Im Interview

Volkskrankheit Heuschnupfen: Bönener HNO-Arzt gibt Tipps für Betroffene

Bönen – Die Nase läuft, die Augen brennen: Die typischen Symptome einer Erkältung müssen nicht unbedingt auf einen Schnupfen oder eine Sommergrippe hinweisen, weiß der Bönener Hals-Nasen-Ohren-Arzt Thomas Krüger. Im Gespräch mit WA-Redakteurin Sabine Pinger spricht er über den Heuschnupfen. 

Woran erkennen Betroffene, dass sie keine normale Erkältung haben, sondern einen Heuschnupfen? 

Das ist tatsächlich schwierig und für die Patienten nicht einfach herauszufinden. Die Symptome können schon sehr ähnlich sein, mit einer laufenden Nase, brennenden Augen und sogar Husten, wenn es in Richtung allergisches Asthma geht. Wir Ärzte können das anhand der Schleimhäute erkennen. Und im Zweifelsfall muss ein Test gemacht werden. 

Wie läuft solch ein Test ab? 

Es gibt verschiedene Tests, um Allergien festzustellen, zum Beispiel den Pricktest. Bei dem werden verschiedene Allergene auf die Haut aufgetragen. Er gibt gerade bei Heuschnupfen rasch Aufschluss. Ergänzend oder bei unklaren Testergebnissen wird ein Bluttest gemacht, also Blut entnommen und im Labor untersucht. Bei ganz schwierigen Fällen werden Extrakte auf die Schleimhaut aufgesprüht. Das nennt sich Provoaktionstest. 

Der Bönener Hals-Nasen-Ohren-Arzt Thomas Krüger.

Worauf regieren die Menschen bei einem Heuschnupfen? 

Wir sprechen eigentlich gar nicht von einem Heuschnupfen, sondern von einer allergischen Nasenschleimhaut- oder Halsentzündung beziehungsweise einem allergischen Asthma. Heuschnupfen ist eher ein allgemeiner Begriff. Die Betroffenen reagieren in der Regel auf Gräserpollen. Es gibt aber noch sehr viele andere Allergene, zum Beispiel Hausstaub, Schimmelpilze oder Tierhaare. 

In welcher Zeit tritt die Allergie besonders stark auf? 

Das ist unterschiedlich und kommt darauf an, worauf die Menschen reagieren. Es gibt saisongebundene Allergien, die gehen schon sehr früh los. Die Haselnuss kann ab Ende Dezember für Reaktionen sorgen. Dann kommen die Frühblüher, Erle und Birke bis spätestens April. Von Mai bis August sind es dann die Gräserpollen. Roggen ist sehr eng verwandt mit den Gräsern und macht vielen Allergikern im Sommer Probleme. Auch der Beifuß kann schwere Reaktionen auslösen. Er blüht von Mai bis Oktober. Bei einer Hausstauballergie kann es vorkommen, dass sie mit Beginn der Heizperiode besonders heftig ist, weil beim Heizen der Staub aufgewirbelt wird. Es gibt natürlich auch viele ganzjährige Allergien, etwa bei Tierhaaren oder Hausstaub. Manche Heuschnupfenpatienten entwickeln zudem pollenassoziierte Kreuzreaktion auf Nahrungsmittel, insbesondere auf Kernobst. Da hilft übrigens das, was unsere Großeltern schon gemacht haben: Die Äpfel werden leicht angedünstet. Dann können auch Allergiker sie vertragen. Auf den Rohkostteller sollten sie dagegen verzichten. 

Und was hilft gegen die Allergie? 

Auch das ist sehr individuell und hängt davon ab, welche Beschwerden der Patient hat. Es gibt Medikamente, die die Symptome unterdrücken. Beim Niesen, Schnupfen, tränenden Augen und Husten helfen bestimmte Sprays, Tropfen oder Tabletten mit verschiedenen Wirkstoffen. Es gibt inzwischen in der Apotheke jede Menge entsprechender Mittel. Und wenn die Patienten damit klar kommen, ist das auch in Ordnung. Ansonsten lohnt sich, zum Arzt zu gehen, der das individuell passende Medikament verschreibt. Um die Allergie einzudämmen, kann man es auch mit einer Hyposensibilisierung versuchen. 

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Können Betroffene noch etwas tun, außer zu Arzneimittel zu greifen? 

Ja, gerade Pollenallergiker sollten zum Beispiel frühmorgens die Wohnung gut durchlüften und tagsüber die Fenster geschlossen halten. Wer nachts gerne bei offenem Fenster schläft, dem sind Pollenschutzgitter zu empfehlen, die die meisten Pollen abhalten. Und wer viel draußen war, sollte sich abends die Haare waschen. 

Kann man sich generell vor einer Allergie schützen? 

Das wird immer wieder diskutiert. Nichts ist aber so recht bewiesen. Das Einzige, was sich statistisch belegen lässt, ist, dass Menschen, die in ländlichen Regionen oder auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener zu Allergien neigen. Das gilt auch für Hundehalter. Außerdem scheint es gut zu sein, wenn Mütter ihre Babys stillen. 

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Wann treten Allergien auf? Beginnen sie immer im Kindesalter? 

Nein, eine Allergie kann sich jederzeit und in jedem Lebensalter entwickeln. Manchmal verschwinden sie aber auch wieder, zum Beispiel in der Schwangerschaft. Die Hormone spielen dabei eine wichtige Rolle. 

Haben Sie den Eindruck, dass die Allergien zunehmen und immer mehr Menschen darunter leiden? 

Gefühlt ja. Es sind schon sehr viele, die damit zu mir in die Praxis kommen. Und bei den Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist das auf jeden Fall so. Die nehmen stetig zu. Woran es liegt, ist umstritten. So hat man zum Beispiel angenommen, dass die Luftverschmutzung ein Grund dafür ist. Allerdings hat man dann festgestellt, dass die Menschen in der DDR weniger Allergien hatten, als nach der Wiedervereinigung. Und die Luft war dort zu DDR-Zeiten definitiv schmutziger.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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