichkeit: „Sobald beim Geldabheben etwas ungewöhnlich ist, sofort die ‘Abbruch-Taste’ drücken“, rät Drave eindringlich. Entpuppt sich die Situation als harmlos, ließe sich der Buchungsvorgang schließlich problemlos neu starten.

Die bestohlene Frau ist noch immer schockiert. „Ich schäme mich, dass ich darauf reingefallen bin.“ Dennoch ist es ihr wichtig, an die Öffentlichkeit zu gehen, um andere Menschen zu warnen. Der Fall in Bönen ist schließlich kein einzelner. Er gleicht unter anderem zwei weiteren Taten, die sich vor Kurzem in Bankfilialen der Volksbank Kamen-Werne in Kamen ereignet haben. Wer etwas beobachtet hat oder Hinweise zu den Taten geben kann, soll sich an die Polizei in Kamen unter der Rufnummer 0 23 07/9 2132 20 oder 92 10 wenden.

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