Bönener Verein „Auszeit für die Seele“ schickt Krebskranke in den Urlaub

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Reinhard Göddemeyer, Michael Mahnke und Annemarie Hunecke bilden das Vorstandsteam des Bönener Vereines. Sie hoffen auf weitere Unterstützer.

Bönen - Die Diagnose Krebs schockiert. Plötzlich ist das Leben endlich. Die Krankheit belastet nicht nur körperlich, auch psychisch müssen die Betroffenen damit erst mal fertig werden. Ein neuer Verein in Bönen will Betroffenen jetzt eine „Auszeit für die Seele“ verschaffen.

Fast eine halbe Million Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Krebs. Für jeden Einzelnen bricht eine Welt zusammen. Die Betroffenen müssen sich oft einer körperlich und seelisch belastenden Therapie unterziehen, operieren und in Kliniken behandeln lassen. 

Dazu kommt die ständige Angst, dass sich die Krankheit am Ende doch nicht besiegen lässt. Und für viele bedeutet Krebs auch, finanziell ins Abseits zu geraten.

Nach 18 Monaten in die Frührente geschickt

„Nach 18 Monaten Krankheit werden sie von den Versicherungen ausgesteuert, also in die Frühverrentung geschickt“, weiß die Bönenerin Annemarie Hunecke. Dann wird es für einige finanziell richtig eng – insbesondere für diejenigen, die noch Kinder zu versorgen haben. An einen Urlaub, der doch so wichtig wäre, um Kraft zu schöpfen, brauchen die Betroffenen dann gar nicht zu denken.

„Auszeit für die Seele“ will diesen Menschen helfen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, eine Woche lang kostenlos Ferien zu machen und dabei die Krankheit mit all ihren Folgen für einen Moment vergessen.

Auf die Idee kam Mitgründer Reinhard Göddemeyer bereits vor einigen Jahren. Auf einer Fachmesse lernte er jemanden kennen, der mit sportlichen Aktionen für in notgeratene Krebspatienten Spenden gesammelt hat. „Wir haben im Internet geguckt, was nach Krebsoperationen alles so gemacht wird und welche Möglichkeiten es gibt“, erzählt Reinhard Göddemeyer. Schließlich stießen er und seine Mitstreiter auf „Opa Hans“, auf Hans Böge aus Schleswig-Holstein. Bei dem Rentner wurde 2010 Zungenbodenkrebs festgestellt. Nach einem schier unendlichen Therapiemarathon ging es ihm wieder so gut, dass er sich in den Fahrradsattel schwingen konnten.

Opa Hans radelt quer durch Deutschland

Hans Böge radelt seit dem als „Opa Hans“ immer wieder quer durch die Republik und sammelte Geld, um mittellosen Krebskranken und deren Angehörigen einen Urlaub zu spendieren. Gleichzeitig will der Norddeutsche ein Bewusstsein für das Anliegen der Betroffenen und ihrer Familien schaffen.

Ihn will der Bönener Verein besonders unterstützen. „Wir haben Hans Böge dieses Jahr in Berlin getroffen, und das war wirklich beeindruckend“, stellt Reinhard Göddemeyer fest. Und vielleicht kommt „Opa Hans“ im kommenden Jahr sogar nach Bönen. Die drei Vorstandsmitglieder, Annemarie Hunecke, Reinhard Göddemeyer und Michael Mahnke, sind selbst aktive Radfahrer und beim ADFC aktiv. Sie können sich gut vorstellen, mit Hans Böge ein Rad-Aktion in der Gemeinde auf die Beine zu stellen.

Bislang haben die Unterstützer privat geholfen. Anfang des Monats gründeten sie nun mit sieben Aktiven den Verein, um die Hilfe offiziell zu machen und auszuweiten. Momentan besteht „Auszeit für die Seele“ lediglich aus den Gründungsmitgliedern, sie hoffen allerdings, bald weitere Weggefährten zu finden. „Krebs geht uns alle an“, stellt Vorstandsmitglied Michael Mahnke fest. Jeder habe einen Familienangehörigen, einen Freund, Bekannten oder Arbeitskollegen durch Krebs verloren oder miterlebt, wie dieser gegen die Krankheit kämpft.

Schon jetzt hat der Verein einige Menschen in die Auszeit geschickt. Zur Verfügung stehen dafür zurzeit Ferienwohnungen an der Nord- und Ostsee, in Brandenburg, am Möhnesee und in Österreich. „Wir bekommen sie zum Teil von den Vermietern kostenlos zur Verfügung gestellt, manche Hotels gewähren uns aber auch einen Rabatt“, erzählt Mahnke. Möglich sei vieles, zum Beispiel Ferien auf dem Reiterhof, eine Rad- oder Wandertour. „Wir sind für alle Idee und Angebote offen“, so der Hammer.

Wer also ehrenamtlich mitarbeiten, spenden, eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen, beziehungsweise seine Fähigkeiten als Tourenscout, Segler und Weiterem anbieten möchte, ist dem Verein jederzeit willkommen. Auch Ärzte, die bereit sind, bei Veranstaltungen einen Vortrag zu halten oder andere Organisation, die sich miteinbringen möchten, dürfen sich gerne melden.

Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden

Und natürlich sollen sich diejenigen melden, die eine Auszeit nötig haben. Kontakt aufnehmen können sie über das Internet, über Facebook oder telefonisch. Es können sich aber auch Angehörige, Freunde oder Kollegen melden, die wissen, wer solch einen Urlaub dringend braucht. Voraussetzung dafür ist die Bedürftigkeit.

„Wir lassen uns einen Bescheid über den Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Grundsicherung sowie eine Bescheinigung des Arztes zuschicken“, erklärt Reinhard Göddemeyer. Dann versucht der Verein mit den Betroffenen ein passendes Ziel und eine Unterkunft zu finden. „Das geht natürlich nur, wenn sie eine stabile Phase haben“, erklärt die Annemarie Hunecke.

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