Bönener Kommunalpolitiker erzählen, warum sie sich engagieren: Thorsten Leyer, CDU

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Seit 21 Jahren ist Thorsten Leyer CDU-Mitglied und wirkt in der Kommunalpolitik mit.

Bönen – Wie soll sich die Schullandschaft in der Gemeinde entwickeln, wo ein neues Wohngebiet entstehen? Braucht Bönen einen weiteren Autobahnanschluss, eine Kita oder einen Kreisverkehr an einer unfallträchtigen Stelle? Über all diese Fragen entscheiden Bönener – diejenigen, die sich politisch im Ort einbringen und in den Gemeinderat gewählt wurden. Warum sie einen Teil ihrer Freizeit dem Gemeinwohl widmen, erklären einige Kommunalpolitiker der verschiedenen Parteien in dieser Serie.

Wenn die Politik eines Thorsten Leyer gelehrt hat, dann ist es Geduld. „Politik ist wie das Bohren dicker Bretter“, sagt er, „es geht nichts von heute auf morgen. Wenn etwas schnell geht, dann dauert es ein Jahr, ansonsten eher zwei.“ 

Ein bisschen anders hatte es sich der Bönener vorgestellt, als er vor 21 Jahren CDU-Mitglied wurde. „Ich bin mit dem Gedanken angetreten: 'Jetzt bringe ich richtig was raus, was Bönen nach vorne bringt’“, erzählt der heute 48-Jährige. Damals habe er jedoch schnell festgestellt, dass das nicht so einfach ist. „Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie. Man muss Mehrheiten finden, um etwas zum Positiven zu wenden. Und man muss Kompromisse eingehen. Das ist so ähnlich wie in einer Familie: Man bespricht etwas gemeinsam, schaut sich die Finanzen an und muss dann abwägen, ob es machbar ist.“ 

Dass sich aber überhaupt nur etwas bewegt, wenn Menschen aktiv werden, ist einer der Gründe, warum Thorsten Leyer politisch in seiner Heimatgemeinde mitwirkt. „Ich wollte nicht zu den Leuten gehören, die immer nur meckern, sondern etwas verändern“, sagt er. Sicher hat ihn dabei auch sein Vater geprägt. Wilfried Leyer war viele Jahre lang als Ratsherr für die CDU in Bönen tätig. 

Politische Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch

Trotzdem konnte sich Thorsten Leyer in jungen Jahren nicht vorstellen, selbst in die Kommunalpolitik zu gehen. Erst als er verheiratet war und eine Familie gegründet hatte, begann er, sich damit zu beschäftigen. „Ich habe vorher mit meiner Frau gesprochen. Schließlich wusste ich von Zuhause, was es bedeutet, sich politisch zu engagieren.“ Konkret nämlich mindestes zwei Termine pro Woche, Sitzungen, Veranstaltungen, Treffen. Hinzu kommen die Stunden, die die Ratsmitglieder damit verbringen, sich durch Beschlussvorlagen, Ratsanträge, Anfragen und Co. zu arbeiten. Die Familie muss da schon mitziehen. Meike Leyer unterstützt ihren Mann, und so wurde er mit 27 Jahren CDU-Mitglied und kandidierte für den Rat. „Als Anfänger stand ich natürlich ziemlich weit hinten auf der Liste. Erst war ich Sachkundiger Bürger und konnte in die Arbeit hineinschnuppern.“ Fünf Jahre später übernahm Leyer ein Ratsmandat. 

Inzwischen sitzt er im Fachausschuss für Planen, Bauen und Umwelt und im Rechnungsprüfungsausschuss der Gemeinde, ist im Partei- und Fraktionsvorstand der CDU. „Je länger man dabei ist, umso mehr Verantwortung muss man auch übernehmen“, weiß der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Ganz nach vorne, eine politische Karriere machen, wollte er aber nie. „Wenn ich im Büro sitzen würde und mich tagsüber auch kümmern könnte, wäre das etwas anderes. Aber ich bin im Entstördienst tätig. Während der Arbeitszeit bin ich nicht zu erreichen“, trennt der Industrieelektroniker seinen Beruf und seinen politischen Einsatz genau. 

