Entsorger GWA muss Unfallgefahren analysieren

Müllabfuhr wird 20 Prozent der Bönener Straßen nicht mehr anfahren - Mindestgröße der Tonne noch strittig

Die Gelbe Tonne ist formal kostenlos, aber beim Einkauf mit dem Lizenzaufschlag fürs Duale System längst bezahlt. Das gefühlte Gratismodell lädt besonders dazu ein, hier heimlich hinein zu werfen, was nicht in die graue Tonne passt.
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Die Gelbe Tonne ist formal kostenlos, aber beim Einkauf mit dem Lizenzaufschlag fürs Duale System längst bezahlt. Das gefühlte Gratismodell lädt besonders dazu ein, hier heimlich hinein zu werfen, was nicht in die graue Tonne passt.

Wenn’s um die Müllabfuhr geht, wird der Bürger hellhörig. Das schwang mit, als der Umweltausschuss die geplanten Änderungen beriet. Der Beschluss über eine Mindestgröße der grauen Tonne ist vertagt.

Bönen – Noch ist nicht entschieden, ob sich die etwa 8500 Bönener Haushalte auf einen neuen Maßstab für die Mülltonnen und teils höhere Gebühren einstellen müssen. Mit der SPD ist das nicht zu machen und in der Regierungsallianz hadert die CDU noch mit dem Rechenweg für die Mindestgröße der Restmüllgefäße. Nun soll der Haupt- und Finanzausschuss darüber entscheiden. Absehbar ist indes, dass an etwa 20 Prozent der Straßen das Müllauto nicht mehr von Tonne zu Tonne fährt, weil es dort zu eng und gefährlich ist.

Arbeitsauftrag mit zwölf Enthaltungen

Auch in der Politik fürchtet scheinbar mancher, bei dem Thema sinnbildlich unter die Räder zu kommen. Der von der Verwaltungsbank erbetene Arbeitsauftrag, auf Basis der ausstehende Gefährdungsabschätzung der GWA ein Konzept für Tonnenstellplätze an den Problemzonen zu erstellen, erging mit bemerkenswerter Zurückhaltung: zwölf Enthaltungen, einer dagegen und fünf dafür.

Mehr Bürger müssen künftig Tonnen ziehen

Und zwar an einem Punkt, der angesichts der Vorschriften für das Bewegen der Müllfahrzeuge, insbesondere im Rückwärtsgang mit nur einem Mann Besatzung, gar keine Alternative lässt: Man muss bestimmte Sackgassen aus den Routen streichen, weil man sich sonst an Unfällen mitschuldig macht. Nach Auskunft von Fachbereichsleiter Robert Eisler stehen in der Analyse um die 20 Prozent der Straßen zur Disposition. Dort werden die Bürger die Tonnen künftig zu Stellen ziehen müssen, die der Müllwagen sicher erreicht. 150 Meter gelten als zumutbar.

Rathaus sucht Rückendeckung

Weil das Murren der Anlieger erwarten lässt, suchte die Verwaltung Rückendeckung durch den politischen Beschluss. Die wollte insbesondere die SPD nicht geben. Er werde „zu einem Arbeitsauftrag genötigt“, rügte der Fraktionsvorsitzende Dirk Lampersbach, obwohl es sich um eine originäres Geschäft der Verwaltung handle, das keinen Beschluss brauche.

Politik auf GWA nicht gut zu sprechen

Zum teils kritischen Blick trägt bei, dass die Kreis-Entsorgungsgesellschaft GWA bei einigen nicht wohl gelitten ist. „Ich möchte auf keinen Fall, dass die Gemeinde hier die Arbeit der GWA macht“, sagte Lampersbach mit dem sinngemäßen Verweis, dass die Gesellschaft dem Ausschuss mal das Blaue vom Himmel versprochen, aber nicht geliefert habe.

Entsorger in der Bringschuld

Klaus Viertmann (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe: Die versprochene Aufklärung zur richtigen Sortierung habe die GWA „sträflich vernachlässigt“. Dass die seit 1996 verpflichtende Gefährdungsabschätzung hier nicht vorliege, hätte längst die Aufsichtsbehörde auf den Plan rufen müssen. Die Gemeinde müsse Acht geben, dass der Entsorger seinen Job macht – und nicht machen lässt.

Tonne soll zur Haushaltsgröße passen

Strittiger als die sichere Routenplanung der Müllabfuhr ist die Absicht, in Bönen einzuführen, was alle anderen im Kreis Unna längst haben und Empfehlung in den Mustersatzungen ist: eine Mindestgröße der grauen Tonne im Verhältnis zur Größe des Haushalts. Da ginge es den Knausern ans Portemonnaie, die nur das kleinste Angebot wählen (60 Liter, vierwöchige Leerung, 80,64 Euro/Jahr) und alles, was nicht mehr hineinpasst, zu Lasten aller anderen anderweitig entsorgen. Die wiederkehrenden Probleme mit Unrat in der Wertstoff- und Biotonnen belegen das deutlich.

So kommt das Team im Rathaus – nach aufwendiger Rechnung samt Schüttverdichtungsfaktor – zu dem Schluss, dass zehn Liter pro Nase im Haushalt ein Maß wären, mit dem verursachergerecht abgerechnet, sauber entsorgt und in der Gesamtbilanz die Gebührenlast durch weniger Fehleinwürfe gesenkt werden kann.

Vertagung: CDU rechnet noch mal nach

Sebastian Böhnke bat für die CDU um Vertagung der Entscheidung. Die Fraktion hatte noch Fragen zu der Berechnung. Der Genosse Lampersbach ließ an den Papier kein gutes Haar: „Völlig falscher Ansatz, eine Bestrafung für alle, die brav ihren Müll sortieren“ und mit der kleinsten Tonne auskommen ohne zu mogeln. Vielfach werde wohl die 80-Liter-Tonne 14-tägig (215,04 Euro/Jahr) Mindestmaß sein. Das habe mit Gerechtigkeit nichts zu tun.

„In Einzelfällen“ höhere Gebühr die Folge

„In Einzelfällen kann es teurer werden“, räumte Eisler ein. Das Gros der Hasshalte betreffe das Beispiel aber nicht. Von den 8500 Haushalten nutzten etwa 600 bis 700 die 60-er-Tonne vierwöchig. Auch gehe es „nicht um Bestrafung“, sondern darum, durch passgenaue Strukturen „Aufwand und Kosten insgesamt zu verringern“. So, wie es in NRW gang und gäbe ist.

Exakte Berechnung im Vorfeld zu aufwendig

Eine genauere Berechnung hat die Verwaltung im Vorfeld nicht vorgenommen, weil diese aufwendig und der Abgleich heikel ist – oder mühsam. Jedenfalls könne die bestehende Tonnenverteilung nicht einfach mit dem Melderegister abgeglichen werden, so Eisler. Eventuell müssten alle Haushalte dazu befragt werden.

Skeptische Blick auf die Bio-Tonne

Dass die ordentlichen Mülltrenner und Sparfüchse über die Zehn-Liter-Regel klagen könnten, treibt wohl auch die Grünen um. So haderte Petra Baumgart in diesem Zusammenhang auch damit, dass die Bio-Tonne verpflichtender eingesetzt werden soll, „obwohl in der grauen Tonne oft noch Platz ist.“ Ihre nicht ganz regelkonforme Schlussfolgerung: „Da kann ich mir doch den Luxus erlauben und das da noch mit rein werfen.

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