Bönener Versicherungsbüros

Hunderte Schadensmeldungen und eine hohe Nachfrage nach Elementarversicherungen

Sperrmüll an der Straße
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Bilanz nach dem Unwetter: Viele Keller mussten komplett leergeräumt werden. Nun ist ist die Frage, ersetzen die Versicherungen den Schaden?

Das Hochwasser in zahllosen Kellern hat den Bönener Versicherungsbüros im Nachgang eine Flut an Schadensmeldungen beschert. Nach den Erfahrungen der vergangenen Woche mit Extremwetter interessieren sich viele Bönener für eine Elementarversicherung.

Bönen – Jetzt muss im Einzelfall geklärt werden, ob Hochwasserschäden durch eine sogenannte Elementarschadenversicherung abgedeckt sind. WA-Redakteurin Kira Presch hat bei Bönener Versicherungsbüros nachgefragt.

Wie viele Schadensmeldungen sind bisher eingegangen?
Allein bis Donnerstag waren im LVM-Versicherungsbüro Eickelberg bereits über 100 Schadensmeldungen eingegangen. „Tatsächlich werden jetzt etwa 60 bis 90 Fälle bearbeitet, in denen ein Gutachter kommen muss oder Trocknungsgeräte aufgebaut werden müssen“, schätzt Mitarbeiterin Caroline Husarek. „Einige Fälle hatten sich nach der Lüftung des Kellers schon erledigt, eine professionelle Trocknung war nicht mehr nötig. Wenn dann kein Hausrat beschädigt wurde, dann konnte das schnell abgeschlossen werden.“
Auch Hans Firla vom Provinzial-Büro Dannapfel bestätigt, dass zunächst mehrere 100 Meldungen eingingen. „Darunter waren aber auch Schäden, die unterhalb der Selbstbeteiligung lagen oder nicht abgedeckt waren, weil keine Elementarversicherung vorlag.“ An die hundert Fälle würden derzeit bearbeitet. Insgesamt rechne die Provinzialversicherung derzeit mit einem dreistelligen Millionenbetrag, den sie für die Gebäudeschäden ihrer Klienten erstatten muss. Aber auch die anderen Versicherungen werden nach den massiven Schäden, die das Hochwasser hinterlassen hat, tief in die Tasche greifen müssen, schätzt Firla. Damit künftig bei ähnlichen Katastrophen nicht staatliche Hilfsfonds aufgelegt werden müssen, befürwortet Firla eine Pflichtversicherung für Elementarschäden. „In Bönen sind wir noch glimpflich davon gekommen.“ Dennoch: „Ein Elementarschaden ist bei einer Kellerflutung ganz schnell im fünfstelligen Bereich, wenn die Heizung und Elektrogeräte defekt sind und eine Trocknerfirma kommen muss.“
Wie hoch sind die Mehrkosten für eine Elementarversicherung?
Eine Elementarversicherung für Hausrat kostet je nach Vertrag und Selbstbeteiligung etwa 30 bis 40 Euro pro Jahr, für die Gebäudeversicherung ab 70 Euro pro Jahr“, so Firla.
Seine Kollegin Caroline Husarek von der LVM beziffert die zusätzlichen Kosten im Bereich Hausrat ab 20 Euro jährlich, für eine Wohngebäudeversicherung ab 50 Euro.
Wie viele Elementarversicherungen sind jetzt neu abgeschlossen worden?
Dass eine Elementarversicherung immer wichtiger werden könnte, wenn in Zukunft Extremwetter in immer kürzeren Abständen auftreten könnten, veranlasste viele Kunden, ihre Versicherung anzurufen und ihren Vertrag entsprechend zu ergänzen, bestätigen beide. „Bereits am Donnerstag stand das Telefon nicht mehr still und viele Kunden fragten nach einer Elementarversicherung“, bestätigt Caroline Husarek. Bis jetzt lägen mehr als 100 Anträge auf Abschluss einer Elementarversicherung vor. Die LVM-Versicherung hatte zentral ihre Kunden ausgerechnet zum Thema Elementarversicherung angeschrieben. Der Infobrief landete am vergangenen Mittwoch in den Briefkästen – dann kam die Unwetterkatastrophe. „Das konnte natürlich niemand ahnen“, sagt Caroline Husarek.
Im Provinzialbüro seien kurzfristig zehn bis 20 Neuanträge gestellt worden. schätzt Firla. „Ich denke, da wird in den kommenden Wochen noch einiges nachkommen. Viele prüfen noch die Angebote.“
Kann jeder eine Elementarversicherung abschließen?
„In Bönen ist das kein Problem“, versichert Husarek. In Städten wie Köln, wo regelmäßig mit Hochwasser zu rechnen ist, da wird es schwieriger. Da muss mit einem Zuschlag gerechnet werden.“
Ob eine Elementarversicherung möglich ist und wie viel sie kostet, hänge davon ab, in welcher Elementar-Zone der Kunde lebt, weiß Firla. „Vier Zonen gibt es in Deutschland, die sogenannten Zürs-Zonen.“ Bönen gehört zur Zone 1, die am wenigsten durch Hochwasser gefährdet ist. In Zone 4 – etwa direkt in Rheinnähe – lehnen Versicherer unter Umständen eine Elementarschadenversicherung ganz ab.

Die Abkürzung „Zürs“ steht für das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Dieses System des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft besagt, wie stark Gebäude an einzelnen Standorten durch überlaufende Fließgewässer, also Hochwasser, gefährdet sind.

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