Bönener Rat stimmt für Bestattungen unter Bäumen 

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Schon jetzt legen Waldbesucher kreuz und quer Trampelpfade an. Thomas Köster befürchtet, dass das noch schlimmer werden könnte, wenn der Mergelbergwald zum Besattungswald wird.

Bönen – Fried- oder Ruhewald heißen die Bestattungswälder, in denen Urnen unter grünen Baumdächern in der Natur beigesetzt werden. In Bönen sorgt dieses Konzept momentan allerdings kaum für Ruhe und Frieden. Nur mit einer Stimme Mehrheit erteilte der Gemeinderat der Verwaltung den Auftrag, zu prüfen, ob sich im Gemeindegebiet ein Bestattungswald einrichten und betreiben lässt. Dabei sollen vor allem Waldflächen des Regionalverbandes Ruhr (RVR), der Gemeinde und der Evangelischen Kirchengemeinde in Betracht gezogen werden.

Diese Beschlussformulierung hatte kurz vor der Sitzung Ratsherr Friedhelm Lange (Bündnis 90/Die Grünen) ins Spiel gebracht. Eine Woche zuvor stimmte der Haupt- und Finanzausschuss nämlich noch über einen anderen Vorschlag ab: „Die Gemeindeverwaltung wird beauftragt, den RVR bei der Anlegung und Einrichtung eines Bestattungswaldes im Gemeindegebiet zu unterstützen. Des Weiteren soll geprüft werden, inwieweit auch der gemeindliche Wald Teil eines Bestattungswaldes sein und wie die Evangelische Kirchengemeinde mit eingebunden werden kann.“ 

Das haben die Ausschussmitglieder zwar mit knapper Mehrheit an den Rat weiterempfohlen, doch stellte sich in der Sitzung schnell heraus, dass es grundsätzlich um diese besondere Bestattungsform in Bönen gehen soll und nicht allein um das Bestreben des RVR. Prinzipiell hat kein Ratsmitglied Bedenken gegen diese Form der Beisetzung. Nur der Standort dafür, der Mergelbergwald, stößt bei der SPD und allen voran bei Thomas Köster auf Widerstand.

Köster sieht Alternativen

„Der Mergelbergwald ist jetzt schon überfrachtet. Von Joggern, Spaziergängern, Hundebesitzern, Radfahrern, Kinder- und Jugendgruppen, Reitern und Moutainbikern bis hin zu Vandalismus muss dieser Wald alles ertragen“, so Köster. Nun noch jährlich 2000 Urnen zwischen die Baumwurzeln zu stellen, hält er für fragwürdig – ganz abgesehen davon, dass der Boden vermutlich mit Kampfmitteln und Überresten der ehemaligen Mülldeponie belastet sei. Der Sozialdemokrat schlägt als  Alternativstandort zum Beispiel den Kommunalfriedhof in Altenbögge vor, der noch reichlich Kapazitäten habe. „Die ungenutzte Rasenfläche ließe sich naturnah gestalten, als Blühwiese oder mit hochwachsenden Bäumen“, regte Köster an. Gegen die Nutzung von Flächen auf dem Evangelischen Friedhof in Flierich stemmten er und seine Parteigenossen sich ebenfalls nicht. 

Obwohl sich die SPD mit ihren Gegenstimmen nicht durchsetzte, sind diese Möglichkeiten nicht ausgeschlossen. Das machte Bürgermeister Stephan Rotering deutlich. Er wies auf die Vorteile hin, die ein Bestattungswald Bönen bringen könnte. Das sind seiner Ansicht nach wirtschaftliche und auch touristische Faktoren. So könne dieser Wald die Menschen in die Gemeinde locken und die Gastronomie fördern.

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