Viele Eltern sind besorgt

Bönener Kitas zwischen Infektionsschutz und Betreuungsbedarf

Leere Haken an der Garderobe in der DRK-Kita-Puzzlekiste
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In den Kitas bleiben derzeit einige Plätze leer. Nicht alle Eltern wollen ihre Kinder betreuen lassen, obwohl sie im Gegensatz zum ersten Lockdown dürften.

Bönen – Es ist stiller als sonst. Immerhin spielen und toben in Bönens größter Kindertageseinrichtung, der DRK-Kita Puzzlekiste, zurzeit nur etwa 40 Mädchen und Jungen – statt der üblichen 112 Kinder. „Die Eltern reagieren sehr vorbildlich und organisieren die Betreuung jetzt anders. Sie behalten ihre Kinder lieber zu Hause“, weiß Einrichtungsleiterin Sandra Weniger. Dabei ist es den Familien momentan freigestellt, ob sie die Kleinen in der Kita bringen möchten oder nicht.

„Die Eltern sind aber sehr vernünftig und versuchen ihren Teil dazu beizutragen, dass die Infektionsketten unterbrochen werden“, stellt Sandra Weniger fest. Einige hätten bereits angekündigt, ihre Töchter oder Söhne den ganzen Januar über nicht mehr in die Kita bringen zu wollen. Die meisten Mütter und Väter würden die Betreuung dort wirklich nur in Anspruch nehmen, wenn sie keine andere Möglichkeit sehen, etwa weil beide Elternteile aufgrund ihrer Berufstätigkeit ihre Kleinen nicht daheim beaufsichtigen können. Das bedeutet, dass manche Kinder nur ein, zweimal pro Woche an die Woortstraße kommen, andere an allen fünf Werktagen.

Um zu verhindern, dass sich die Gruppen „durchmischen“ und Mädchen und Jungen stets in einem festen Kreis betreut werden, sind in der DRK-Kita nach wie vor alle sechs Gruppen geöffnet. Pro Gruppe sind mindestens zwei Erzieherinnen im Dienst, sodass dort im Augenblick immer zwölf bis 13 Mitarbeiter vor Ort sind. „Hinzu kommen einige Halbstagskräfte, die die Gruppen verstärken“, erklärt Sandra Weniger. Geöffnet ist die Puzzelkiste vorerst von 7 bis 15 Uhr. „Wenn die Kinder danach weg sind, desinfizieren wir alles und schließen dann um 15.30 Uhr ab“, erzählt sie.

Mitarbeiter teilen sich die Aufgaben

Dass derzeit zwei Drittel der Kinder zu Hause bleiben, könne sich aber schnell wieder ändern. Wenn es an die Kapazitäten gehe und die Eltern wieder arbeiten beziehungsweise ihr Homeoffice verlassen müssten, werde sich die Zahl wieder erhöhen, rechnet Sandra Weniger demnächst wieder mit mehr Kindern in der Puzzlekiste. „Aber so soll es ja auch sein“, sagt sie.

In der evangelischen Kita Immanuel in Nordbögge wird das Betreuungsangebot hingegen noch recht gut angenommen. Von den angemeldeten 57 Mädchen und Jungen kommen immerhin rund 20 regelmäßig in die Einrichtung. „Familien, die ihre Kinder zu Hause lassen können, machen das. Die anderen bringen sie zu uns, weil sie arbeiten müssen oder andere Gründe haben“, berichtet Kita-Leiterin Jeannette Harder.

Aktuell sind nicht immer alle 14 Mitarbeiter vor Ort. „Wir teilen uns die Aufgaben und wechseln uns ab“, erzählt Jeannette Harder. Auf den reduzierten Stundenumfang regiert die evangelische Kita mit verschiedenen Modellen, die die Eltern mit den Mitarbeitern abstimmen, damit bei der Betreuung keine Lücken entstehen. „Das funktioniert sehr gut“, gibt Harder an.

Die Eltern der katholischen Kita Christ König sind hingegen recht vorsichtig. Nur etwa 20 Prozent der 67 Schützlinge dort kommen nun täglich in den Kindergarten. „Wenn möglich, betreuen die Eltern sie lieber zu Hause“, weiß Einrichtungsleiterin Birgit Schlottmann. Viele würden somit dem eindringlichen Appell des NRW-Familienministers Joachim Stamp folgen und die Kleinen nicht in die Kita bringen, um Kontakte weiter zu minimieren.

Dem Bedarf gerecht werden

Das versuchen Birgit Schlottmann und ihre Kolleginnen aber ebenso in der Kita. So werden die Kleinen bereits seit dem Sommer ausschließlich in festen Gruppen betreut. „Wir sind froh, dass wir noch kein teiloffenes Konzept umgesetzt haben“, sagt die Kita-Leiterin. „Wir haben im vergangenen halben Jahr immer sehr aufgepasst.“

Um trotz der seit Montag verringerten Betreuungsstunden dem Bedarf der Familien gerecht zu werden, hätten die Mitarbeiter an der Kirchstraße kreative Lösungen gefunden. „Das haben vor allem die Eltern sehr gut hinbekommen“, ist Birgit Schlottmann froh über die gute Zusammenarbeit und das Verständnis.

Um individuelle Lösungen geht es gleichfalls in den beiden Awo-Kitas in Bönen, im Familienzentrum Schatzkästchen und bei den Kleinen Forschern. „Wir richten ein besonderes Augenmerk auf die Bedarfe der Eltern“, verspricht Stefan Kuster, Sprecher des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems. Wie viele Kinder momentan in den jeweiligen Einrichtungen betreut werden, konnte er nicht angeben. „Da die Maßnahmen bereits vor Weihnachten angekündigt waren und bis zum 10. Januar galten, haben in der vergangenen Woche aber noch viele Eltern eine häusliche Betreuung ermöglicht.

Mit den nunmehr verlängerten Maßnahmen des eingeschränkten Betriebs müssen die Bedarfe jetzt neu abgestimmt werden“, so der Awo-Sprecher. Einige Eltern seien durchaus unsicher oder unzufrieden, weil die Situation insbesondere für Berufstätige doch eine große Herausforderung sei. „Bei einigen Eltern wird es Betreuungsengpässe geben, weil es ja jetzt schon bereits über einen längeren Zeitraum Pandemie begründete Einschränkungen gibt“, befürchtet Kuster. Die Planungen für die kommende Woche liefen in den Kitas jedoch auf Hochtouren, um bestmögliche Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen.

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