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Humboldt-Realschule und Marie-Curie-Gymnasium Bönen bieten gemeinsam „Extrazeit“ zum Lernen

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Von: Sabine Pinger

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Humboldt-Realschule und Marie-Curie-Gymnasium bieten in den Weihnachtsferien „Extrazeit zum Lernen“ an.
Lehramtsstudent Daniel Coutinho unterstützt die elfjährige Yagmur Dencer (links) und ihre Mitschüler beim Lernen während der „Extrazeit“ am Bönener Marie-Curie-Gymnasium. © Volkmer

180 Tage im Ausnahmezustand: Von 270 Schultagen zwischen Januar 2020 und dem 20. Mai 2021 fand nur an einem Drittel normaler Unterricht an deutschen Schulen statt. Das belegt eine Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Auch die Bönener Schüler wurde in die verlängerten Ferien geschickt, mussten zu Hause lernen oder hatten Wechselunterricht. Klar, dass dabei einiges auf der Strecke geblieben ist. Am Marie-Curie-Gymnasium und der Humboldt-Realschule wird nun in den Ferien Lernstoff nachgeholt.

Bönen - Während die meisten ihrer Mitschüler an der Humboldt-Realschule derzeit noch die Weihnachtsferien genießen, macht sich Yagmur Dencer in dieser Woche morgens auf den Weg zur Schule – freiwillig. „Ich habe meine Eltern gefragt, ob ich das machen darf, und sie haben mich dann angemeldet. Mir macht es Spaß, in den Ferien zu lernen“, sagt die Elfjährige. Sie besucht die sechste Klasse an der Bönener Realschule. Ihr Lieblingsfach ist Englisch, wie sie verrät. Und das steht gerade auf dem „Stundenplan“ an diesem Vormittag. „Es ist ziemlich leicht“, stellt das Mädchen fest und blickt auf ihre Aufgaben. Die löst sie selbstständig im „Mogelpalast“ des Marie-Curie-Gymnasiums. Bei Fragen helfen Max Kuhn und Daniel Coutinho, die beiden Betreuer, die für ihre Gruppe zuständig sind.

Die beiden jungen Männer arbeiten normalerweise in der Übermittagsbetreuung am Schulzentrum. Jetzt haben sie sich für die „Extrazeit zum Lernen“ gemeldet. Verantwortlich sind sie an vier Vormittagen in der zweiten Ferienwoche für 15 Kinder. „Sie arbeiten gut mit“, berichtet Kuhn. Das Lernen ist ein anderes als im regulären Schulalltag. Die Schüler bestimmen ihr Tempo weitgehend selbst, das Angebot konzentriert sich auf die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Englisch und die Arbeit in der kleinen Gruppe fällt sowohl den Betreuern als auch den Schülern deutlich leichter.

Spaß am Extra-Unterricht

„Das macht Spaß, und man verbessert sich“, gibt im Nachbarraum die elfjährige Lina Demirel an. „Die drei Stunden pro Tag helfen richtig“, pflichtet ihr ihre Sitznachbarin Lara Obst bei. „Alle sind ruhig und es lacht keiner, wenn man mal eine Frage hat oder etwas Falsches sagt – anders als in der Klasse“, hat der Zwölfjährige Gerrit Wagner sogar echte Vorteile gegenüber dem Regelunterricht ausgemacht. Und mal eine ganze Schule für sich zu haben, finden die Mädchen und Jungen außerdem „voll cool“.

Förderprogramme

Mit dem Programm „Extrazeit zum Lernen“ fördert die Landesregierung außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote für Schüler aller Leistungsniveaus, Schulformen und Jahrgänge in Nordrhein-Westfalen. Abgefedert werden sollen damit die Auswirkungen der Pandemie auf die Lernentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Bis zum Sommer stehen dafür bis zu 60 Millionen Euro zur Verfügung. Die Fördergelder werden vom Schulträger bei der Bezirksregierung beantragt. Darüber hinaus gibt es bereits Folgeprogramme: das Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“, für das bis zu 215 Millionen Euro nach NRW fließen sollen, „Extrapersonal“ mit dem zusätzliche Kräfte an den Schulen beschäftigt werden können, „Extrageld“ für zusätzliche Materialien sowie „Extrablick“ mit Mitteln für überfachliche Diagnosen und Förderungen von Schülern, die besonders unter den Folgen leiden.

Die drei Gymnasiasten haben sich ebenso wie Yagmur Dencer freiwillig für die „Extrazeit“ gemeldet. Insgesamt nehmen 53 Schüler von beiden Schulen daran teil, neben Kuhn und Coutinho kümmern sich sechs weitere Betreuer um die Fünft- und Sechstklässler. Einen solchen Betreuungsschlüssel, zwei Lehrkräfte für 15 Kinder, würden sich Schulleiterin Petra Coerdt von der Realschule und ihre Kollegin Bianca Giese, kommissarische Leiterin des MCG, häufiger wünschen, wie sie sagen. „Es ist schon ein großer Unterschied, statt mit 30 Schülern nur mit der Hälfte zu arbeiten“, stellt Coerdt fest.

Der Großteil der Betreuer arbeitet üblicherweise in der Übermittagsbetreuung am Schulzentrum, es sind Lehramtsstudenten, und eine Referendarin ist ebenfalls mit dabei. „Für unsere Kollegen ist jetzt gerade Hochkorrekturzeit. Bald ist die Notenabgabe für das erste Halbjahr. Deshalb war klar, dass sie dafür keine Kapazitäten haben“, erklärt Petra Coerdt, warum sich aus dem Kollegium niemand beteiligt. Zudem bräuchten viele Lehrer gerade jetzt eine Atempause. Die Pandemiezeit hätte viel von den Pädagogen abverlangt.

Schulen überrascht von der hohen Resonanz

Geplant hatten die beiden Schulen zunächst zwei Gruppen für das erste Ferienangebot, vorrangig für die Schüler, die für die Übermittagsbetreuung angemeldet sind. Am Ende kamen jedoch noch etliche andere Schüler mit dazu. „Wir waren gespannt, wie das überhaupt angenommen wird. Für uns ist es ja ein Pilotprojekt, wir haben so etwas noch nicht gemacht“, beschreibt die Schulleiterin. Mit Elternbriefen und auf ihren Internetseiten haben die beiden Schulen vorher über die „Extrazeit“ informiert“.

Von der großen Resonanz waren sie dann positiv überrascht – genauso darüber, wie freudig die Kinder jetzt zum Lernen kommen. „Viele kennen sich aber auch schon aus dem Klassenverband“, weiß Petra Coerdt. „Und es ist bewusst kein normaler Unterricht. Die Schüler sollen nicht drei Stunden am Stück lernen, sondern es soll außerdem Zeit zum Spielen und Bewegen bleiben“, berichtet Bianca Giese. Schließlich hätten sie in der Pandemiezeit daran ebenfalls großen Mangel. Die „Extrazeit“ soll nun ebenso das soziale Miteinander wieder fördern. An diesem Mittwoch steht Tischtennis auf dem Pausenprogramm. Gerrit Wagner findet das zum Beispiel klasse. „Und die Betreuer sind total nett.“

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