Bönener Landwirte kommen trotz Dürre bei der Ernte glimpflich davon

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Entspannt wie selten konnten die heimischen Landwirte jetzt ihre Ernte mit dem Mähdrescher einbringen.

BÖNEN Ein nasser Herbst, ein später Winter, ein sonniges Frühjahr und schließlich ein extrem trockener und heißer Sommer: Aus Sicht der Landwirte ist das aktuelle Jahr ein sehr spannendes. Dabei kommen die Bönener Landwirte im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Landesteilen noch ganz gut weg.

Das stellt Christian Möllmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Bönen fest. Während die Bauern im Norden und Osten Deutschlands das Schlimmste befürchten, kommen die Bönener bei der Ernte noch einmal glimpflich davon.Die Erträge der Bauern in der Gemeinde liegen demnach momentan leicht unter dem Durchschnitt.

Sie fallen sogar noch etwas schlechter aus als im vergangenen Jahr, obwohl 2017 aus landwirtschaftlicher Sicht auch nicht gerade ein Spitzenjahr war. „Der Winterraps war in diesem Jahr sehr bescheiden“, so Christian Möllmann. „Für Überraschungen hat hingegen der Winterweizen gesorgt. Er hat mehr Ertrag gebracht, als erwartet.“ 

Der Landwirt führt dies auf die gut wasserspeichernden Böden in Bönen zurück, die einiges an Trockenheit kompensieren könnten. Die Gersteernte sei schließlich weder besonders schlecht, noch besonders gut ausgefallen. Diese Winterfeldfrüchte, wurden im Herbst gesät, der den Pflanzen mit viel Regen schwierige Startbedingungen geboten hatte.

Der Winter kam dann auch noch sehr spät und zog sich mit frostigen Temperaturen bis in den März hinein. „Anfang April hatten wir eine Vegetationsverzögerung von teilweise bis zu 14 Tagen“, berichtet Möllmann. Der Monat hätte sich aber so entwickelt, dass die Pflanzen den Rückstand auf erstaunliche Weise mehr als aufgeholt hätten. 

Wie es nun mit den Sommerungen aussieht, also mit den Feldfrüchten, die im Frühjahr in die Erde gekommen sind, kann Möllmann noch nicht abschließend feststellen. Die anhaltende Trockenheit macht den Pflanzen stark zu schaffen. „Der Mais leidet“, sieht der Fachmann aber. „Und bei den Zuckerrüben liegen die Blätter abends am Boden.“ 

Auch bei den Kartoffeln rechnet er mit schlechteren Erträgen. „Wir hoffen aber, dass der Regen am Samstag etwas gebracht hat. Ich habe mich selten so sehr über Regen gefreut.“

Tatsächlich hat der Lippeverband an seiner Messstation in Bönen am Samstagabend einen Niederschlag von 31 Litern pro Quadratmeter gemessen. Zwar muss es nicht jedes Mal ein solches Starkregenereignis sein – in dieser Größenordnung kommt das laut Lippeverband etwa alle 50 Jahre vor –, mehr Regen wünscht sich der Diplom-Agraringenieur aber auf jeden Fall. „Wir bräuchten dringend noch mal mindestens drei Tage Regen.“

Preise für Weizen und Kartoffeln werden steigen

Probleme hätten jetzt vor allem die Kollegen, die Viehfutter wie Heu oder Grassilage produzieren. „Der erste und zweite Schnitt war noch in Ordnung, aber danach ging nichts mehr.“ Das könnte jeder nachvollziehen, der Rasen im Garten hat. „Der wächst ja gar nicht mehr.“ 

Richtig klagen möchte Christian Möllmann aber nicht. „In anderen Regionen sieht es deutlich schlechter aus als bei uns“, so der Bönener. Deutschland teile sich in drei Bereiche auf. So hätten die Landwirte im Norden große Probleme, im Osten, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, sei die Situation zum Teil katastrophal. Die Bauern dort hätten erhebliche Ernteausfälle.

Insgesamt fällt die Ernte in Deutschland in diesem Jahr deutlich unterdurchschnittlich aus. Das würden auch die Verbraucher merken. „Die Preise für Brotweizen werden sicherlich steigen.“ Und das gelte ebenso für Kartoffeln und andere Feldfrüchte und Getreidesorten. 

Einen Vorteil habe der trockene, heiße Sommer aber auch. „Ich kann mich kaum an eine so entspannte Mähdrescherernte erinnern“, sagt Christian Möllmann. Durch die stabile Wetterlage hätten die hiesigen Bauern überhaupt nicht unter Druck gestanden, das Getreide zügig vom Feld zu holen. Was an einem Tag stehen geblieben ist, konnte unbesorgt am nächsten Tag eingeholt werden. „Und ich war noch nie so früh fertig damit. Am 23. Juli war die Weizenernte für mich abgeschlossen.“

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