Kirchengemeinden in der Krise

Corona verdirbt Bönener Gruppen und Verbänden das Miteinander

Erntedankfrühstück der Kfd Christ König in Bönen
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Das Zusammensein, wie etwa im vergangenen Jahr beim Erntedankfrühstück der Kfd, fehlt den Mitgliedern sehr.

Bönen – Die stark ansteigenden Corona-Infektionszahlen und die damit einhergehende Schließung der Pfarrheime und Gemeindehäuser in Bönen hat vielen Vereinen, Verbänden und Gruppen das Miteinander verdorben. Gemütliche Treffen, Bildungs- und Kulturveranstaltungen sind nicht mehr möglich. Betroffen sind davon vor allem ältere Menschen, denen nun die sozialen Kontakte fehlen. Bei einer Umfrage unter den betroffenen Ehrenamtlichen sind alarmierende Stellungnahmen zu hören.

„Derzeit steht buchstäblich alles still“, sagt Silke Hoffmeier-Stanislawski, Vorsitzende der Katholischen Frauen Gemeinschaft (Kfd) Christ König. Sie könnten nichts unternehmen, da die Kfd von der gelebten Gemeinschaft geprägt sei. Direkt zu Beginn der Corona-Krise habe der Vorstand den Mitgliedern eine Einkaufshilfe angeboten. „Da haben wir aber erleichtert festgestellt, dass unsere Damen bereits hervorragend organisiert sind und die notwendige Hilfe über die Familie und Nachbarn erfolgt ist“, so Hoffmeier-Stanislawski.

Nun erhalten die Frauen weiterhin die Verbandszeitschrift und alle fiebern dem gemeinsamen Gottesdienst entgegen, der am 17. November um 14.30 Uhr in der Christ-König-Kirche stattfinden soll. „Da können wir die Corona-Anforderungen gut einhalten, auch wenn die gemeinsame Runde im Anschluss ausfallen muss“, sagt die Vorsitzende.

Die Caritas Christ-König hat den Kontakt zu den Mitgliedern höchst kreativ aufrecht erhalten: „Wir haben kleine Geschenke gebastelt und diese, zusammen mit selbst gemachter Marmelade, ganz corona-konform verteilt“, so die Vorsitzende Birgit Winkler

Lichtblicke-Telefon soll trösten

Die Krankensalbung sei organisiert worden und die Telefonketten funktionierten. Um gegen Einsamkeit und Traurigkeit etwas zu tun, wurde auch auf das „Lichtblicke-Telefon, gute Worte für die Seele“ hingewiesen. „Unter der Telefonnummer 0 52 51/20 92 19 erhält jeder Anrufer einen Impuls oder bekommt eine Bibelstelle vorgetragen“, so Winkler. Für den 16. Dezember sei zudem eine Besinnungsstunde in der Christ-König-Kirche geplant, natürlich nach einer Anmeldung.

Auch die Evangelische Frauenhilfe Bönen, die von Ute Gillmann geleitet wird, erhält momentan ohne persönlichen Kontakt die Verbundenheit: „Ich mache das mit meinen Damen alles per Post“, sagt Gillmann. Statt des im Juni angedachten Termins zum Schriftsteller Theodor Fontane habe sie den Frauen das Gedicht von Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland sowie eine kleine Andacht zukommen lassen. Statt des geplanten Bingospiels erhielten die Mitglieder eine Tafel Schokolade, quasi als Preis. „Das kommt gut an und niemand muss sich alleine fühlen“, so Gillmann. Das gemeinsame Mittagessen im Martin-Luther-Haus müsse natürlich bis auf Weiteres ausfallen.

