Bönener Kitas ärgern sich über „Bastelmasken“ der Landesregierung

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Aus diesen Einzelteilen sollen die Kitas ihren Nasen-Mundschutz selber basteln.

Bönen – Unterstützung hatte die Landesregierung den Kindertageseinrichtungen zugesagt, damit sie die schwierige Aufgabe gestemmt bekommen, am 8. Juni wieder für alle Kinder zu öffnen. Statt dessen landete beim Kreis Unna eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die für Ärger sorgt.

Jede Kita sollte Schutzmasken erhalten, damit die Erzieherinnen ausreichend geschützt sind. Das sorgt jetzt nicht nur in Bönen, sondern im ganzen Land für einen Eklat: Der Großteil der Masken, die das Land den Städten und Kreisen zur Verfügung stellt, entpuppt sich nämlich als Bastelset. 

In Mülltüten wurden die Stoffstücke, Gummis und Metallstäbe einzeln geliefert. Zusammengebaut werden soll das dann von den Erzieherinnen. „Wir sind überhaupt nicht glücklich über die Maskenaktion der Landesregierung“, sagt eine Sprecherin vom Kreis Unna. Das Land lieferte zum Neustart der Kitas 10 000 Masken in Einzelteilen und 6000 FFP2-Masken an das Jugendamt des Kreises, das für die Kommunen Bönen, Fröndenberg und Holzwickede zuständig ist. Eine Entlastung für die Kitas seien die Bastelmasken jedenfalls nicht, im Gegenteil.

Ein Foto sollte vor bösen Überraschungen schützen

„Um den Mitarbeitern der Kitas einen unnötigen Weg nach Unna und Überraschungen zu ersparen, haben wir ein Foto von den Einzelteilen mitgeschickt. Bisher haben erst drei Einrichtungen aus allen drei Orten Masken abgeholt.“ 

„Das geht gar nicht“, sagt Sandra Weniger, Leiterin der Kita Puzzlekiste an der Woortstraße. „Wir haben die Nachricht bekommen, die Masken liegen beim Jugendamt des Kreises Unna und können dort vom jeweiligen Träger abgeholt werden. Es sind auch fertig montierte Masken geliefert worden, aber weniger. Für uns kam das nicht in Frage, wir haben keine Zeit, auch noch Masken zu basteln. Wir haben selbstgenähte Masken für Treffen mit den Eltern. Bei den Kindern versuchen wir, das Maskentragen zu vermeiden, weil die Kinder sich sonst erschrecken, wenn wir vermummt sind und anfangen zu weinen. Nach drei Monaten müssen sich die Kinder sowieso erst wieder eingewöhnen in der Kita, das ist schon schwer genug.“ 

Ohne eigene Masken wäre Öffnung bedroht gewesen 

Im Awo-Familienzentrum Schatzkästchen an der Dürerstraße seien bis jetzt gar keine Masken angekommen, bestätigt Leiterin Tanja Galatzka. „Wir haben eigene Masken. Wenn wir uns darauf verlassen hätten, dann hätten wir gar nicht wieder öffnen können“, bringt sie die Situation auf den Punkt. Es sei ohnehin schwierig, die Konzepte, die sich in der Theorie gut anhören, in der Praxis umzusetzen.

„Wir bewegen uns da vom eingeschränkten Regelbetrieb immer mehr zum Regelbetrieb, weil Eltern die verkürzten Betreuungszeiten oft gar nicht einhalten können und ihre Kinder dann doch später abholen, weil sie es nach der Arbeit nicht früher schaffen. Aber wir können kein Kind einfach vor die Tür stellen.“ 

Auch Jeannette Harter von der Kita Immanuel hat die Masken vom Land nicht abgeholt. „Wir wollten keine Masken haben, wir haben selber welche genäht.“ Zum Zusammenbauen des Mund-Nasenschutzes ist auch im Nordbögger Kindergarten keine Zeit. Ohnehin werde die Maske nur beim Bringen und Abholen durch die Eltern verwendet.

Ein schlechter Witz

Große Augen machte auch Birgit Schlottmann, Leiterin der Kita Christ König, als sie die Mail erhielt, sie könne sich einen Satz Einzelteile in Unna abholen, die Masken müssten aber noch zusammengebaut werden. „Ich hab das für einen schlechten Witz gehalten und erst mal laut gelacht. Dann habe ich gedacht, das kann doch nicht wahr sein“, berichtet sie. „Wir sind zum Glück von unserem Träger ausgestattet worden.“ Masken werden auch hier nur getragen, wenn die Kinder gebracht und abgeholt werden.

„Unsere Arbeit hat sich sehr verändert“, stellt sie fest. Die Erzieherinnen müssten in diesen Tagen viele Aufgaben übernehmen, die sonst nicht zu ihrer Tätigkeit gehörten. Die verkürzten Betreuungszeiten machten es nicht einfacher, denn Desinfektion, Einhaltung von Abständen, Essensausgabe und die Einteilung von Gartenbereichen für einzelne Gruppen seien nicht einfach umzusetzen. 

Nachdem das Team am ersten Tag nach der Öffnung doch ganz schön ins Rotieren gekommen sei, habe man die Organisation in einigen Bereichen noch einmal geändert. „Aber die Kinder sind wirklich toll“, betont Schlottmann. „Sie halten sich wirklich an die Regeln.“

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