Bönenerin als Au-pair in Down Under

+
Karla Melsheimer aus Bönen kümmerte sich um Jack und seinen jüngeren Bruder Oliver in ihrer Gastfamilie in Australien.

Bönen - Die Bönenerin Karla Melsheimer verbrachte nach ihrem Abi fünf Monate als Au-pair in Darwin, Australien. Sie erzählt von ihren Aufgaben als Au-pair und von ihren Reisen durch Australien.

Das Abi ist endlich geschafft, aber was folgt darauf? Oftmals ist es eine Ausbildung oder ein Studium. Für die Bönenerin Karla Melsheimer war das aber keine Option – sie verbrachte stattdessen fünf Monate als Au- pair in Darwin in Australien. „Schon vor zwei bis drei Jahren habe ich mich damit beschäftigt“, erzählt sie. Im Januar ging es dann endlich los. Zunächst an die Westküste nach Sydney, wo die Bönenerin ihren Reisemonat mit einem Besuch der „Harbour Bridge“ und des „Opera House“ begann. Weiter ging es mit einer dreitägigen Campingtour auf Fraser Island und weiteren Stopps hoch bis nach Cairns.

Nach einer Woche schon drei Tage allein mit dem Kind

„Ab Februar war ich dann fünf Monate lang in meiner Gastfamilie in Darwin“, berichtet Karla Melsheimer. Angekommen in Nordaustralien lernte sie ihre alleinerziehende Gastmutter und den anderthalbjährigen Jack kennen. Um ihn kümmerte sich die Bönenerin nach nur einer Woche schon drei Tage und Nächte allein, denn die Gastmutter war im Krankenhaus – ihr zweiter Sohn Oliver wurde geboren.

Zu ihm baute Karla Melsheimer ein besonders enges Verhältnis auf, wie sie schildert: „Jack war meistens in der Kita, deshalb habe ich die meiste Zeit mit Oliver verbracht.“ Dazu gehörte manchmal auch, nachts alle zwei Stunden aufzustehen und das Baby zu füttern und wieder zum Einschlafen zu bringen – nicht immer ganz problemlos: „Wenn ich selbst dann nach einer halben Stunde eingeschlafen war, ist er schon fast wieder wach geworden und ich musste nochmal aufstehen.“


Außerdem hat sie die zahlreichen Entwicklungsschritte und Meilensteine miterlebt. „Da war das erste Mal Baden, der erste Brei und das erste Lachen von Oliver“, schwärmt sie. Mit ihren beiden Gastkindern hat sie ansonsten sehr viel Zeit draußen verbracht, Spiele gespielt sowie gekocht und gebacken. „Sie geben einem voll viel Liebe“, gleicht die Bönenerin den anstrengenden Teil ihrer Arbeit aus. „Es ist eine Herausforderung mit zwei Kleinkindern.“

Babysitten in sieben Familien

Neben den sechs bis sieben Stunden, die sie in ihrer Gastfamilie arbeitete, babysittete sie sogar in bis zu sieben weiteren Familien. So konnte sie sich noch etwas Geld dazu verdienen, hatte aber dementsprechend weniger Freizeit und mehr Stress. „Klar gab es dann manchmal schlechte Tage, aber ich habe nie gedacht, dass ich hier weg will“, stellt sie klar.

Geholfen hat dabei das gute Verhältnis zu ihrer Gastmutter sowie die anderen Au Pairs, mit denen sie sich dort angefreundet hat. Immerhin sind die in derselben Situation und teilen die gleichen Probleme miteinander. Nicht nur das schweißt zusammen, sondern auch die gemeinsamen Ausflüge und Reisen – das Geld dafür hatte Karla Melsheimer sich ja zuvor erarbeitet: „Dann konnte ich die restliche Zeit richtig genießen.“

Ein Ausflug nach Bali

Das tat sie unter anderem auf einer Tour im April, die sie mit einem Camper gemacht hat. Auf der „Great Ocean Road“ von Adelaide bis nach Melbourne gab es die „Gibson Steps“ oder die „Erskine Falls“ zu sehen. Das war jedoch nicht der einzige Ausflug, denn es ging für Karla Melsheimer sogar noch nach Bali: „Darwin liegt ja ganz im Norden von Australien, der Flug dauerte also nicht so lang.“ Im Gegensatz zu den Flügen innerhalb von Australien, die schon mal vier bis fünf Stunden dauern.

Anders ist es aber gar nicht möglich, andere Orte in Aus-tralien zu besuchen: Die Westküste ist zwar am stärksten besiedelt, dennoch sind die Distanzen einfach zu weit.

„Von Darwin aus kann man eigentlich so gut wie nirgendwo mit dem Auto hinfahren. Man würde immer im Outback enden“, berichtet Karla Melsheimer. „Es gibt in der Nähe aber sehr viele Nationalparks und die Natur ist so schön. Außerdem leben die Aboriginies nur noch hier im Norden“. Wobei auch dort die Integration nicht erfolgreich ist: Die Ureinwohner leben zwar in den Städten, jedoch in ihren eigenen Kommunen mit getrennten Schulen.

„Die Australier sind viel freundlicher - und unpünktlicher."

Ansonsten findet die Bönenerin, dass die kulturellen Unterschiede zu Deutschland nicht so groß sind, wie vorher gedacht. Ein oder zwei Ausnahmen macht Karla Melsheimer aber doch : „Die Aus-tralier sind viel entspannter, lockerer und freundlicher – und unpünktlicher.“ Und: „Die haben da nur Toast. Ich habe ein gutes deutsches Körnerbrot wirklich vermisst.“ Gelohnt hat sich die Erfahrung für die Bönenerin definitiv: „Ich bereue nichts. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung für mich.“ Auch weil es sie nicht nur persönlich weiter gebracht hat. Das Englisch hat sich verbessert und die Arbeit hat Karla Melsheimer in ihren beruflichen Absichten bestätigt: „Ich wollte schon vorher mit Kindern zusammen arbeiten und die Zeit als Au-pair hat mich noch weiter bestärkt.“

Die Bönenerin möchte Sonderpädagogik studieren und hat weitere Pläne für die nähere Zukunft: Sie möchte möglichst bald ihre Gastfamilie besuchen und Australien dann noch besser kennenlernen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare