Bönenerin betreibt Handwerk mit Suchtpotenzial

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Mit einem Lampenschirm fing alles an. Heute bietet die Bönenerin solche Unikate auf Kunsthandwerks- und Weihnachtsmärkten an.

Bönen - Eigentlich sollte es nur einer neuer Lampenschirm sein, daraus geworden ist weit mehr als ein Hobby. Filzen ist für Sandra Hillebrecht-Hilbk nämlich eine Leidenschaft – und inzwischen sogar ein kleines Geschäft.

Industriefilz lässt kein Licht durch – und deshalb gefielen der Bönenerin all die Lampenschirme nicht, die sie in den Geschäften entdeckte. „Dann versuche ich es halt selbst“, überlegte sie sich vor rund vier Jahren. Vom Filzen hatte sie damals überhaupt keine Ahnung, wie sie zugibt. 

„Der Anfang war dann auch tatsächlich eine Katastrophe.“ Die erste Wolle bekam sie von ihrem Chef, der in seinem Betrieb Heidschnucken hält. Deren Wolle ist allerdings überhaupt nicht für das Filzen geeignet, was die motivierte Anfängerin damals nicht wusste. „Ich stand in einem riesigen Seifenberg und habe stundenlang die Wolle geknetet – ohne Erfolg“, berichtet Sandra Hillebrecht-Hilbk und lacht. 

Entmutigen ließ sie sich von diesem Misserfolg nicht. Sie versuchte es immer wieder, holte sich Rat aus Büchern und dem Internet. Das Lampenprojekt verfolgte sie zielstrebig, bis sie schließlich das gewünschte Objekt geschaffen hatte. Und das Unikat gefiel dann nicht nur ihr. 

Wolle von vom Aussterben bedrohten Schafen

Familienangehörige, Freunde und Bekannte bestaunten das Werk und wollten auch so einen Lampenschirm haben. Sandra Hillebrecht-Hilbk ließ sich nicht lange bitten. „Filzen hat ein hohes Suchtpotenzial, man hört einfach nicht mehr auf damit“, sagt sie. Ihr gefällt vor allem das Arbeiten mit den Händen und das Kreative dran. „Der Fantasie sind einfach keine Grenzen gesetzt. 

Die witzigen Kuschelkissen und Katzenhöhlen aus Schafswolle sind ziemlich gefragt.

Man kann Figuren filzen, Kleidung, Kissen, alle möglichen Dekoartikel. Und es gibt so viele verschiedenen Materialien – ich bin noch lange nicht am Ende, von dem, was ich noch machen möchte.“ Hauptsächlich bezieht die 49-Jährigen ihre Wolle zurzeit von einem Hof in Hamm-Uentrop, auf dem alte, vom Aussterben bedrohte Schafrassen gezüchtet werden. 

„Ich war sogar schon einmal bei der Schafschur dabei. Das war großartig“, schwärmt die Bönenerin. Alle anderen Schritte macht sie selbst: Die Wolle muss sortiert, gewaschen und dann gepickt, also auseinandergezogen werden. Dann wird sie kardiert, gekämmt, bevor es an das eigentliche Nassfilzen mit Seifenlauge geht. Mittlerweile hat Sandra Hillebrecht-Hilbk aufgerüstet und einige Geräte, wie eine Kadiermaschine und einen Wollpicker angeschafft. 

Von der heimischen Küche ist sie längst in den Schuppen gezogen, in dem sie sich eine richtige Werkstatt eingerichtet hat. „Mein Mann konnte das Chaos nicht mehr ertragen, dass mich umgeben hat“, scherzt sie. Immerhin hat sie aber auch etliche Aufträge zu erfüllen, die Nachfrage an ihren originellen Arbeiten ist enorm gestiegen. 

Stand bei der "Schattenwirtschaft"

Sandra Hillebrecht-Hilbk hat deshalb ein Kleingewerbe unter dem Namen „Filzfussel“ angemeldet und besucht pro Jahr etwa fünf bis sechs Kunsthandwerks- und Weihnachtsmärkte. Dort finden ihre originellen Katzenhöhle, Hausschuhe, Sitzfelle und kuschelige Kissen und natürlich Lampenschirme guten Absatz. Besonders freut sie sich auf das „Heimspiel“ bei der Schattenwirtschaft am 7. Dezember im Zechenturm. 

„Das ist immer sehr nett dort, und ich mag die Atmosphäre im Zechenturm.“ Dreimal war sie bereits unter den Ausstellern, und bei der jüngsten Ausgabe des Kreativmarktes im April wurde sie für ihr schönes Lichtkonzept am Stand sogar zur „Schattenwirtin“ gekürt. Größer werden und vielleicht noch mehr Veranstaltungen besuchen möchte die Bönenerin aber nicht. 

„Ich kann nicht so viele Stücke herstellen, wie ich dann bräuchte“, stellt sie fest. Schließlich hat sie noch ihre Arbeitsstelle bei einer Bönener Spedition, ihre Familie und ihren Hund.

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