Bönener Landwirte feiern 100-jähriges Bestehen

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Die Bönener Landwirte schlossen sich vor 100 Jahren zu Ortsvereinen zusammen. Die heutige Generation der Landwirte weiß diese Zusammenarbeit immer noch zu schätzen.

Bönen – Auf 100 Jahre Gemeinschaft blicken die Landwirtschaftlichen Ortsvereine Bönen und Bönen-Ost in diesem Jahr zurück. Gefeiert wird das Jubiläum am 20. Juni mit zahlreichen geladenen Gästen auf dem Hof von Michael und Anke Becks-Lohmann.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes NRW, hat ihre Teilnahme zugesagt. 

Am 4. März 1919 kamen Landwirte aus Bönen zusammen, um „die Landwirtschaft im Vereinsbezirk zu fördern und den Landwirtschaftlichen Kreisverband in seinen Bestrebungen zu unterstützen“.

Wenige Dokumente aus der Anfangszeit

Außer dieser Zielsetzung aus einem Satzungspapier gab es keine weiteren Unterlagen, etwa eine Chronik oder ein Protokollbuch.

Weder Namen von Gründern, Vorständen und Mitgliedern noch Informationen zu Vereinsaktivitäten ließen sich auftreiben. Erst ab 1948 sind die Vorsitzenden der Ortsvereine bekannt, die sich jetzt auf die einzelnen Ortsteile in Ost, West, Nord und Süd ausgerichtet hatten. Informationen lieferten später verschiedene archivarisch gesicherte Presseberichte. 

Die Gründung des Vereins fiel in eine schwierige Zeit, der weitere dramatische Umbrüche folgten. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches war in Berlin die Bildung von „Bauernräten“ angeregt worden. Es sollten „die Volksernährung, die Ruhe auf dem Lande und die Fortführung der landwirtschaftlichen Betriebe sichergestellt“ werden. 

Diese Räte lösten sich auf. Sie wandelten sich um in Landwirtschaftliche Ortsvereine und bildeten den Unterbau des Westfälischen Bauernvereins. Gegründet 1862 von Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst, war er bis 1933 mit 48 000 Mitgliedern der einflussreichste Agrarverband Westfalens. Die Landwirte hatten in den 20er Jahren an verschiedenen Fronten zu kämpfen, wie Karl-Heinz Bennemann, ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Ortsvereins Nord (Nordbögge), berichtet. 

Landwirte als "Reichsnährstand" ab 1933

Es galt, den eigenen Betrieb in Gang zu halten oder wieder aufzubauen und die eigene Versorgung zu sichern. Die Erträge sollten gesteigert werden, eine Forderung zur Behebung der katastrophalen Ernährungslage der Bevölkerung. Durch die Kriegsverluste fehlte es an Fachkräften und Helfern. Eine nennenswerte Stromversorgung gab es erst ab 1920. 

Der Einsatz von Maschinen kündigte sich zwar an, ersparte aber nicht die übliche Handarbeit und den Einsatz von Arbeitstieren. Zumindest hatte man die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur besseren Planung. Man konnte den Einkauf von Maschinen, Saatgut und Dünger steuern. „Man kann von einer Stärkung der bäuerlichen Strukturen in den Folgejahren sprechen,“ so Bennemann. Gestoppt wurde die Entwicklung ab 1933. 

Die landwirtschaftlichen Verbände wurden entmachtet. Sie fanden sich später im „Reichsnährstand“ wieder, mit dem zur „Erzeugungsschlacht“ aufgerufen worden war. Ziel war die Steigerung der Erträge mit vollständiger Autarkie des Landes in der Nahrungsmittelproduktion gegenüber dem Ausland. Das wurde nie erreicht. Nach dem zweiten Weltkrieg trieb man eine schnelle Neuorganisation voran. Die Aufteilung des Ortsvereins in vier Gruppen trug zur Intensitätssteigerung bei. 

Revolution dank Technik

In Süd mit Bramey, Flierich und Lenningsen waren Karl-Heinz Ahleff und Rudi Louven die Vorsitzenden. Für Nordbögge mit Altenbögge und Lütgenbögge zeigten sich Karl-Heinz Bennemann und Hans-Otto Kemmer in Nord zuständig. West fusionierte mit Süd unter dem Vorsitz von Christian Möllmann, heute Ortsverein Bönen. Im Bönen-Ost gab es eine Reihe von Vorsitzenden: Heinrich Böckelmann, Heinrich Lüblinghoff, Friedrich-Wilhelm Poth, Heinz-Dieter Becks-Lohmann, Karl-Gustav Gahr, Ulrich Pohlmann und aktuell Volker Gräfingschulte. 

Ab 1950 setzte eine wahre Revolution in der Landwirtschaft ein. Die beginnende Vollmotorisierung veränderte die Produktionsmethoden. Dazu gehörten kompatible Maschinen. Technik krempelte die Landwirtschaft um. Heute gehört dazu, dass immer weniger Bauern immer mehr Land bearbeiten und die frühere Produktionsvielfalt in Gefahr gerät. Spezialisierung liegt im Trend, begleitet von neueren Problemen wie etwa die Akzeptanz in Teilen der Gesellschaft mit Forderungen nach dem Erhalt natürlicher Ressourcen und naturnaher Bewirtschaftung. 

Entscheidungen, die die Landwirte für die Zukunft treffen müssen, um ihrem Beruf mit der gleichen Leidenschaft wie seit 100 Jahren nachgehen zu können.

Das Festprogramm

10 Uhr: Hofandacht mit Pfarrer Joachim Zierke; Begrüßung der Gäste durch die Vorsitzenden Christian Möllmann und Volker Gräfingschulte, anschließend gemeinsames Frühstück 

gegen 11.30 Uhr: Ansprache Ministerin Ina Scharrenbach, Grußworte weiterer Gäste Gesprächsrunde: 100 Jahre Landwirtschaft in Bönen, mit Karl-Heinz Bennemann, Ulrich Pohlmann und Clemens Kemmer. Moderation: Christian Möllmann 

Im weiteren Verlauf gibt es ein gemeinsames Kaffeetrinken. Begleitet wird die Veranstaltung von Mitgliedern des Bläserchors der Evangelischen Kirchengemeinde Bönen.

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