Kirchenvorstand unterstützt Aktionen unter der Regenbogenflagge

Den Menschen zeigen, dass sie willkommen sind

Kreuz Gottesdienst Regenbogenflagge
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In vielen Städten fanden am Montag Segnungsgottesdienste im Zeichen der Regenbogenfahne statt.

Dürfen zwei Männer oder zwei Frauen sich lieben und dann noch den Segen der katholischen Kirche erhalten? Die negative Haltung Roms führte jetzt zu Protestaktionen. Burkhard Schlottmann, Kirchenvorstand der Bönener Pfarrei St. Barbara, unterstützt die Aktionen.

Bönen – Flagge zeigen gegen die Order aus Rom hieß es am Montag in vielen katholischen Gemeinden in Deutschland, die die bunte Regenbogenflagge hissten als Zeichen der Vielfalt. Wie in Hamm zum Beispiel fanden und finden rund 100 Segensgottesdienste für gleichgeschlechtliche Liebende statt, um ein Zeichen gegen die starre Haltung der Kirche zu setzen, die schwulen und lesbischen Paaren weiterhin den Segen verweigert.

In Bönen fand zwar kein Segensgottesdienst statt, dennoch zeigt Burkhard Schlottmann (68), Mitglied im Kirchenvorstand der Pfarrei St. Barbara Bönen und Heeren, nicht nur auf seiner Facebookseite klare Haltung zu dem Thema. WA-Redakteurin Kira Presch hat ihn dazu befragt.

Wie beurteilen Sie die offizielle Haltung der Kirche?
Die Nachricht, dass die Kirche dabei bleibt, gleichgeschlechtlich orientierten Menschen den Segen zu verweigern, ist typisch für die alten Herren in Rom. Sie sitzen hinter ihren vatikanischen Mauern und glauben, sie hätten die Kirche noch im Griff. Was hier an der Front passiert, das kriegen sie gar nicht mit. Was ich nicht verstehe, ist, dass Papst Franziskus einen Haken dran gemacht hat an das, was diese Glaubenskongregation da von sich gegeben hat, obwohl er eigentlich eine andere Einstellung dazu hat.
Gilt diese Haltung für die gesamte katholische Kirche?
Auch bei den Bischöfen gehen die Meinungen auseinander, da gibt es keine einheitliche Linie. Ich persönlich sehe das nicht als Protestreaktion, was gerade in vielen Kirchen passiert, sondern als notwendig, um den Menschen zu zeigen, natürlich seid ihr willkommen und gut aufgenommen in unserer Kirche.
Werden Sie selbst an einem Segnungsgottesdienst teilnehmen?
Wegen der Coronasituation werde ich nicht nach Hamm fahren, um an dem Segnungsgottesdienst teilzunehmen, aber ich werde mir das im Internet ansehen.
Wer entscheidet, wie Kirche sich vor Ort verhält?
Früher bestimmte der Priester allein, was gemacht wird. Wenn ich heute unsere Pfarrei St. Barbara sehe, ist das mit Pfarrer Benno Heimbrodt ein Verhältnis auf Augenhöhe. Das ist jemand, der mitten im Leben steht. In unserer Pfarrei überwiegt die Zahl der Menschen, die tolerant sind. Wenn jemand anderer Meinung ist, dann muss zumindest ein Dialog möglich sein.
Warum findet keine Aktion in Bönen statt?
Ich weiß es gar nicht, aber wahrscheinlich hat sich einfach keiner Gedanken gemacht, ob wir eine Fahne raushängen.
Wie sieht die Zukunft aus?
Mit dieser einen Aktion ist es noch lange nicht getan. Es muss weiter in die Köpfe und in die Herzen der Menschen, dass wir sagen: „Ihr seid genauso viel wert wie alle, deshalb stehen wir auf eurer Seite.“ Das ist ja nur ein Mosaiksteinchen von vielen, wie etwa die Bewegung Maria 2.0. Da ist was in Bewegung in der Kirche. Wir müssen sehen, dass wir gerade die kritischen Menschen bei uns behalten. Alle die weggehen, können nicht mehr mitreden und Kirche nicht mehr mitgestalten.

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