Heike Kleineweischede führte 24 Jahre Kita-Leitungsausschuss des Kirchenkreises

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Bönen – Wer 24 Jahre ein Ehrenamt ausübt, erlebt einiges: Viel Gutes, aber ebenso Trauriges und Schwieriges, wie Heike Kleineweischede sagt. Bei ihr habe auf jeden Fall das Gute überwogen. Seit 1996 war die Fliericherin Mitglied des Kreissynodalvorstandes des Kirchenkreises Hamm, später übernahm sie den Vorsitz des Leitungsausschusses für Kindertageseinrichtungen. In dieser Zeit hat sie viel auf den Weg gebracht. Jetzt wurde die 66-Jährige in einem Gottesdienst in der Jugendkirche in Hamm feierlich verabschiedet.

„Ich denke, wenn man 24 Jahre in einer Position gearbeitet hat, dann ist das gerade im Ehrenamt eine sehr lange Zeit. Jetzt ist es wichtig, dass junge Leute kommen, die neue Ideen mit hineinbringen“, stellt Heike Kleineweischede fest. Ehrenamtlich in der Kirche engagiert hat sie sich dabei sogar noch viel länger. Bereits als Jugendliche half sie bei den Kindergottesdiensten und engagierte sich in der Jugendarbeit. Als junge Mutter wurde sie 1984 in das Presbyterium der Kirchengemeinde Flierich gewählt. „Darüber bin ich in die Synode gekommen“, erzählt sie. 1996 wurde Heike Kleineweischede dann gefragt, ob sie nicht für den Kreissynodalvorstand kandidieren möchten. Während sie an einen Stellvertreterposten zum langsamen Hineinwachsen dachte, sollte sie jedoch gleich richtig durchstarten und in den Vorstand gehen.

Im gleichen Jahr bekam ihre Heimatgemeinde mit der Evangelischen Kindertageseinrichtung Alter Bahnhof Lenningsen eine eigene Kita. „Du bist die Jüngste, du hast noch relativ kleine Kinder, mach du das doch“, sahen die Presbyteriumsmitglieder damals sofort, wer sich sinnvollerweise um die Belange der neuen Einrichtung kümmern sollte: Heike Kleineweischede. „Ich bin zur Fachberaterin gegangen, habe Seminare besucht und bin durch die verschiedenen Kitas gewandert“, erzählt sie. 1998 wechselte sie in den Kita-Ausschuss des Kirchenkreises. Als drei Jahre später der Zusammenschluss der Kirchengemeinden Flierich und Bönen anstand, übernahm die Bautechnikerin den Vorsitz im Kita-Ausschuss.

Ein neues Kinderbildungsgesetz (Kibiz) erforderte 2008 schließlich auch im Kirchenkreis neues Denken. Der damalige Superintendent Rüdiger Schuch regte an, einen Trägerverbund zu gründen, dem sich alle 39 Kitas im Kirchenkreis anschließen konnten. So ein Verbund benötigt selbstverständlich einen Ausschuss und dieses Gremium wiederum eine Vorsitzende. „Du hast die meiste Erfahrung. Mach du das“, fanden die Verantwortlichen mit Heike Kleineweischede die passende Besetzung für den Posten. „Und so habe ich zwölf Jahre lang den Ausschuss mit Freude geleitet“, sagt sie heute.

Zusammenhalt schaffen

Anfangs mussten die Fliericherin und ihre Mitstreiter viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Kitas für den Verbund zu gewinnen. „Die Kirchengemeinden taten sich schwer damit, ihre Kitas abzugeben“, erinnert sich Heike Kleineweischede. „Wir mussten ihnen erst klar machen, dass wir sie mitdenken und mitarbeiten lassen.“ Im ersten Jahr schlossen sich sieben Einrichtungen dem Verbund an, im zweiten folgten 13 weitere und im dritten gehörten schließlich alle 39 Kitas im Kirchenkreis dazu. Das war einmalig in der gesamten Landeskirche.

„Wir haben uns überlegt, wie wir Zusammenhalt schaffen können“, so Heike Kleineweischede. Eine ihrer Ideen war ganz einfach: „Jeder Mitarbeiter hat von uns eine Geburtstagskarte bekommen. Bei 570 Mitarbeitern plus den Mitarbeitern aus der Verwaltung habe ich also jedes Jahr rund 600 Karten verschickt“, schildert sie.

Die „kleine“ Geste machte nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit aus. „Ich habe die Kitas alle besucht, ein Leitungsausschuss braucht schließlich ein Gesicht“, sagt die Ehrenamtlerin. Sie hat Briefe geschrieben, um die Einrichtungen über alles Wichtige zu informieren, Weihnachtspost versendet und war bei Feiern, Jubiläen, Einweihungen und vielen weiteren Anlässen zu Gast in den Kitas. Dazu kamen pro Jahr etwa zehn bis zwölf Sitzungen mit dem Gremium, der Geschäftsführung und der Verwaltung, die sie leiten musste. „Ich hatte Glück und konnte mir das zeitlich gut einteilen“, erklärt Heike Kleineweischede. Immerhin war sie bis vor drei Jahren noch berufstätig als Bau- und Vermessungstechnikerin beim Kreis Unna. „Da habe ich etwas völlig anderes gemacht, als in der ehrenamtlichen Arbeit. Und das war gerade das Schöne daran. Ich habe dadurch so viele verschiedene Menschen kennengelernt, so viele interessante Gespräche geführt. Ich habe die Arbeit wirklich mit Freude gemacht“, ist sie dankbar für alles, was ihr das Engagement zurückgegeben hat.

Teamplayer statt Einzelkämpferin

Dafür war sie sich allerdings stets der Verantwortung bewusst. „Es hingen ja viele Menschen daran. Mir war klar, dass ich immer zur Stelle sein muss, wenn Not am Mann ist.“ Zum Glück habe sie sich damit nie allein gefühlt, nie als Einzelkämpferin, sondern immer als „Teamplayer“, wie Heike Kleineweischede sagt.

Der Trägerverbund, den sie mit auf den Weg gebracht und so lange begleitet hat, ist heute sehr gut angesehen, die Kirchengemeinden wissen ihn zu schätzen. Die Fliericherin gibt den Vorsitz des Leitungsgremiums nun gerne in anderen Hände, nämlich in die von Ute Brüggemann aus Lenningsen. „Es wird anders weitergehen, aber es wird weitergehen. Und das ist gut und richtig“, sagt die 66-Jährige. Sie selbst will sich künftig hauptsächlich um ihre Familie kümmern, die ihr in den vergangenen Jahrzehnten immer den Rücken freigehalten hat, wenn sie ehrenamtlich eingespannt war. Und dann ist da natürlich noch der Heimatverein Kerspell Fle-ik, den Heike Kleineweischede seit vielen Jahren bestimmt mit ebenso viel Herzblut leitet wie den Kita-Leitungsausschuss.

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