Wegen Westfleisch: Weniger Geld fürs Schwein

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Schlachtkapazitäten fehlen: Die Schweine wie hier bei Landwirt Christian Möllmann wachsen weiter in den Ställen heran, durch die Westfleisch-Schließung werden aber nicht alle wie geplant zu Fleisch verarbeitet.

Bönen – Die Corona-Fälle in den Großschlachtereien und die damit zusammenhängende Schließungen, unter anderem der Westfleisch-Fabrik in Coesfeld, schlägt sich auch auf die heimischen Schweinebauern nieder. „Mit großen Sorgen“ schaut Christian Möllmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Bönen-Ost mit einem eigenen Schweinemastbetrieb, auf die Entwicklung der Virus-Verbreitung unter den Arbeitern in der Fleischindustrie.

Die Folgen der Schließung betreffen die Betriebe direkt, die fallende Einnahmen befürchten, denn derzeit sind zu viele Schweine auf dem Markt. „Die Schlachtkapazitäten sind gedrosselt“, sagt Möllmann. Den Produzenten fehlt also ein Teil der Abnehmer. „Wir können unsere schlachtreifen Schweine nicht loswerden wie gewohnt“, befürchtet Möllmann einen Preisverfall.

Schweine haben einen bestimmten Schlachtungs-Zeitpunkt

In der Schweinemast gibt es für den Bauer einen gewissen Zeitraum beziehungsweise eine festgelegte Gewichtsspanne, in der das Tier zum Schlachter gebracht wird. Es darf weder zu leicht, noch zu schwer sein, dann drohen Abzüge beim Preis pro Kilogramm. Weil nun durch die Schließung bei Westfleisch insgesamt weniger geschlachtet werden kann, bleiben Möllmann und seine Kollegen auf ihrem Produkt sitzen. Die Folge ist, dass sein Ertrag für jedes Schwein sinkt, denn es ist im Vergleich zu vorher mehr Angebot als Nachfrage im Markt. Er rechnet damit, dass ihm durch die aktuelle Entwicklung mit Einbußen von 10 Cent pro Kilogramm hochgerechnet etwa 10 Euro pro Schwein fehlen würde. Dazu kommen gestiegene Kosten, weil der Landwirt das Tier länger füttern muss und erst später mit der Mast der nächsten Generation beginnen kann.

Zusammenarbeit mit Westfleisch

Möllmann ist selbstständig tätig, ist aber – wie nach seinen Angaben viele Kollegen in der Umgebung – vertraglich an Westfleisch gebunden. Das Unternehmen schafft jedes Jahr finanzielle Anreize, damit die Bauern verlässlich gewisse Mengen an sie liefern, um vor Ort die Auslastung zu gewährleisten. Er geht davon aus, dass Westfleisch Betriebe wie seinen bei der Abnahme nun bevorzugt behandeln wird, zunächst auf den Einkauf von Schweinen vertragloser Bauern verzichtet.

Die weitere Entwicklung der Corona-Ansteckung in den Schlachthäusern und damit deren mögliche Schließung müssten die Landwirte allerdings erst abwarten. Genauso wie sie schauen müssen, wie sich ein zu vermutender Imageschaden auf das dauerhafte Konsumverhalten der Menschen auswirken wird. Schließlich rücken durch die aktuellen Veröffentlichungen nicht nur die Corona-Fälle, sondern auch die teilweise prekären Arbeitsbedingungen in den Großschlachtereien in den Blickpunkt und damit ins Bewusstsein der Kunden.

Vorübergehend auf gutem Preisniveau

Die derzeitigen Vorfälle treffen die heimischen Bauern in einer Phase, in der die Preise sowieso schon unter Druck geraten waren, wie Möllmann erklärt. Vor Corona habe es einen weltweiten Fleisch-Boom gegeben. Die Preise seien von einem schlechten auf ein gutes Niveau geklettert. Unter anderem, weil in China eine große und stetig steigende Nachfrage herrschte und gleichzeitig die afrikanische Schweinpest dort den Bestand drastisch reduziert hatte. Dafür hätten sich die Erzeuger in ihrer Produktion eingestellt.

Durch die globalen Handelseinschränkungen mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie sank der Ertrag pro Kilo. Möllmann erklärt, dass in der Folge auch durch die Schließung der Gastronomie der Bedarf an Fleisch gesunken sei. „Das hat der Markt zu spüren bekommen“, sagt er. „Jetzt kommt das noch on top“, erwartet er zum Westfleisch-Fall einen zusätzlichen Preiseinbruch.

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