Digitalpakt und Sofortausstattung

Bönener Schulen warten auf Endgeräte und digitale Infrastruktur

Alle Schüler in Bönen sollen künftig Zugang zum digitalen Lernen haben
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Alle Schüler in Bönen sollen künftig Zugang zum digitalen Lernen haben

Bönen – Das Land will reichlich Geld ausgeben, um die Schulen für die Zukunft zu rüsten. Rund 715 000 Euro aus dem Digitalpakt fließen allein nach Bönen, um die fünf Schulen vor Ort mit Hard- und Software sowie einer digitalen Infrastruktur und schnellem Internet zu versorgen. Doch bislang ist davon noch nichts zu sehen.

In der Sitzung des Schulausschusses am Mittwochabend erklärte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte, woran es hakt. Außerdem berichtete er vom Stand des Sofortausstattungsprogrammes. Damit sollen Schüler und Lehrer mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden, die ihnen in der Krise ein Lernen auf Distanz ermöglichen.

Wenn das Land zahlt, möchte es genau wissen, wofür. Ohne einen Medienentwicklungsplan (MEP) wird es für die Gemeinde deshalb schwierig, die Mittel abzurufen. Diesen Plan soll die Südwestfalen-IT (SIT) aus Hemer aufs Papier bringen. Bereits im Mai vergangenen Jahres hat die Gemeinde dieser Tochter des Zweckverbandes Südwestfalen-IT den Auftrag dazu erteilt – wie viele andere Kommunen auch, die vom Digitalpakt profitieren wollen, wie Otte feststellte. „Deshalb hat es wohl auch ein Jahr gedauert, bis wir den ersten Entwurf bekommen haben“, macht der Fachbereichsleiter ein volles Auftragsbuch des Unternehmens als einen Grund für die Verzögerung aus. Die SIT habe Schwierigkeiten, zusätzliche Fachkräfte zur Bewältigung des Pensums einzustellen, weil der Arbeitsmarkt kaum passenden Spezialisten hergeben würde.

Zwei Entwürfe liegen vor

Den fertigen Entwurf hat die Verwaltung jedenfalls am 28. April erhalten und an die Schulen zur Prüfung weitergeleitet. „Zwischen den ersten Gesprächen und dem ersten Entwurf liegen neue Erkenntnisse und Änderungswünsche“, sagte Otte. Sowohl die Schulen als auch die Gemeinde hatten daher Fragen und Anmerkungen zum Entwurf an die SIT weitergegeben. Ende September legte die einen zweiten Vorschlag vor. „Auch diese Version war nicht so eindeutig, dass sie direkt freigeben werden konnte“, so der Fachbereichsleiter.

Ende Oktober hätten sich daher Schulleiter, Fachlehrer, Mitarbeiter der SIT und die zuständigen Verwaltungsvertreter zusammengesetzt. Der Dienstleister aus Hemer will nun eine dritte Version des Medienentwicklungsplanes vorlegen, in dem alle Absprachen berücksichtigt werden. Er soll spätestens bei der nächsten Sitzung des Schulausschusses vorliegen.

„Das größte Missverständnis besteht darin, dass alle mobilen Endgeräte aus dem MEP herausgenommen wurden, weil ein Teil des Bedarfs aus dem Sofortausstattungsprogramm des Landes gedeckt werden kann. Die Mittel daraus reichen jedoch nicht aus, um den Bedarf an mobilen Endgeräten zu decken“, heißt es in der Mitteilungsvorlage, über die die Gremiumsmitglieder beraten haben.

Mobile Endgeräte für das Distanzlernen

Aus dem Förderbudget, dass das Land NRW bereitstellt, um die Schulen beim Distanzunterricht während der Corona-Pandemie zu unterstützen, können Laptops, Notebooks und Tablets angeschafft werden. Die sollen dann den Schülern für den digitalen Unterricht zur Verfügung stehen, die zu Hause nicht auf entsprechende Geräte zurückgreifen können. Wer Bedarf hat und ein Gerät benötigt, soll von den jeweiligen Schulleitern festgestellt werden und nicht an das Einkommen der Eltern gebunden sein.

Die Geräte kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn Klassen, Kurse oder gar die ganze Schule in Quarantäne geschickt werden und ein Präsenzunterricht nicht möglich ist. Sollte die Pandemie abgeklungen und der Distanzunterricht wieder zur Ausnahme werden, können sie weiter im Unterricht beziehungsweise für Hausarbeiten eingesetzt werden.

Maximal dürfen pro Gerät inklusive Zubehör 500 Euro ausgebeben werden. Der Gemeinde stehen rund 117 500 Euro zur Verfügung. Dazu kommt ein Eigenanteil, sodass sie fast 130 000 Euro investieren kann. In Relation mit dem Förderhöchstbetrag von 500 Euro pro Gerät könnten also 260 Geräte angeschafft werden. Otte rechnet angesichts vorliegender Angebote sogar mit knapp 300 Tablets und Co. Die sollen an die fünf Schulen verteilt werden. Dort werden derzeit insgesamt 1878 Schüler unterrichtet, nur etwa 16 Prozent von ihnen könnten somit berücksichtigt werden.

Erfahrungsgemäß sind aber in vielen Haushalten Endgeräte vorhanden, und insbesondere die älteren Schüler verfügen über eigene. „Arbeiten aber beide Elternteile gleichzeitig im Homeoffice, kann es damit schon knapp werden“, gab SPD-Ratsfrau Ute Brüggenhorst zu bedenken. In solchen Fällen oder eben, wenn überhaupt kein Gerät vorhanden ist, kann die Schule der Kinder künftig aus dem Pool schöpfen.

Alle Lehrer werden ausgestattet

Wer ein Gerät bekommt, hänge von der jeweiligen Situation ab, erklärte Bianca Giese, kommissarische Leiterin des Marie-Curie-Gymnasiums. „Wir wissen ja nicht, welche Klassen gerade von einer Quarantäne betroffen sind. Danach werden wir entscheiden.“ Jörg-Andreas Otte geht davon aus, dass die Schulen sich im Bedarfsfall untereinander aushelfen, falls eine Einrichtung zeitweise einen besonders hohen Bedarf hat.

Für die Lehrer stehen übrigens gleichfalls Mittel zur Verfügung. 152 Pädagogen sind an den Schulen in Bönen beschäftig. Für sie darf ebenso 500 Euro je Laptop, Tablet oder Notebook bezahlt werden. Insofern hat die Verwaltung im September bei der Bezirksregierung in Arnsberg 76 000 Euro für die Ausstattung der Lehrkräfte beantragt.

Beschaffen soll die Firma SIT die Geräte. Die Gemeinde hat mit dem EDV-Dienstleister einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Gekauft werden Lenovo ThinkPads E15 mit dem Windows-Betriebssystem sowie Apple-IPads der achten Generation. Die laufenden Supportkosten in Höhe von monatlich 2 Euro pro IPad und 9 Euro je Laptop sowie für Ersatzgeräte werden aus dem Haushalt der Gemeinde finanziert.

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