Idee für gemeinsames Testzentrum

Bei Mitarbeitertests gehen Unternehmen unterschiedliche Wege

LKW vor dem Firmenportal Welser Profile Bönen
+
Bei Welser Profile hofft man auf ein gemeinsames Testzentrum für die Firmen im Industriegebiet.

Bönen – Für die Bönener Bürger sind mittlerweile Testzentren eingerichtet worden, wo jeder einmal wöchentlich kostenlos einen Schnelltest machen kann. Wie sieht es aber im Industrie- und Gewerbegebiet aus, das täglich tausende Mitarbeiter der dort ansässigen Firmen ansteuern? Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitern inzwischen Selbsttests an, andere warten, ob hier ein gemeinsames Testzentrum für alle Unternehmen zustande kommt.

Die Firma Welser Profile hatte die Idee angestoßen und einen Antrag beim Kreisgesundheitsamt gestellt. „Deshalb finden an unserem Standort in Bönen derzeit auch noch keine Selbsttests statt“, erläutert Markus Kepp, bei Welser Profile an der Edisonstraße verantwortlich unter anderem für die Arbeitssicherheit. Das Unternehmen, in dem 830 Mitarbeiter tätig sind, hatte die Idee angestoßen, dass nicht jedes Unternehmen einzeln Tests durchführt, sondern sich die im Industriegebiet ansässigen Firmen zusammentun. Geschäftsführer Andreas Welser hat das inzwischen zur Chefsache gemacht und will mit anderen Unternehmen Kontakt aufnehmen, um ein gemeinsames Testzentrum auf den Weg zu bringen.

Die Idee bei Welser: Kräfte bündeln

„Die Idee ist, dass wir unsere Kräfte bündeln, denn jeder hat schließlich damit zu kämpfen“, so Kepp. Ein Testzentrum im Bönener Gewerbegebiet könnte den Beschäftigten mehr Sicherheit bieten und Infizierte schneller identifizieren.

„Denkbar wäre die Nutzung der riesigen Parkfläche vor dem Woolworth-Gebäude für die Errichtung eines Testzeltes“, so Markus Kepp, „wenn wir die Genehmigung der neuen Besitzer bekommen.“ Da die meisten Firmen eigene oder externe Arbeitsmediziner beschäftigen, könnten die möglicherweise in die Tests eingebunden werden. „Und schließlich könnte ein Testzelt anschließend auch als Impfzentrum genutzt werden“, sagt Markus Kepp.

Bisher habe es in dem Bönener Unternehmen, das volle Produktion fährt, nur einzelne positive Fälle gegeben. „Das lässt sich bei der Zahl der Mitarbeiter wohl nicht ganz vermeiden.“ In der Welser-Verwaltung sind bis auf wenige Ausnahmen alle Angestellten im Homeoffice. Die Produktion muss aber vor Ort weiter gehen.

Kreis prüft Antrag auf ein Testzentrum

Die Anfrage der Firma Welser zur Installation eines Testzentrums im Bönener Industriegebiet sei bekannt, so Kreisgesundheitsdezernent Uwe Hasche. „Was noch nicht ganz klar ist“, so Hasche, „soll das Testzentrum Bürgertests anbieten, Mitarbeitertests oder beides?“ Im Fall, dass auch Bürgertests durchgeführt werden, sei eine Beauftragung vom Kreisgesundheitsamt erforderlich. „Die Kosten für Bürgertests werden mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet. Handelt es sich dagegen ausschließlich um Schnelltests für Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen, ist keine Beauftragung durch das Gesundheitsamt erforderlich. Das können die Unternehmen ohne unser Zutun organisieren. Die Kosten übernehmen die Unternehmen.“

In der entsprechenden Verordnung vom 11. März heißt es dazu: „Unternehmen, die ihren Beschäftigten das Angebot von kostenlosen Coronaschnelltests machen, können die Tests selbst mit eigenem fachkundigen oder geschultem Personal durchführen oder bei Teststellen oder Testzentren, die auch Bürgertestungen vornehmen, auf ihre Kosten beauftragen. Soweit möglich soll eine Bescheinigung über das Testergebnis erfolgen. Dies gilt auch für das Angebot von Selbsttests unter Aufsicht einer fachkundigen oder geschulten Person.“

Bis zu einer Entscheidung finden am Standort Bönen derzeit noch keine Selbsttests statt. „Das Problem ist auch, dass die Trefferquote bei den selbst durchgeführten Tests geringer ist als bei den Schnelltests, die durch medizinisch geschultes Personal durchgeführt werden. Das gaukelt einem falsche Sicherheit vor“, so Kepp. Zudem fehlten am Standort Bönen Mitarbeiter, die ehrenamtlich zum Beispiel als Rettungssanitäter die Tests begleiten könnten. „An unserem Standort in Österreich ist das der Fall. Da engagieren sich viele Mitarbeiter beim Roten Kreuz, die wir in die Tests einbinden können. Dort finden bereits regelmäßige Testungen statt.“

Becker Stahl orderte 3000 Selbsttests

Die Firma Becker Stahl Service, die an der Weetfelder Straße Bandstahl produziert, führt bereits seit Mitte März Selbsttests durch. Derzeit arbeiten nach Auskunft des Unternehmens rund 250 Mitarbeiter vor Ort – hauptsächlich in der Produktion, aber auch in der Verwaltung. „Kurzarbeit findet bei uns nicht statt. Wir schicken alle, wo das möglich ist, ins Homeoffice“, bestätigt Sprecher Fabian Mählen. „Aber auch in der Verwaltung sind einige Aufgaben nicht aus dem Homeoffice zu leisten. Alle, die vor Ort sind, haben bereits seit Mitte März die Möglichkeit, vor Ort einen Selbsttest zu machen.“

Die Firma Becker Stahl hat gerade 3000 Corona-Selbsttests für ihre Mitarbeiter geordert.

In diesem Monat hat das Unternehmen insgesamt 3000 Corona-Selbsttests bestellt. „Damit bieten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich weiterhin wöchentlich einmal kostenlos zu testen. Wie der Selbsttest korrekt anzuwenden ist, dazu wurden die Mitarbeiter zusätzlich durch ein Video eingewiesen“, so Mählen. Die Tests finden auf freiwilliger Basis statt.

„Bisher ist erfreulicherweise kein Selbsttest positiv ausgefallen“, berichtet der Sprecher. Seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 habe es aber natürlich auch bei Becker Stahl vereinzelte Fälle gegeben. „Allerdings wurden diese Infektionen von außen hereingetragen, und dank zügiger Isolation und weiterer Maßnahmen kam es zum Glück zu keiner Infektionskette innerhalb unseres Unternehmens.“ Bislang habe Becker Stahl gute Erfahrungen mit den Selbsttests gemacht. „Wir befinden uns in Abstimmung mit dem Werksarztzentrum. Daher sehen wir derzeit eher keinen darüber hinausgehenden Bedarf“, sagt Mähler zu den Plänen eines Testzentrums im Industriegebiet.

Kik: Kontakte durch Kurzarbeit reduziert

Noch keine Mitarbeitertests gibt es bei Kik. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität. Durch eine lückenlose Kontaktnachverfolgung, kurzfristige und präventive Isolation sowie die eindringliche Bitte, auch bei leichten Erkältungssymptomen nicht zur Arbeit zu erscheinen, versuchen wir unser Team bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen“, sagt ein Sprecher des Textildiscounters, dessen Firmenzentrale ihren Sitz in Bönen hat.

Schichtbetrieb, Homeoffice und Kurzarbeit führen dazu, dass derzeit nur wenige Mitarbeiter in der Firmenzentrale an der Siemensstraße arbeiten.

Mitarbeiter würden größtenteils in Schichtbetrieben oder aus dem Homeoffice arbeiten und Großraumbüros nur eingeschränkt benutzt. Zudem befindet sich aufgrund der dramatischen Situation des Einzelhandels ein Drittel der Belegschaft in Kurzarbeit. „Auch wenn wir alles dafür tun, um bei möglichst vielen Kollegen die Kurzarbeit schnellstmöglich zu beenden, geht mit dem Umstand dennoch eine Reduzierung der Kontakte einher“, heißt es.

Schichtbetrieb, Homeoffice und Kurzarbeit führen also dazu, dass derzeit nur wenige Mitarbeiter in der Firmenzentrale an der Siemensstraße arbeiten. „Daher sehen wir aktuell nicht die Notwendigkeit, unser Team täglich vor Ort zu testen. Wir unterstützen aber alle Kollegen darin, die sogenannten Bürgertests wahrzunehmen.“ Sollte künftig wieder ein größerer Teil der Kik-Belegschaft täglich aus der Zentrale in Bönen arbeiten, werde das Unternehmen ein Testangebot vor Ort prüfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare