Bönener ziehen Bilanz

Das war mein persönliches Jahr 2020

Ein Kalender 2020 im Abfallkorb
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Kann das weg? Ja! 2020 war für viele neben einigen schönen Momenten insgesamt ein Jahr für die Tonne.

Bönen - Coronavirus, Maskenpflicht, Lockdown - 2020 war ein ganz besonderes Jahr, das uns alle besonders gefordert hat. Dennoch hat jeder Mensch dieses Jahr anders erlebt. Einen persönlichen Blick zurück auf ein ganz besonderes Jahr zu werfen, darum haben wir ganz unterschiedliche Bönener gebeten.

Josephine Klein, Abiturientin 2020: Ich hatte so viele Pläne für 2020: Reisen, kleine Jobs, Demos, Konzerte und so weiter. Diese Pläne wurden leider von einer „kleinen großen” Pandemie vereitelt. Anfangs nahmen meine Mitschüler und ich das Virus und die Maßnahmen nicht sehr ernst, da es sich so anfühlte, als wäre es weit weg. Nach meinem 18. Geburtstag im März wurde es jedoch schlagartig immer ernster. Keine Mottowoche. Online-Abiturvorbereitung. Keine Abschlussfahrt. Kein Tattoo. Verschobene Abiturprüfungen. Kein Abiball. Kein Urlaub…

Josephine Klein hat unter Corona-Bedingungen ihr Abitur gemacht.

Es war für viele von uns sehr schwierig, sich – während die ganze Welt verrückt spielte und sich änderte – auf das Lernen für das Abitur zu konzentrieren. Auch nach dem Abitur war alles anders als geplant. Ich nutzte die Zeit und machte alles, was erlaubt war und für das ich vorher keine Zeit hatte: Reiten, Zeichnen, Malen, Singen, Yoga, Stricken, Kochen – und vor allem, ich hatte mehr Zeit für die Familie. Alles entschleunigte sich. Statt eines Studiums begann ich eine Ausbildung und änderte meinen kompletten Lebensplan.

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal den Geburtstag meines Opas über den Balkon gefeiert, meine Freunde seit Monaten nicht umarmt, Online-Unterricht gehabt, acht Stunden mit Maske gearbeitet, noch nicht alle Gesichter meiner Mitschüler gesehen, Angst zu husten und jemanden anzustecken gehabt und gemerkt, dass auch die Regierung manchmal überfordert ist.

Dieses schwierige Jahr wird in die Geschichte eingehen. Und obwohl dieses Jahr so turbulent war, möchte ich es nicht missen, da es mich als Mensch wachsen ließ. Das kommende Jahr sehe ich als Herausforderung für uns alle.

Detlef Belter, evangelischer Pfarrer: Für mich hat das Jahr sehr wechselhaft angefangen. Wir haben auf die Pandemie in China geblickt und gedacht, das ist ja ganz weit weg. Dann war der Virus auch ganz schnell bei uns – mit weitreichenden Folgen für meine tägliche Arbeit. Erst hatte ich das Gefühl, jetzt geht gar nichts mehr.

Der evangelische Pastor Detlef Belter sieht viel Hilfsbereitschaft in Zeiten von Corona.

Dann war ich überrascht über die positiven Aspekte – wie viele kreative Ideen plötzlich im ersten Lockdown entwickelt wurden. Es war toll, wie viele Menschen sich gemeldet haben, um anderen zu helfen, etwa bei den Einkäufen. Ich glaube, an vielen Stellen ist ein neues Miteinander entstanden. Die meisten sehen auch ein, dass wir uns zur Zeit eben einschränken müssen. Sie akzeptieren die Maßnahmen und tragen das gemeinsam und solidarisch.

Wenn ich allerdings in diesen Tagen die Bilder aus Winterberg und den österreichischen Skigebieten sehe, wo sich die Menschen drängeln, das ärgert mich sehr. Was ist da bei den Leuten nicht angekommen?

Martin Schulte, Bestatter: Rückblickend finde ich es besonders schade, dass die geplanten privaten Feiern 2020 wie runde Geburtstage im Freundeskreis nur in kleiner Form oder gar nicht stattfinden konnten. Besonders negativ ist mit aufgestoßen, dass Corona viele Denunzianten hervorgerufen hat. Die hatten bei Beerdigungen dann nichts Besseres zu tun, als sich zu beschweren über trauernde Angehörige, die sich augenscheinlich verbotenerweise zum Trost in den Arm nahmen, obwohl sie zum berechtigten Angehörigenkreis gehörten.

Bestatter Martin Schulte ärgert sich über Denunzianten.

Aber es gab auch Positives: Sehr schön war in diesem Corona-Jahr, dass viele Menschen so viele kleine hilfreiche Gesten entwickelt haben, um einfach für andere da zu sein, und wie selbstverständlich Hilfeleistungen jeglicher Art erbracht haben.

Timo Rinkewitz, Sprecher der Bönener Feuerwehr: Privat haben mich die Einschränkungen nicht negativ beeinflusst, Glücklicherweise konnte ich auch das ganze Jahr normal durcharbeiten und war nicht von Kurzarbeit betroffen.

Feuerwehrsprecher Timo Rinkewitz bedauert, dass 2020 keine Jugendarbeit stattfinden konnte.

Natürlich war es besonders zur Weihnachtszeit schade, keine Weihnachtsmärkte und gemütliche Abende mit Freunden erleben zu können. Gerade der Weihnachtsmarkt in Nordbögge ist sonst eine Gelegenheit, die Kameraden zu treffen. Die Einschränkungen bei der Arbeit in der Feuerwehr waren schon spürbar. Es war seltsam, keine Jugendarbeit durchführen zu können. Das traditionelle Zeltlager mit unseren Freunden aus Mengershausen mussten wir absagen.

Matthias P., Intensivpfleger in einem Krankenhaus im Kreis Unna: Etwas Positives hat die Pandemie immerhin: Sie entschleunigt das Leben. Da hört es dann aber auch schon auf mit den positiven Aspekten. Privatleben findet kaum statt, das Vereinsleben in Bönen ist komplett runtergefahren, die Schützenfeste mussten ausfallen. Das ist echt schade, aber da müssen wir halt durch.

Auf der Intensivstation haben wir in dieser Zeit super viel zu tun. Ärzte und Pflegekräfte sind absolut überlastet. Aber das ist ein längerfristiges Problem, das durch Corona noch einmal weiter verstärkt wird. Den Patienten, die wir auf unserer Station betreuen, geht es zum Teil sehr schlecht. Was mich deshalb richtig nervt, das ist die Corona-Leugnerei und Besserwisserei in den sozialen Netzwerken.

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