Gleiches gilt für das Frühstück für Alleinstehende im Bonhoeffer-Haus. „Uns ist es derzeit schlicht nicht möglich und ob etwas Alternatives angeboten werden kann, steht bei den aktuellen Fallzahlen auch in den Sternen“, sagt Organisatorin Rita Alberti. Schon für die aufwendige Desinfektion im Anschluss fehlen die notwendigen Helfer. Viele der älteren Besucher beklagten zudem, dass die Masken die Hörgeräte stören. Bei der Frauenhilfe Nordbögge habe Rita Alberti als lieben Gruß Postkarten versendet und sich selbst behilft die rüstige 73-Jährige durch Kontakte per Smartphone und die Gottesdienste im Fernsehen.

„Aktuell sind meine Kinder ja auch im Homeoffice, und ich möchte nirgendwo rumlaufen und dann hier alle infizieren“, so Alberti. Die Mitglieder hätten sich über die Karten, die zeigen, dass jemand an sie denke, sehr gefreut. Aber auch Alberti persönlich fehle die Vorbereitung der Treffen und sie hoffe auf baldige Besserung der Lage.

Soziale Kälte breitet sich aus

Auch der Abendkreis Bönen-Ost muss derzeit auf persönlichen Kontakt verzichten: „Unser letztes großes Treffen war die Jahreshauptversammlung im Februar“, sagt Herta Dittforth. Danach habe es nur noch einmal einen Besuch der evangelischen Kirche in Hamm-Mark gegeben. Es sei schlimm, wie die soziale Kälte sich ausbreite, sagt die Organisatorin. Um dem etwas entgegenzustellen, plane sie jetzt statt der gemeinsamen Adventfeier, eine Andacht durch die Bezirksfrauen verteilen zu lassen. „So weiß jeder, dass an ihn gedacht wird“, so Dittforth.

Ihr tue die derzeitige Entwicklung vor allem aus zwei Gründen leid: Zum einen sei überhaupt kein Ende abzusehen, zum anderen habe sie sich gerade in diesem Jahr über den sehr gelungenen Veranstaltungsplan mit vielen tollen Referenten gefreut. „Ob die in Zukunft wieder die Zeit haben, ist natürlich fraglich“, so Dittforth.

Den Postweg nutzte auch Karin Ostroga vom Abendkreis Flierich: „Natürlich können wir die Monatstreffen derzeit nicht durchführen, auch da viele Mitglieder aufgrund des Alters zur Risikogruppe gehören“, so Ostroga. So habe sie ihnen zu Pfingsten und Erntedank Briefe geschrieben. Die sozialen Kontakte müssten ja, gerade jetzt, irgendwie gepflegt werden. Da sie selbst im Krankenhaus arbeite, bekomme sie allerhand mit und ihr sei das mit einer Infektion verbundene Risiko höchst bewusst. „Ich hätte nicht geglaubt, in unserer Zeit in Europa solch eine Pandemie miterleben zu müssen,“ sagt Ostroga.

Endet mit der Pandemie die Isolation?

Die Mitglieder des KAB-Sozialverbandes müssten derzeit ebenfalls viel ausfallen lassen und seien auf Improvisation angewiesen, wie Burkhard Schlottmann von der KAB berichtet. „Die Gemeindezentren sind zu, die Martinszüge fallen aus, und man fragt sich ernsthaft, ob nach Corona auch alle wiederkommen“, so Schlottmann. Das gelte nicht nur für die KAB, sondern auch für viele andere Organisationen, etwa Chöre. Niemand wisse, wie lange die Krise noch andauere. Daher seien auch Vorstandssitzungen sinnlos. Er habe sich ja mit der Entschleunigung zu Hause ganz gut einrichten können, aber wenn jemand nur eine kleine Wohnung habe, so falle einem schnell die Decke auf den Kopf. Notwendige Konferenzen sollten auf Diözesan- und Bundesebene ersatzweise per Videokonferenz erledigt werden, doch wie das bei einer geplanten Dauer von mehreren Tagen laufen solle, habe er noch nicht durchschaut. Insgesamt sei das eine lange, traurige Phase.

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