1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bönen

Pogrom-Gedenken, Synagogen-Besuch: MCG-Schüler auf Spuren des Judentums

Erstellt:

Von: Bernd Kröger

Kommentare

Gegen das Vergessen: An den Stolpersteinen für die Bönener Juden, hier an der Zechenstraße, erinnerten die MCG-Schüler an die Verbrechen der Verfolgung.
Gegen das Vergessen: An den Stolpersteinen für die Bönener Juden, hier an der Zechenstraße, erinnerten die MCG-Schüler an die Verbrechen der Verfolgung. © Hegewald

Schüler des Bönener Gymnasiums waren auf den Spuren des Judentums unterwegs: In der Gemeinde, in der Nachbarstadt und in einem Museum.

Bönen – Mit einer griffigen Formel fasste Lehrerin Kerstin Winkelmann zusammen, was ihren Leistungskurs Geschichte am Marie-Curie-Gymnasium an diesem Morgen an die Zechenstraße geführt hat: „Nicht erinnern, heißt vergessen.“ Denn im Pflaster zu ihren Füßen zeugen drei Stolpersteine davon, dass der heutige Moschee-Bau einmal das Zuhause dreier Bönener Bürger war, die wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt, entrechtet und vertrieben wurden: Laura Keil, Gerda Laronne und Lisa Haalman.

Schicksal der Verfolgten beschrieben

Was über deren Lebensweg nach und in Bönen, ihre Familien und deren Schicksal in der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschen Reich überliefert ist, tragen die angehenden Abiturienten am letzten frei gewählten Wohnort der Drei vor. Denn es ist der 9. November, ein in mehrfacher Hinsicht geschichtsträchtiges Datum der Deutschen, hier wegen der brutalen reichsweiten Überfälle auf die Juden in der Pogromnacht 1938.

Wie die NSDAP 1933 an die Macht gelangt ist, den totalitären Staat aufbaute und – nicht nur – gegen die Juden vorging, hat die Schüler in einer Unterrichtsreihe beschäftigt. Dank der Dokumentation der vormaligen Gemeindearchivarin Barbara Börste beschäftigten sich die Oberstufenschüler auch mit dem Schicksal der elf Bönener Juden jener Jahre. Zum Gedenktag der Pogrome vollzogen sie die Schicksale an den Stolpersteinen nach.

Schule diskutiert mehr Engagement

Das MCG diskutiere Wege, das Erinnern an die NS-Verbrechen in der Schule besser zu verankern, berichtete Winkelmann. „Die Fachschaft Geschichte kann sich Patenschaften für Stolpersteine vorstellen.“ Diese Idee will der Arbeitskreis Erinnerungskultur gerade voranbringen. Auch ein regelmäßiges Engagement der Schule am internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. April, Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee, werden unter den Geschichtslehrern erwogen.

Gast in der Unnaer Synagoge

Auf einem anderen Weg hat sich nach Mitteilung des MCG kürzlich eine andere Gruppe von Schülern mit dem Judentum in Deutschland beschäftigt. Das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gab Anlass zum Besuch der Synagoge der jüdischen Gemeinde „haKochaw“ in Unna.

Mit offenen Armen und Herzlichkeit habe die Gemeindevorsitzende Alexandra Kharikova den Zusatzkurs Geschichte empfangen und betont, dass die wertschätzende Begegnung unabhängig vom Glauben das Wichtigste sei. Dann erfuhren die Gäste von den jüdischen Gebräuchen, den Kultgegenständen, Festen und Ritualen. Zwei Schüler durften eine Thora aufrollen. Kharikova erzählte von persönlichen Erlebnissen und Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit – in der Hoffnung, dass der Dialog der Religionen gelingen kann. Die Vorsitzende fragte auch, was die Jugendlichen über das Judentum wissen. Da die zuvor das Jüdischen Museum für Westfalen in Dorsten besucht hatten, entwickelte sich schnell ein interessantes Gespräch. Das führte zu den schweren Brüchen in 1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland, allem voran der Zivilisationsbruch der Vernichtung im Dritten Reich. Und das führte zum Problem des zunehmenden Antisemitismusses und der Verbreitung von Hass und Exklusion.

„Und wo steht Du?“

Dies war auch Thema im anschließenden Workshop „Und wo steht Du?“. Etwa auf der Grenze von Israel-Kritik und Antisemitismus? Schaue ich weg oder melde ich Schmierereien? „Ihr seid die Generation, die sich für den Frieden und den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen einsetzen muss“, gab Khariakova den Gästen mit auf den Weg. Der führt nun als Nächstes zu dem Projekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe „Jüdisch hier“.

Auch interessant

Kommentare