Arbeitsplätze: Das ist überhaupt ein Thema, das Leyer wichtig ist. „Als ich 1988 mit der Schule fertig war, war Gröblinghoff der größte Arbeitgeber im Ort. Ausbildungsplätze gab es hier so gut wie keine“, erinnert er sich. Er selbst begann seine Lehre in der Nachbarschaft, bei dem Bergkamener Pharmaunternehmen Schering, das heute zur Bayer AG gehört. „Für meine Kinder habe ich mir gewünscht, dass mehr Ausbildungsplätze vor Ort geschaffen werden.“ Das Industriegebiet, für das die Kommunalpolitiker der Gemeinde seinerzeit den Weg frei gemacht haben, bietet nun Tausende Arbeits- und etliche Ausbildungsplätze. „Ich weiß, dass dort viele Auswärtige arbeiten, aber je länger das Industriegebiet besteht, umso mehr Bönener finden dort einen Ausbildungsplatz. Das muss man langfristig sehen“, ist er sich sicher. „Wenn ich heute aus der Schule käme, hätte ich in Bönen eine Menge Möglichkeiten.“ 

Nicht immer geht es um das große Ganze

Leider gehe es in der Lokalpolitik aber nicht immer um das große Ganze, wie einst mit dem Industriegebiet. „Wir verstricken uns im Rat oft in Kleinstsachen“, bedauert Leyer. Ein überstehender Gullydeckel an einer Baustelle ist für ihn kein Thema für den Rat oder einen Ausschuss. Und wie ein Kreisverkehr gestaltet werden soll, sei eigentlich nebensächlich. „Viel wichtiger sind die Dinge, die die Gemeinde wirklich nach vorne bringen, schöner machen und die langfristig von Bedeutung sind, wie etwa der Bahnhofsumbau und der Fußgängertunnel.“ 

Ob er tatsächlich noch als Ratsmitglied die Eröffnung der Bahnunterführung erlebt, mag der 48-Jährige nicht sagen. Aber: „Nie waren wir so nah dran wie heute.“ Auf jeden Fall eine Chance, das Großereignis politisch zu begleiten, hat sein Sohn Lukas Leyer. Der tritt nämlich in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters und bewirbt sich bei der Kommunalwahl im September für die CDU um einen Sitz im Gemeinderat. Über das Interesse und die Einsatzbereitschaft des 24-Jährigen freut sich der Vater natürlich. 

Leyer stellt aber auch fest, dass der Ton im Rat in den vergangenen zwei Jahrzehnten rauer geworden ist. „Als ich angefangen habe, haben sich die Ratsmitglieder zumindest im öffentlichen Teil gesiezt, selbst wenn vor der Tür alle per Du waren“, erinnert er sich an einen höflicheren Umgang. Heute wären stichelnde Untertöne, Seitenhiebe und unsachliche Kommentare durchaus an der Tagesordnung. Dennoch gelinge die Zusammenarbeit noch immer. „Letztlich wollen alle, die im Rat sitzen, etwas Gutes für Bönen. Sie gehen nur verschiedene Wege“, sagt Leyer. Dass nicht alle getroffenen Entscheidungen immer die Zustimmung jedes Böneners haben, sei normal und verständlich. 

Und natürlich gebe es immer Leute, die nölen. „In 21 Jahren habe ich es selten erlebt, dass jemand sagt, das habt ihr gut gemacht. Und es gibt immer wieder Situationen, in denen ich mich frage, warum ich mir das überhaupt antue.“ Die viele Freizeit, die er für sein Engagement opfert, könnte er wahrscheinlich häufig angenehmer verbringen, als in langen Diskussionen, Beratungen und – aktuell – im Wahlkampf. Gerade jetzt, in der Corona-Krise, in der wochenlang sämtliche Termine ausgefallen sind, konnte er das gut feststellen. „Ich habe gemerkt: Ich kann auch ohne“, sagt Leyer und lacht. Ans Aufhören denkt er aber nicht. „Die 25 Jahre im Rat will ich auf jeden Fall vollmachen.“ Und so steht er wieder auf der Kandidatenliste der CDU für den Gemeinderat. Schließlich werde es vom Reden allein nirgendwo besser. Deshalb treibt ihn das Gefühl, etwas bewegen zu können, stets neu an.

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