Frau lässt Kater verhungern: Bönener Vier-Pfötchen-Hilfe berichtet von Tierquälerei

+
Bis auf die Knochen abgemagert und völlig dehydriert war der Kater, als Sandra Lopez Cano ihn in ihre Obhut nahm.

Bönen - Verwahrloste Tiere, geschundene, kranke und verletzte Katzen – Sandra Lopez Cano von der Vier-Pfötchen-Hilfe in Bönen hat schon viel gesehen. Doch das, was die engagierte Tierschützerin aus Lenningsen jetzt erlebt hat, wird sie wohl nie mehr vergessen. In der vergangenen Woche wurde sie von Mitarbeitern des Kreis-Jugendamtes angerufen. Sie hatten in einer Wohnung eine bis auf die Knochen abgemagerte und völlig entkräftete Katze entdeckt. „Es war grauenvoll“, schildert die 30-Jährige den Zustand des Tieres.

Der Kater hat in einer Familie mit offenbar sehr schwierigen Lebensumständen gelebt. Das Jugendamt war darüber informiert und hat bereits vor längerer Zeit die Kinder aus der Familie geholt und in Pflegestellen gebracht. Die Eltern waren offenbar nicht in der Lage, sich um sie zu kümmern. Doch auch um die Katze hat sich niemand gesorgt. 

Als Jugendamtsmitarbeiter drei Wochen lang vergeblich versuchten, die Frau, die nunmehr allein in der Wohnung lebt, zu erreichen, beschloss eine Mitarbeiterin, sie aufzusuchen. Einer aufmerksamen Kollegin fiel dabei der rot getigerte Kater ein, der ihr bei vergangenen Besuchen bei der Familie aufgefallen war. Und so fragte die Mitarbeiterin dann vor Ort auch nach dem Tier. Sie fand ihn in einem erbärmlichen Zustand vor. 

Die Besitzerin gab an, dass der Kater seit drei Wochen weder gefressen noch getrunken hätte. Eigentlich müsste sie ihn einschläfern lassen, aber dazu fehle ihr das Geld. Die Jugendamtsmitarbeiterin alarmierte die Vier-Pfötchen-Hilfe, und Sandra Lopez Cano nahm den völlig apathischen Kater in ihre Obhut. 

Lesen Sie: Feuerwehr Bönen befreit Katze aus Mini-Spalt

„Er hat sofort getrunken, als ich ihm Wasser hingestellt habe“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Später hat er das in kleinen Portionen angebotene Futter verschlungen. Der Tierschützerin war spätestens da klar, dass der Kater nicht freiwillig oder krankheitsbedingt auf Futter und Wasser verzichtet hat. Ihm wurde wochenlang nichts gegeben, und aus der Wohnung kam er nicht. Die Frau hat das Tier verhungern lassen. 

Der ausgewachsene Kater wog nur noch 1,8 Kilogramm

Sandra Lopez Cano ist mit dem Notfall sofort zum Tierarzt gefahren. Der gab dem ausgetrockneten Kater eine Infusion und untersuchte ihn gründlich. „Es sah auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Die Organe schienen einigermaßen in Ordnung zu sein“, berichtet die Lenningserin. Auf die Waage brachte das Tier gerade einmal 1,8 Kilogramm. 

„Er war ein großer Kater und hätte etwa 4,5 bis fünf Kilo wiegen müssen“, weiß Sandra Lopez Cano. Der Kater konnte sich nicht aufrichten, ist nach wenigen Sekunden immer wieder zusammengesackt. Die Körpertemperatur konnte er ebenfalls nicht halten, die Retterin bettete ihn auf eine Wärmflasche. 

Nach und nach schien das Tier sich aber zu erholen, blieb etwas länger stehen, um seine Umgebung wahr zunehmen. Auch die Streicheleinheiten, die es nun bekam, schien es zu genießen. Zwei Tage später kam jedoch der Rückfall. Der Kater wurde wieder schwächer, teilnahmsloser und fraß nicht mehr. 

Sandra Lopez Cano brachte ihn erneut zum Tierarzt. Trotz weiterer Infusionen im Laufe des Tages besserte sich sein Zustand nicht. „Die Nieren waren stark vergrößert. Das wies auf eine Vergiftung hin“, erklärt sie. „Bei solchen Abmagerungsfällen entwickeln sich die Organe zurück. Durch das Futter und die Infusion waren sie dann überfordert“, kennt sie den Grund dafür. Ein Teufelskreis, denn ohne Nahrung und Flüssigkeit wäre der Kater innerhalb kürzester Zeit gestorben. 

Tierschutzvereine bieten Hilfe an

Die 30-Jährige hat noch versucht, in einer Duisburger Tierklinik Hilfe für den Kater zu bekommen, doch auch die Ärzte dort konnten nichts mehr für ihn tun. „Wir lassen ihn gehen“, hat Sandra Lopez Cano schließlich schweren Herzens beschlossen. So wurde der Kater eingeschläfert. 

„Wenn wir nur eine Woche vorher hätten eingreifen können, hätten wir ihn retten können“, ist sich die Tierschützerin sicher. Sie möchte mit ihrem Bericht über diese Tierquälerei die Menschen sensibilisieren. „Die Leute müssen aufmerksamer werden, und sehen, was direkt vor unserer Haustür passiert.“ 

Die Besitzerin des Katers hatte zum Beispiel eine erwachsene Tochter. „Freunde, Nachbarn, Familienangehörige – wer so etwas beobachtet, muss sich unbedingt melden“, appelliert sie an ihre Mitmenschen. 

Wer sich selbst nicht um ein Tier kümmern kann, könne sich jederzeit Hilfe bei den örtlichen Tierschutzorganisationen oder dem Tierheim holen. Die Vier-Pfötchen-Hilfe ist etwa für den Bereich Bönen zuständig. Unter der Notfallnummer 01522/4280960 bekommen Hilfesuchende umgehend Unterstützung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare