1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bönen

Politur statt Polizei: Renter will Unfallschaden selbst beseitigen

Erstellt:

Von: Jana Peuckert

Kommentare

Symbolbild
Obwohl der Verursacher und der Geschädigte sich geeinigt haben, landet der Fall vor dem Amtsgericht in Unna. © Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Mit einem Kollegen zusammen genehmigt sich ein 64 Jahre alter Rentner aus Bönen am 10. Mai ein paar Gläschen. Er kommt danach auf etwa 1,9 Promille Alkohol im Blut. Dann fällt ihm ein, dass er sein Motorrad zum Tüv bringen muss. Eine Idee, die jetzt ein juristisches Nachspiel hatte.

Bönen - Er will testen, ob das Gefährt überhaupt anspringt. In der Garage vor seinem Wohnhaus stellt der Mann fest, dass die Maschine keinen Mucks von sich gibt. Kurzerhand steigt er in seinen Wagen, fährt das Stück von der Parklücke zur Garage und leistet dem Motorrad Starthilfe. Als er das Auto wieder einparkt, touchiert er den Wagen seines Nachbarn.

Der 64-Jährige steigt aus und begutachtet die Anstoßstelle. Aus seiner Sicht handelt es sich um einen äußerst geringen Schaden. Statt die Polizei zu rufen oder dem Nachbarn Bescheid zu sagen, greift er zur Politur, um die Kratzer verschwinden zu lassen. Was er nicht weiß: Der Halter des Wagens bekommt einen Anruf von jemandem, der beobachtet hat, wie sich der Rentner am Auto zu schaffen macht. Der Nachbar geht auf den Balkon, ruft dem 64-Jährigen zu, er soll da bleiben.

Unbekannte rufen die Polizei

Der Rentner will keine Polizei rufen – mutmaßlich, aufgrund seines vorherigen Alkoholkonsums. Der Nachbar lässt sich darauf ein, und die beiden Männer einigen sich, dass der Mann dem Geschädigten 500 Euro in bar zahlt. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn während der Bönener bei der Bank das Geld besorgt, erscheint die Polizei plötzlich am Unfallort. Wer sie gerufen hat, ist unklar. Jedenfalls erfolgt eine Anzeige gegen den 64-Jährigen wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung durch Fahren unter Alkoholeinfluss und Unfallflucht.

Im Amtsgericht Unna steht der Beschuldigte dazu, gegen den Wagen seines Nachbarn gefahren zu sein. Wie er denn auf die Idee komme, will die Richterin wissen, den angestoßenen Wagen zu polieren. „Weil mir der Schaden so gering vorkam. Stecknadelkopf groß. Mir fiel nichts Besseres ein, und ich hatte die schwarze Politur“, erklärt er.

Sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch die Richterin sind sich am Ende einig, dass der Angeklagte weder die Straßenverkehrsgefährdung noch die Unfallflucht verwirklicht hatte. Verkehrsgefährdung deshalb nicht, weil es sich bei dem Parkplatz um ein Privatgelände handelt. Die Unfallflucht nicht, weil er den Ort lediglich deshalb verlassen hatte, um Geld zu holen. Danach war er sofort zurückgekehrt. Ergebnis: Freispruch.

Auch interessant

Kommentare