Bönener Hausärzte im Impfstress

Astrazeneca ausreichend verfügbar - aber nicht alle greifen zu

Dr. Christoph Middeldorf verabreicht Manuela Lauenroth eine Impfung.
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Impfung in der Hausarztpraxis: Dr. Christoph Middeldorf verabreicht Manuela Lauenroth Astrazeneca.

Die Impfungen bei den Hausärzten nehmen Fahrt auf. Lange Zeit bekamen die Praxen nur geringe Dosen zugeteilt, jetzt ist Astrazeneca nahezu uneingeschränkt verfügbar und seit vergangenem Donnerstag für alle freigegeben, aber nicht jeder will ihn.

Bönen – Richtig Gas geben will Dr. Christoph Middeldorf, damit so schnell wie möglich viele Bönener immunisiert werden. „Bei uns kann sich jeder unabhängig vom Alter und von den Vorerkrankungen einen Impftermin geben lassen – für Astrazeneca auf jeden Fall, da sind ausreichend Impfdosen verfügbar. Die werden bei uns auch sehr gut nachgefragt. Bei Biontech ist es so, dass wir immer noch zu wenig Impfstoff bekommen.“

In der Praxis werden nun die Zweitimpfungen, die jetzt in den nächsten Wochen fällig werden, vorgezogen, weil die Praxis vom 22. Mai bis zum 6. Juni wegen Urlaubs geschlossen ist. Allerdings sei es nicht so einfach, ausreichend Biontech zu erhalten, um diese Impfungen vorzuziehen, denn Biontech gehe primär in die Impfzentren, wo nach seiner Einschätzung fast ausschließlich mit diesem Vakzin geimpft werde. „Das alles ist sehr bürokratisch, aber machbar.“ Dazu kommen die Erstimpfen aller, die sich jetzt mit Astrazeneca impfen lassen wollen. „Wir versuchen, bis zum Urlaub noch möglichst viele Termine zu vergeben, um diese Zeit ein bisschen aufzufangen. Im Juni geht es dann mit voller Kraft weiter.“

Anrufen und einen Impftermin machen

Das Abtelefonieren von Patientenlisten sei eine Sache, die viel Arbeit mache und Zeit blockiere, weil viele Menschen doch schon geimpft sind. „Vier bis fünf Anrufe gehen da regelmäßig ins Leere.“ Deshalb können sich alle Impfwilligen in der Praxis von Dr. Middeldorf telefonisch melden und einen Impftermin vereinbaren oder persönlich vorbeikommen.

An zwei Tagen in der Woche hat Middeldorf einmal vormittags, einmal nachmittags eine reine Impfsprechstunde eingerichtet. Da werden zurzeit 80 bis 90 Dosen verimpft. „Wir müssen den Impfstoff aufziehen, das dauert alles seine Zeit, aber mit zunehmender Routine geht das schneller.“ Dennoch räumt er ein: „Das bringt uns schon an den Rand unserer Kapazitäten, denn dazu kommt ja noch der normale Praxisbetrieb.“

Die meisten wollen eine Impfung, am liebsten mit Biontech

Der größte Teil der Bönener, so seine Erfahrung, will sich möglichst schnell impfen lassen. „Allerdings gibt es auch Menschen, die Astra ablehnen und nur Biontech haben wollen“, so Middeldorfs Beobachtung. Die Zahl halte sich aber in Grenzen.

Der ungeliebte Impfstoff Astrazeneca hat in vielen Köpfen ein schlechtes Image. Das spürt auch sein Kollege Dr. Burkhard Simonis in seiner Praxis. „Die Leute drängeln, dass sie geimpft werden, aber sie wollen Astrazeneca nicht. Wir verimpfen zu 80 bis 90 Prozent Biontech“, berichtet der Bönener Mediziner. „Die Leute warten lieber länger, denn wir bekommen zu wenig Biontech.“ Dabei sei Astrazeneca besser als sein Ruf. „Ich empfehle den Impfstoff ausdrücklich. Die Patienten haben einen Schutz – und je eher alle geimpft sind, umso schneller kommen wir aus der Pandemie raus.“

Am Mittwochnachmittag wird in der Praxis ausschließlich geimpft. Zusammen mit seinen beiden ärztlichen Kollegen werden in der Regel rund 100 Impfungen verabreicht. Zusätzlich macht er donnerstagvormittags Hausbesuche und impft vor Ort. „Das ist sehr zeitaufwendig, weil der Arzt nach der Impfung noch dableiben und überwachen muss, dass es keine allergischen Reaktionen gibt.“

Für einen Termin mehrere Patienten anrufen

An den anderen Tagen muss der normale Praxisbetrieb weiterlaufen. Dennoch sei es mit dem Impfnachmittag nicht getan. Der Aufwand, die Termine vorzubereiten, sei sehr hoch. „Das ist ein echtes Problem. Wir müssen für einen Termin mehrmals telefonieren, weil die Patienten nicht erreichbar sind, keine Zeit haben oder bereits woanders geimpft wurden. Das ist ein Wahnsinnsverwaltungsaufwand!“ Dabei arbeiten die Mitarbeiterinnen eine über 30-seitige Patientenliste ab. „Wir rufen unsere Patienten an, weil die meisten telefonisch bei uns nicht durchkommen würden.“

Das mache es auch so schwierig, das Problem zu beseitigen: „Eigentlich würde es helfen, wenn diejenigen sich melden würden, die keine Impfung mehr brauchen. Aber ich weiß, dass es schwierig ist, bei uns durchzukommen, weil das Telefon ständig besetzt ist.“

In der Praxis von Regina Kopmane werden sogar dreimal wöchentlich dienstags bis donnerstags vormittags Impftermine angeboten. Auch hier fragen die meisten Patienten nach dem Impfstoff Biontech, bestätigt Mitarbeiterin Andrea Zenke. „Viele lassen sich auf eine Warteliste setzen. Die ist allerdings lang, denn wir bekommen kaum Biontech.“ Eine Alternative sei, es beim Impfzentrum in Unna zu versuchen – wenn die Impfberechtigung vorliegt (siehe Kasten). „Aber es ist besser geworden. Viele Patienten sind inzwischen auch bereit, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen, das können wir in großen Mengen anfordern.“

Viele melden sich telefonisch

Am Anfang wurden die priorisierten Patienten, Alte und Kranke, von der Praxis kontaktiert, berichtet Zenke. „Inzwischen rufen die Jüngeren von sich aus in der Praxis an, um einen Termin zu vereinbaren. Deshalb steht das Telefon bei uns nicht mehr still.“

Auch in der Praxis Kopmane beklagen die Mitarbeiter den hohen Arbeitsaufwand rund um die Impfungen. „Da müssen wir jetzt alle durch“, sagt Andrea Zenke. „Nur so schaffen wir es, möglichst schnell viele Menschen zu impfen.“

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