Bönener Schulleiter weisen darauf hin: Trotz lockerem Unterrichtsausklang gilt Schulpflicht

In den letzten Tagen vor den Ferien werden häufig Exkursionen angesetzt. So besuchten 28 Fünftklässler des Marie-Curie-Gymnasiums das Druckzentrum des Westfälischen Anzeigers in Hamm.

Bönen – In den Schulferien zu verreisen, ist teuer. Das wissen alle Familien mit schulpflichtigen Kindern. Nur ein zwei Tage vor den Ferien sind die Preise für den Flug oder das Hotel oft deutlich niedriger. Ihre Kinder deshalb eher aus dem Unterricht zu nehmen, ist aber grundsätzlich verboten. Verstöße werden mit einem Bußgeld geahndet. Zwar ist das Verständnis für diese Regelung bei vielen Eltern vorhanden, was sie aber kritisieren ist der Unterricht in den letzten Tagen und sogar Wochen vor Ferienbeginn.

„In Mathe haben wir ‘Fuck ju Göhte’ geguckt, in Englisch ‘High School Musical’, erfahren sie etwa beim Abendessen von ihrem Nachwuchs. Im Französischunterricht gab es immerhin Crêpes und keine Hamburger – die allerdings direkt nach dem gemeinsamen Frühstück mit der Deutschlehrerin. Filme, Frühstück, Spiele oder Eisessen: Dass ihre Kinder dafür strenge Anwesenheitspflicht haben, sehen manche Mütter und Väter schlicht nicht ein. Zumal die „lockere Phase“ oft bereits zwei oder sogar drei Wochen vor den Ferien beginnt. 

Die Schulbücher werden eingesammelt und die Zeugnisse geschrieben. An „richtigen“ Unterricht scheinen danach weder die Schüler noch die Lehrer zu denken. „Das stimmt nicht“, widerspricht Dr. Peter Petrak. „Bei uns sind in der letzten Schulwoche Wandertage, Lernen an anderen Orten. Da werden Projekte aus dem Unterricht in die Praxis umgesetzt. Die Schüler besuchen Museen oder andere Einrichtungen“, erklärt der Leiter des Marie-Curie-Gymnasiums. Lehrer, die DVDs durch die Schule tragen, sehe er hingegen am Bönener Gymnasium nicht. 

„Bei uns ist das sehr gut organisiert. Die Lehrer nehmen die Kinder erst.“ Petrak liegen in diesem Jahr keine Anfragen von Eltern vor, die ihre Kinder vor der letzten Unterrichtsstunde beurlauben lassen möchten. „Sie wissen aber auch, dass ich das nicht akzeptiere“, sagt der Rektor. 

Anfragen kommen jedes Jahr

Das macht Reinhard Engler auch nicht, trotzdem wird er immer wieder vor den Ferien von Eltern nach einer Beurlaubung gefragt. „Ich gebe grundsätzlich keine schriftliche Genehmigung“, berichtet der Leiter der Pestalozzihauptschule. „Für die Betroffenen tut es mir leid, aber der Großvater stirbt grundsätzlich in der Woche vor den Ferien“, so Engler. Das macht ihn skeptisch. Bescheinigungen in fremden Sprachen helfen in solchen Fällen nicht, stellt er fest. 

Vor zwei Jahren wurde tatsächlich einer seiner Schüler kurz vor Ferienbeginn auf dem Flughafen von der Bundespolizei erwischt. Für die Familie wurde anschließend ein saftiges Bußgeld fällig. „Das macht natürlich die Runde an der Schule“, sagt Reinhard Engler. Die Angst, dass es ihnen genauso ergehen könne, schrecke nun doch viele ab. „Die Eltern glauben, dass, wenn die Zeugnisse geschrieben sind, kein Unterricht mehr stattfindet. Das ist aber nicht so. Wir haben im Kollegium beschlossen, alle Wandertage, Unterrichtsgänge und Ausflüge in die Woche vor den Ferien zu verlegen. Außerdem werden die Bücher eingesammelt und Gestaltungsaufgaben wahrgenommen“, zählt Engler auf. „Die letzte Schulwoche ist natürlich keine, die besonders stressig ist“, räumt er ein.

Nachfragen von Eltern kennt die Leitung der Humboldt-Realschule genauso. Doch auch dort müssen die Mütter und Väter mit einem Nein rechnen. „Das ist nicht genehmigungsfähig“, erklärt Guido Bläsing, der stellvertretende Schulleiter. An der Bönener Realschule sei die letzte Schulwoche gut gefüllt mit dem Wandertag, einem Sportfest, einer Exkursion der sechsten Klassen und Bewerbungstraining für die Neuntklässler. „Außerdem werden in dieser Zeit die Beratungsgespräche geführt mit den Schülern, die die Versetzung nicht geschafft haben“, erklärt Bläsing. „In dieser Woche müssen alle da sein, das geht gar nicht anders.“ 

Ausnahmen von der Regel

Das Gesetz gibt den Bönener Schulleitern recht: Es gibt eine Schulpflicht, und die gilt direkt vor und nach Ferien genauso, wie an allen übrigen Tagen. „Es gibt natürlich Ausnahmen“, weiß Anna Carla Springob, Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg. Bei Familienfeiern und Trauerfällen, Preisverleihungen oder wichtigen sportlichen Wettbewerben, an denen die Schüler teilnehmen, dürfen die Mädchen und Jungen etwa auch rund um die Ferien herum beurlaubt werden. 

Die schriftliche Genehmigung sollten sie aber dabei haben, wenn sie zum Beispiel in den Flieger steigen wollen. „In einigen Bundesländern führt die Bundespolizei vor den Ferien gezielt Kontrollen durch. Und natürlich fällt es ihnen auf, wenn ein Zehnjähriger, der offensichtlich schulpflichtig ist, auf dem Flughafen steht“, sagt Anna Carla Springob. Die Beamten würden dann die Schulen informieren und die wiederum die Bezirksregierung. Das könnte dann zu einem Bußgeldverfahren führen. 

Die Erziehungsberechtigten müssen schon sehr gut begründen, wenn sie die Ferien ihrer Kinder eigenmächtig verlängern. „Die Schule beginnt am Mittwoch wieder. Wenn die Eltern den letzten Flieger zurück am Dienstagabend um 22.49 Uhr gebucht haben, und der fällt aus, dann stellen sich zumindest Fragen“, macht Anna Carla Springob deutlich. Laut Bezirksregierung nehmen Verletzungen der Schulpflicht übrigens zu. „2015 waren es 1639 Verfahren in unserem Bezirk, im vergangenen Jahr 2841“, berichtet die Sprecherin. „Die stehen aber nicht nur im Zusammenhang mit den Ferien.“

Bußgelder sind gestaffelt

Abhängig von der Dauer können Bußgelder für die Fehlzeiten im zeitlichen Zusammenhang mit den Ferien fällig werden:

- bis drei Tage 80 Euro pro Tag, Kind und Elternteil

- bei vier Tagen 300 Euro pro Kind und Elternteil;  500 Euro bei zwei und mehr Kindern und Elternteil

- bei fünf Tagen 350 Euro pro Kind und Elternteil; 500 Euro bei zwei und mehr Kindern und Elternteil 

- bei sechs Tagen 450 Euro pro Kind und Elternteil; 500 Euro bei zwei und mehr Kindern und Elternteil

- bei sieben Tagen und mehr 500 Euro pro Elternteil.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare