Bönener Kreditinstitute warnen vor den Tricks der Betrüger

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Bönen – „Herzlichen Glückwunsch. Sie haben gewonnen!“ Solche frohen Botschaften liest jeder gerne. Beim Kleingedruckten lässt die Begeisterung allerdings nach. Aber was soll’s: 500 Euro Bearbeitungsgebühr zu überweisen, um dann den Gewinn in Höhe von 100 000 Euro ausgezahlt zu bekommen, ist doch ein gutes Geschäft, oder? Nein, ist es nicht, warnen Hendrik Kampert und Oliver Drave von der Volksbank Bönen sowie Thorsten Middendorf von der Sparkasse Bergkamen-Bönen. Sie kennen die Maschen, mit denen Betrüger ihre Opfer berauben.

Das gilt übrigens genauso bei der überraschenden Erbschaft, die nur ausgezahlt wird, wenn zuvor der Erbschein bezahlt wird. „Die Kosten dafür werden grundsätzlich aus der Erbmasse bestritten. Die Erben müssen nichts bezahlen“, weiß der Leiter der hiesigen Geschäftsstelle der Sparkasse Bergkamen-Bönen. 

Die Methode ist nicht immer so offensichtlich wie in dem oben genannten Beispiel. Die Kriminellen gehen äußerst geschickt vor, wickeln ihre Opfer regelrecht ein. „Wir hatten einen Fall, bei dem drei Kollegen vergeblich versucht haben, einen Kunden davon abzubringen, 500 Euro in ein außereuropäisches Ausland zu überweisen, weil ihm ein Gewinnversprechen gemacht wurde“, erzählt Hendrik Kampert. Er ist als Bereichsleiter für das Privatkundengeschäft bei der Bönener Volksbank zuständig. Am Ende habe der Mann auf die Überweisung beharrt. Schließlich sei es sein Konto und sein Geld. 

In solchen Fällen sind den Bankmitarbeitern die Hände gebunden. „Wenn der Kunde nicht einsichtig ist, obwohl wir ihn deutlich darauf hinwiesen, dass es sich vermutlich um einen Betrugsversuch handelt, können wir leider nichts machen. Wenn wir aber darauf aufmerksam gemacht werden, können wir in den meisten Fällen den Schaden verhindern“, stellt Oliver Drave vom Vorstandsteam der Volksbank fest. 

Persönlicher Kontakt verhindert Schaden

Kunden der beiden Kreditinstitute vor Ort haben nämlich einen großen Vorteil gegenüber denen, die ihre Konten bei einer Direkt- oder Großbank haben. „Uns sind die meisten Kunden persönlich bekannt“, erklärt Kampert. „Und wir schauen uns die papierhaft eingereichten Überweisungen noch sehr genau an“, fügt Oliver Drave hinzu. „So können wir dann auch reagieren, wenn ein Rentner, beispielsweise plötzlich eine ungewöhnlich große Summe Geld abheben oder überweisen möchte“, berichtet Thorsten Middendorf, der die Sparkassengeschäftsstelle in der Gemeinde leitet. 

Die drei Finanzfachleute Thorsten Middendorf, Oliver Drave und Hendrik Kampert haben schon einige Betrugsversuche erlebt. FOTO: PINGER

Er kennt noch einen weiteren „Klassiker“: „Jemand möchte sein Auto verkaufen, bietet es im Internet an, und es meldet sich ein Käufer aus England. Der schickt einen Scheck, der zum Beispiel um 2000 Euro höher ausgestellt wurde als der vereinbarte Kaufpreis. Der vermeintliche Käufer meldet sich, erklärt, dass der Scheck nicht anders ausgestellt werden konnte oder ihm ein Fehler unterlaufen ist. Der Verkäufer solle ihm das Geld einfach zurücküberweisen. Und dann platzt der Scheck“, schildert Middendorf.

„Gerade aus dem englischen und amerikanischen Raum können Schecks noch Wochen später zurückgeholt werden“, berichtet Oliver Drave. „Man sollte sich daher immer fragen, wohin die Gelder gehen“, rät Hendrik Kampert. Die meisten Betrugsüberweisungen gehen nämlich ins Ausland. Wenn vorgeblich die Staatsanwaltschaft Nürnberg anruft und eine Überweisung auf ein Konto mit ausländischer IBAN-Nummer fordert, ist das mit Sicherheit nicht seriös. 

„Bei uns sind die Konten grundsätzlich für Auslandsüberweisungen gesperrt. Wer etwas ins Ausland überweisen möchte, muss sein Konto extra dafür freischalten lassen“, erklärt Thorsten Middendorf einen Sicherheitsmechanismus bei der Sparkasse, der die Kunden vor solchen Abzocken schützen soll. 

Vorsicht bei Verkäufen über das Internet

„Generell ist es aber schon merkwürdig, wenn jemand ein Auto kauft, ohne es gesehen oder gefahren zu haben. In der vergangenen Woche kam ein Kunde zu uns, der einen Scheck dafür bekommen hat und den Fahrzeugbrief rausschicken sollte. Wir haben ihm dringend davon abgeraten. Zum Glück hat er auf uns gehört“, so der Geschäftsstellenleiter. Möglicherweise wäre der Scheck geplatzt, sobald der Brief bei dem neuen Besitzer eingegangen wäre.

Misstrauisch sollten Verkäufer auf jeden Fall werden, wenn ein Interessent mehr für den Pkw, das Motorrad oder das Designerstück bietet als alle anderen. „Wenn es zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr“, macht Kampert deutlich. 

Es geht aber noch anders: „Man lernt sich auf dem Bahnhof kennen, fährt gemeinsam mit dem Zug und freundet sich an. Der neue Bekannte erzählt, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckt und sein Konto gesperrt wurde. Er erwartet nun aber eine größere Summe. Ob er das Geld wohl auf das Konto des neuen Freundes überwiesen lassen könnte? Der bekommt dafür auch 100 Euro“, beschreibt Middendorf einen weiteren kriminellen Trick. Auf den ersten Blick denken sich die meisten nichts Böses dabei. Immerhin bekommen sie ja Geld und sollen selber nichts bezahlen. Am Ende wird der Betroffene jedoch in einen Überweisungsbetrug verwickelt. Das Geld stammt zum Beispiel aus einem Online-Verkauf, bei dem der Käufer die versprochene Ware niemals sehen wird. Aber auch Geldwäsche ist möglich. 

Täter arbeiten mit allen Mitteln

„Bei allen Dingen, die nicht alltäglich sind, sollte man sich eine zweite Meinung einholen“, empfiehlt Oliver Drave. Er und seine Kollegen von den beiden hiesigen Kreditinstituten stünden dafür jederzeit zur Verfügung. Drave weiß, wie gründlich die Kriminellen zu Werke gehen. „Die führen oft mehrere Gespräche mit ihren Opfern, erschleichen sich das Vertrauen und benutzen verschiedene Strategien.“ Sie geben sich unter anderem als Polizeibeamte, Mitarbeiter des Finanzamtes oder einer serösen Organisation aus und klingen dabei sehr glaubwürdig. Die Täter sind Profis, wissen, mit welchen psychologischen Mitteln sie die Menschen manipulieren können. 

Deshalb muss sich niemand schämen, der einem Betrüger aufgesessen ist. „Viele gehen aber aus Scham nicht zur Polizei. Das sollten sie aber unbedingt tun, schon, um andere davor zu bewahren“, so Drave. 

Im Übrigen sind es keineswegs nur ältere Menschen, die den Betrügern auf den Leim gehen. Auch jüngere fallen regelmäßig auf die Übeltäter herein, beim Einkaufen im Internet etwa. „Nicht alles, was im Internet passiert, ist sicher“, mahnt Hendrik Kampert. Er rät dazu, beim Bezahlen der Online-Käufe entweder das Bezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen, Paydirekt, zu verwenden, welches über hohe Sicherheitsstandards verfügt, oder die Kreditkarte zu nutzen. „Wenn ich mit der Kreditkarte bezahle, muss ich den Kauf mit einer Tan (Transaktionsnummer) bestätigen. So kann ich sicher sein, dass man mit meinen Daten kein Schindluder betreibt. Außerdem trage ich nur das Risiko, wenn ich grob fahrlässig handele.“

Das schützt vor Betrug:

-  Niemals Kontendaten, Passwörter, Benutzernamen, Sicherheitsfragen, Pin oder Tan telefonisch herausgeben.

-  Keine Bank, keine Sparkasse, ruft an und fragt Zugangsdaten ab. Die Mitarbeiter der Kreditinstitute haben über ihre Systeme selbst Zugriff auf die Kundendaten.

- Überweisungen, die ins Ausland gehen sollen, immer kritisch hinterfragen und gegebenenfalls den Bankmitarbeiter zurate ziehen.

- Wenn jemand bei einem Verkauf mehr für etwas bietet, als alle anderen, ist Misstrauen angebracht.

-  Vorsicht bei Schecks! Keine Wertsachen oder Papiere herausgeben, bevor nicht sicher ist, dass er gedeckt ist. Manche gehen erst Wochen später zurück. Zu hoch ausgestellte Schecks könnten ebenfalls eine Falle sein. Niemals Geld zurücküberweisen.

- Keine Überweisungsgeschäfte für Fremde abwickeln, auch wenn sie noch so vertrauenswürdig und nett erscheinen. 

- Grundsätzlich sensibel mit persönlichen Daten umgehen: Nur preisgeben, was unbedingt sein muss. 

-  Online-Geschäfte mit dem sicheren, deutschen Bezahlsystem Paydirekt abwickeln oder mit der Kreditkarte bezahlen.

- Die Pin (Persönliche Identifikationsnummer) an Geldautomaten oder den Kassen in den Geschäften verdeckt eingeben. Wer das Gefühl hat, dabei beobachtet worden zu sein, sollte die Pin sofort an einem Geldautomaten ändern. 

- Lieber einmal zu viel zum Telefonhörer greifen: Wer unsicher ist, ob der Überweisungsauftrag in einer E-Mail, einem Brief oder einem Fax echt ist, sollte unbedingt beim Empfänger nachfragen – und zwar nicht unter der im Anschreiben angegebenen Telefonnummer. Die sollte lieber im Telefonbuch herausgesucht werden.

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